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Handytrojaner stiehlt 36 Millionen Euro

Es ist einer der komplexesten Angriffe in der Geschichte des Onlinebankings: Kriminelle haben europäische Bankkunden mit einem Trojaner um 36 Millionen Euro erleichtert. Auch Deutsche sind betroffen.

Von Christoph Fröhlich

  Cyberkriminelle räumten mit einem Handytrojaner schätzungsweise 36 Millionen Euro von europäischen Bankkonten.

Cyberkriminelle räumten mit einem Handytrojaner schätzungsweise 36 Millionen Euro von europäischen Bankkonten.

Es war ein penibel geplanter Beutezug mit jeder Menge High-Tech: Cyberkriminelle haben in diesem Jahr europäische Bankkunden mit einem Trojaner um 36 Millionen Euro erleichtert, schreiben die beiden Sicherheitsunternehmen Versafe und Check Point Software. 30.000 Kunden von mehr als 30 Banken sollen betroffen sein, darunter Geldinstitute aus Spanien, Italien, Holland und auch Deutschland. Rund ein Fünftel der Betroffenen sind Deutsche, wegen des Wirkungsraums sprechen die Verfasser des Berichts bereits vom "Eurograbber"-Angriff.

Das Brisante an dem virtuellen Raubzug: Die Kriminellen konnten mit einem kombinierten Angriff auf Computer und Smartphones der User und einer gut verschleierten Serverstruktur sämtliche Sicherheitshürden der Banken umgehen. Selbst das gemeinhin als sicher geltende mTan-Verfahren wurde ausgehebelt. Es sei eine "ausgefeilte, mehrdimensionale und gezielte Attacke" gewesen, schreiben die Autoren in ihrer Fallstudie.

Wie sind die Angreifer vorgegangen?

Wie die meisten digitalen Angriffe beginnt auch dieser auf dem PC des Opfers: Zunächst muss der Computer des Nutzers mit einer Schadsoftware namens "Zeus" infiziert werden, das gelingt den Kriminellen entweder mit einem verseuchten Link, den sie via E-Mail verschicken, oder mit einer zuvor manipulierten Webseite. Per Drive-by-Download installiert sich von dort die Schadsoftware automatisch und vom Nutzer unbemerkt auf dem Computer.

Sobald sich der Nutzer in sein Onlinebanking-Konto einloggt, wird der Trojaner aktiv und fordert den Anwender auf, persönliche Daten wie Handynummer und Betriebssystem einzugeben. Außerdem wird er gebeten, den weiteren Instruktionen zu folgen, die per SMS verschickt werden. Kurz darauf erhält der Nutzer eine vom Angreifer verschickte Kurznachricht. Darin enthalten ist ein Link, der angeklickt werden muss, um Onlinebanking auf dem Smartphone vermeintlich sicherer zu machen. In Wirklichkeit installiert sich aber eine mobile Variante des "Zeus"-Trojaners namens "Zitmo" (Zeus in the mobile). Betroffen sind Android- und Blackberrygeräte, eine Version für Apples iOS-Geräte gibt es offenbar nicht.

Will der Nutzer nun eine Überweisung tätigen, erhält er beim sogenannten #link;www.stern.de/digital/online/sicheres-online-banking-die-tan-hat-ausgedient-1818071.html;mTan-Verfahren# eine mobile Transaktionsnummer per SMS zugeschickt. Nur mit dieser Nummer ist es möglich, im Browser Geld zu überweisen. Allerdings fängt "Zitmo" diese nur einmal gültigen Codes ab und nutzt sie, um Geld vom Bankkonto des Opfers abzuheben und auf das Konto des Angreifers zu überweisen. Somit wird nicht direkt das System des Onlinebankings angegriffen, für die Bank sind die Daten in Ordnung und die Angriffe nicht zu verhindern. Je nach Transaktion werden zwischen 500 und 250.000 Euro abgehoben.

Experten raten zu Vorsicht

Es ist nicht das erste Mal, dass Experten vor solch einem Angriff warnen: Bereits im November warnte die Berliner Polizei vor dem Missbrauch von mTans. Dabeie wurden Konten vollständig inklusive des verfügbaren Überziehungsrahmens geleert, Rückbuchungen waren nicht mehr möglich.

Nur durch die Gutgläubigkeit vieler Nutzer ist es Kriminellen möglich, an sensible Informationen zu gelangen. Vermeintliche Aufforderungen der Banken zum Download von Software - egal ob für PC oder Smartphone - oder Sicherheitsupdates sollten stets mit Vorsicht behandelt werden. Im Zweifelsfall sollte direkt beim Geldinstitut nachgefragt werden. Aktuelle Sicherheitssoftware kann das Risiko einer Trojanerinfektion zumindest einschränken.

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