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Whatsapp macht es Betrügern leicht

Neue Kritik am Messengerdienst Whatsapp: Wieder lassen sich Accounts mit geringem Aufwand übernehmen und Nachrichten in fremden Namen verschicken. Das Unternehmen schweigt zu den Vorwürfen.

Von Christoph Fröhlich

  Kann jetzt Sprachmitteilungen verschicken: der Nachrichtendienst Whatsapp.

Kann jetzt Sprachmitteilungen verschicken: der Nachrichtendienst Whatsapp.

Immer wieder Ärger mit Whatsapp: Erst im September sorgte eine gravierende Sicherheitslücke des SMS-Ersatzdiensts für Aufsehen, durch die Accounts ohne großen Aufwand übernommen werden konnten. Darüber hinaus gab es Hinweise, dass Whatsapp auch bei der Verschlüsselung der Nachrichten geschlampt hat. Experten waren entsetzt, der Sicherheitsblog "Fileperms" schrieb: "Whatsapp ist kaputt, wirklich kaputt".

Erst nach mehr als zwei Monaten stopften die Entwickler die Lücke, doch offenbar klafft ein weiteres Loch in der Software: Ein Leser der Technikwebseite "Heise" hat einen neuen Fehler entdeckt, der das Kapern fremder Whatsapp-Konten erlaubt. Durchgeführt wurde der Test in der aktuellen Android-Version (2.8.7326) des Messengerdiensts.

Pikant: Im Prinzip nutzt der neue Hack die alte Sicherheitslücke. Alles, was die Kriminellen dazu benötigen, ist die Telefonnummer des Opfers und die Seriennummer (IMEI) des Smartphones. Diese findet sich auf der Rückseite des Telefons oder lässt sich per Tastenkombination oder App auslesen. Mit diesen Daten lässt sich das fremde Passwort für die Anmeldung am Whatsapp-Server erzeugen, sodass man sich als eine andere Person ausgeben kann.

Vermutlich sind mehrere Geräte betroffen

Ob der Account-Diebstahl auch unter Apple-Geräten funktioniert, ist bislang nicht bekannt. Doch Experten vermuten, dass neben iPhones auch Geräte mit anderen Betriebssystemen - Whatsapp gibt es auch für Blackberrys, Windows Phone und Nokias Symbian - betroffen sind. Wie immer hüllen sich die Entwickler in Schweigen: Die Betreiber des Chattingdiensts macht weder Angaben zur Sicherheitslücke noch zu den seit September vorgenommenen Änderungen.

Das IT-Portal "Heise" hat die Entwickler mit der Entdeckung des jüngsten Fehlers konfrontiert. Bis auf eine kurze Nachfrage des mutmaßlichen Whatsapp-Gründers bezüglich der Versionsnummer herrscht aber Funkstille. Für die schlechte Kommunikation und mangelnde Informationspolitik gegenüber den Nutzern wurde das Unternehmen schon mehrfach gerügt.

Auch der plötzliche Wechsel zur kostenpflichtigen Android-Version sorgte für Aufsehen: Während Apple-Nutzer bei der Installation einmalig 0,89 Euro bezahlen müssen, konnten Android-Nutzer in den vergangenen Jahren umsonst Nachrichten verschicken. Seit vergangener Woche mehren sich Berichte von Android-Usern, die ihre kostenlose Testphase nur gegen eine Zahlung von 0,99 US-Dollar (umgerechnet 78 Cent) verlängern konnten.

Erfolgreichster Messengerdienst

Es ist davon auszugehen, dass die Whatsapp-Programmierer in den nächsten Wochen eine neue Version des Messengerdiensts veröffentlichen und die Schwachstellen beheben werden. Generell warnen Sicherheitsexperten aber vor dem Einsatz des Nachrichtendiensts: Um Whatsapp nutzen zu können, werden Anwender gezwungen, ihr Adressbuch freizugeben. Wer dem nicht zustimmt, muss auf den Dienst verzichten. Vor allem Datenschützer ist diese Regelung ein Dorn im Auge.

Der Popularität hat das bisher nicht geschadet: Via Whatsapp werden täglich mehr als zehn Milliarden Nachrichten, Bilder, Videos und Songs verschickt, auf mehr als 100 Millionen Android-Geräten ist die Software bereits installiert. Auch in Apples App-Store belegt Whatsapp seit Jahren die oberen Ränge der Download-Charts.

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