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Der Krieg der Smartphone-Giganten

Apple gegen Samsung, Motorola gegen Microsoft, jeder gegen jeden: Die Handyhersteller sind im Krieg. Doch was steckt hinter dem Patentwettrüsten? Und wie wirkt sich das auf die Kunden aus?

Von Christoph Fröhlich

  Wettrüsten auf dem Smartphone-Markt: Die Handyhersteller sichern sich immer mehr Patente, um bei Klagen zurückschlagen zu können

Wettrüsten auf dem Smartphone-Markt: Die Handyhersteller sichern sich immer mehr Patente, um bei Klagen zurückschlagen zu können

Ein Fingerwisch nach rechts, schon ist das iPhone entriegelt. Das ist simpel und genial. So genial, dass auch Samsung das "Slide to Unlock" getaufte Feature in seine Smartphones übernommen hat. Seitdem wirft Apple dem südkoreanischen Konzern Ideendiebstahl vor und hetzt seine Anwälte auf den Konkurrenten. Der wiederum meint, das Wischen auf einer vorgefertigten Linie beim iPhone sei überhaupt nicht mit dem Ziehen auf den Samsung-Handys zu vergleichen. Jetzt prüfen Gerichte, ob Samsung gegen das Apple-Patent verstößt. Wer jetzt schon mit dem Kopf schüttelt, sei gewarnt: Es geht noch viel absurder. Willkommen in der Welt der Patentstreitigkeiten.

Es geht um Geld und Macht

Der Zoff um die Wisch-Funktion ist nur ein Schlagabtausch von vielen. Mittlerweile hat schon fast jeder gegen jeden geklagt. Allein in Deutschland setzen sich Gerichte in Düsseldorf, Mannheim und München mit den Zankereien der Elektronikkonzerne auseinander. Mal geht es um einen verwendeten Funkstandard, ein anderes Mal um die E-Mail-Synchronisation auf dem Smartphone. Selbst um vermeintliche Kleinigkeiten wie die Darstellung eines Smileys liefern sich die Handyriesen einen erbitterten Kampf. Doch was steckt hinter den übertrieben anmutenden Prozesswellen?

Für die Hersteller bedeuten Patente vor allem eins: Geld. Wer viele besitzt, ist in einer besseren Verhandlungsposition. Bei rund 250.000 Patenten ist es unvermeidbar, dass ein Hersteller früher oder später gegen eines der Konkurrenten verstoßen wird. Häufig ist das bei Industriestandards der Fall, wie beispielsweise Wlan oder UMTS. Soll das Handy also jene Funktionen beherrschen, wird meist eine Lizenzgebühr fällig. Doch wie hoch diese ausfällt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. "Das ist es ein bisschen wie auf dem Schulhof früher", meint Patent-Experte Florian Müller im Gespräch mit stern.de. "Wer die gefragten Fußball-Sammelbildchen hat, findet mehr Partner zum Tauschen." Häufig geht es zu wie auf einem High-Tech-Basar: Um langwierigen Prozessen aus dem Weg zu gehen, gilt das Motto "Erlaubst du mir das Verfahren, bekommst du dafür Zugriff auf diese Funktion".

Das kommt den alten Hasen der Branche wie Nokia und Motorola zu Gute, die seit Jahrzehnten im Mobilfunkbereich tätig sind. In den sauren Apfel beißen dagegen Firmen wie HTC oder Google: Sie sind erst seit wenigen Jahren im Geschäft und besitzen dementsprechend wenig Patente.

Google in Bedrängnis

Obwohl Google erst seit Kurzem auf dem Handymarkt aktiv ist, ist der Suchmaschinenriese zum Big Player der Branche geworden. Laut dem Marktforschungsinstitut Gartner hat das Betriebssystem Android mittlerweile mehr als 50 Prozent Marktanteil, Tendenz steigend. Da gibt es nur ein Problem: Google nutzt Technologien, die andere Firmen erfunden haben, ohne sich um deren Rechte zu scheren.

