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24. Februar 2010, 14:29 Uhr

Düstere Kämpfe in Dystopia

Im Jahr 2007 tauchten Videospieler erstmals ab in die düstere Unterwasserstadt Rapture. Ungewöhnliches Art-Déco-Ambiente und schwierige Entscheidungen machten "Bioshock" zu einem atmosphärischen Meisterwerk. Die Fortsetzung zeigt die Dystopie zehn Jahre später.

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Die Little Sisters muss der Spieler diesmal beschützen© Take 2

"Bioshock" entführte 2007 PC- und Konsolenspieler in eine aus dem Ruder gelaufene Unterwasser-Utopie, in der sich eine vermeintlich perfekte Gesellschaft selbst ihr nasses Grab schaufelte. Ungewöhnlich war nicht nur das Sujet im Art-Deco-Stil, sondern auch der philosophische Unterbau, der den Action-Titel aus der schmuddeligen Shooter-Ecke holte. Nun taucht Take 2 abermals in die Unterwasser-Stadt Rapture ab. Allerdings scheint den Entwicklern bei der Fortsetzung die kreative Luft ausgegangen zu sein.

Anstelle einer doppelbödigen Geschichte gibt's bei "Bioshock 2" nun derbe Effekthascherei, statt neuen Geniestreichen altbekannte Wahnsinnige. Nur die Perspektive änderte sich: Der Spieler schlüpft diesmal selbst in den massiven Tiefsee-Tauchanzug eines sogenannten "Big Daddys", der im ersten Teil noch zu den hartnäckigsten Widersachern zählte.

Das neue Spiel setzt zehn Jahre nach den Ereignissen im Vorgänger ein, geändert hat sich allerdings nur wenig. Noch immer schleichen entstellte Mutanten, sogenannte Splicer, durch die Gänge der verfallenen Unterwassermetropole, stets auf der Suche nach "Adam" - einer Droge, die wundersame Genveränderungen mit sich bringt und auch den Spieler dazu befähigt, Blitze aus seinen Fingern zu verschießen oder Objekte per Telekinese zu bewegen. Und noch immer sind die Little Sisters, kleine Mädchen mit puppenhaftem Äußeren und riesigen Nadeln im Gepäck, der Schlüssel zum Adam, das sie in rauen Mengen aus den Kadavern der Bewohner gewinnen.

Eigentlich hatte man dem Treiben im ersten Teil von "Bioshock" ein Ende gesetzt, doch eine gewisse Sophia Lamb, einst eine Mitarbeiterin des Rapture-Grüners Andrew Ryan, verfolgt ihre eigenen Pläne mit den Little Sisters (vor allem mit dem Mädchen Elenor) und hetzt deshalb dem Spieler auch Big Sisters auf den Hals - die weiblichen, äußerst flinken und kratzbürstigen Pendants der Big Daddys.

Um die kleinen Mädchen zu beschützen und ein ganz persönliches Problem mit Frau Lamb zu klären, kämpft man sich fortan durch die von Müll überfluteten, klammen und mit ungewöhnlichen Botschaften beschmierten Gänge von Rapture - und durch Unmengen von durchgeknallten Splicern. Die kriechen stets in Scharen aus ihren Löchern, wenn man eine kleine Schwester beim Adam-Extrahieren beschützen soll. Eine gute Vorbereitung ist deshalb die halbe Miete. Wer die Umgebung vorab mit jeder Menge Fallen spickt und Wachdrohnen umpolt, kann gegen die Gegnerwellen deutlich leichter bestehen ...

Größe zählt

Ein übergroßer Bohrer, Bolzenschussgeräte und noch ganz andere Kaliber sorgen für noch mehr Chancengleichheit. Die passende Munition dazu gibt's ebenso wie Heilmittelchen und anderen nützlichen Kram an speziellen Automaten. Bezahlt wird Schein für Schein in harter Rapture-Währung. Darum will jeder besiegte Gegner nach seinem Ableben gründlich gefilzt werden - ebenso wie all die Schreibtische, Schränke, Kommoden, Truhen, Safes und anderen Möbel, die sich in den Wohnungen, Büros oder Korridoren der Stadt türmen.

Eingesammeltes Adam darf ebenfalls an bestimmten Automaten wieder ausgeben werden. Im Angebot: verheerende Talente wie Feuersbrunst, Instant-Gefrierbrand, Elektro-Schocks, Telekinese und andere neckische Tricks. Anderes Gen-Material verstärkt passive Fähigkeiten, sodass der Spieler mehr Treffer einstecken, sich tarnen oder schneller die zahlreichen Munitionsspender, Erste-Hilfe-Stationen und Sicherheitssysteme über ein kleines Reaktionsspielchen hacken kann. Durch das Hantieren mit allerlei Gencocktails bekommt Take2s Action-Titel einen kräftigen Rollenspielschuss.

Flackernde Lichter, schummrige Schattenspielchen, die schönen Wassereffekte und der hervorragend inszenierte Verfall von Rapture schaffen erneut eine äußerst beklemmende Atmosphäre. Allerdings beginnt der Zahn der Zeit auch an der verwendeten Grafik-Engine zu nagen. Manche Texturen wirken arg verwaschen, viele Gegner wiederum schlicht veraltet.

Deutlich schlimmer wiegt für "Bioshock"-Veteranen jedoch der Mangel an Innovationen. Trotz kleiner Detailverbesserungen an der Spielmechanik und Steuerung: Die mithilfe von herumliegenden Audio-Aufnahmen und Flashbacks erzählte Geschichte kommt in etwa so schnell in Fahrt wie ein eingerosteter Big Daddy und wirkt obendrein etwas konstruiert. Um Spannung zu erzeugen, bedienen sich die Programmierer derselben Tricks wie im Vorgänger, blankes Entsetzen kann nur der mitunter hohe Gewaltgrad erzeugen, der von der USK mit einem "Ab 18"-Siegel quittiert wurde. Volljährige Neulinge dürfen sich jedoch über ein Füllhorn subtilen Horrors, packender Momente und kerniger Action freuen, das über ihnen ausgeschüttet wird. Und über einen umfangreichen Multiplayer-Modus, in dem bis zu acht Spieler mit unterschiedlichen Charakterklassen gegeneinander antreten dürfen.

Bioshock 2
Hersteller/Vertrieb Take 2 Interactive
Genre Action-Rollenspiel
Plattform PC, Xbox 360, PS3
Preis 35 bis 50 Euro
Altersfreigabe ab 18 Jahren
Robert Bannert/Teleschau
 
 
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