Eine der größten Streitfälle ist der Prozess des Softwareherstellers Oracle gegen Google. Oracle gehört die Programmiersprache Java, die die Grundlage für die meisten der im Android Market angebotenen Anwendungen ist. Erst die Vielzahl an Apps macht das Betriebssystem für die Nutzer so attraktiv. Ohne diese wäre Android nur eine leere Hülle. Deshalb fordert Oracle ein Verbot von Googles Betriebssystem, solange es nicht nach den Regeln des Java-Herstellers spielt. Ein weiterer Kritikpunkt: Google verdient an jeder verkauften App Geld, bei 10 Milliarden heruntergeladenen Apps ein kleines Vermögen. Doch kein Cent davon wandert in die Geldbörse von Oracle, Google verweigert die Zahlungen. Die beiden Unternehmen können sich bis heute nicht einigen, mittlerweile streiten sie vor Gericht. Auch andere Firmen wie Ebay oder die British Telecom klagen gegen den Android-Hersteller aus Mountain View.

Microsoft ist da schon weiter: Da Google in seinem Betriebssystem auf diverse Patente des Windowsherstellers zurückgreift, landen pro verkauften Android-Gerät zwischen fünf und zwanzig Dollar auf dem Konto von Microsoft, schätzen Analysten. Bei rund 700.000 neu aktivierten Handys am Tag eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle.

Mit dem bevorstehenden Kauf von Motorola will auch Google an den damit verbundenen Patenten kräftig mitverdienen. "Allerdings sollte der Motorola-Deal nicht überbewertet werden", sagt Experte Florian Müller. Viele von Motorolas geschützten Ideen betreffen grundlegende Industriestandards, die Google nur gegen Lizenzgebühren veräußern darf. "In Wahrheit sind die Patente lediglich Parkuhren und keine Pistolen", fasst der Experte den geplanten Deal zusammen. Sie sorgen für einen kontinuierlichen Geldstrom - doch eine wirkliche Bedrohung sind sie nicht.

Die Kosten tragen die Kunden

Noch ist Android für die Hersteller kostenlos. Doch sollte Google in den kommenden Prozessen unterliegen und Lizenzgebühren zahlen müssen, könnte sich das ändern. Den Aufpreis werden die Kunden tragen müssen. Doch auch andere Hersteller werden die Prozess- und Lizenzkosten auf die Käufer abwälzen. "Ich bin mir sicher, dass in naher Zukunft für jedes Gerät ein dreistelliger Betrag an Lizenzkosten fällig wird", prognostiziert Patent-Experte Müller. 99-Euro-Smartphones wie das Ideos X3 von Huawei dürfte es dann nicht mehr geben. Dennoch warnt der Branchenkenner vor der Angst um Preiserhöhungen: Die Produktion von Handys wird immer billiger, die Preise werden fallen. "Sie werden wegen der Patentkosten nicht so stark sinken, wie sie könnten. Aber die Handys werden billiger."

Doch während alle anderen ums Geld feilschen, geht es Apple lediglich ums Prinzip. Bis zu seinem Tod wetterte Steve Jobs gegen Android, das seiner Meinung nach nur die Ideen von anderen klaute. Deshalb werde Apple weiter klagen und wenn nötig, bis zum letzten Cent gegen dieses Unrecht kämpfen. Google wurde zum Erzfeind erklärt. Noch scheint der davon relativ unbeeindruckt. Doch die vielen Klagen gegen den Android-Hersteller und dessen Partner bringen ihn in Zugzwang. Wird der eingeschlagene Kurs weitergefahren oder kommt es zur großen Versöhnung? Bei der falschen Entscheidung könnte einer der Beteiligten über kurz oder lang zu Fall gebracht werden. Und vielleicht nie wieder aufstehen. Fragt sich nur, wer.

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