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2. November 2009, 10:15 Uhr

Headbangen für die Freiheit

Leder, Nieten, und tonnenweise fette Riffs: Das Actionspiel "Brütal Legend" ist eine humorige Hommage an den Heavy Metal, die gespickt ist mit Stars, Zitaten und Anspielungen. Extrem kultverdächtig ...

Brütal Legend, Adventure, Tim Schafer

Eddie sieht Jack Black nicht nur ähnlich, er spricht auch so© Electronic Arts

Mit "Brütal Legend" setzt der Gaming-Guru Tim Schafer ("Day of the Tentacle", "Psychonauts") dem Heavy Metal und sich selbst ein Denkmal der besonderen Art: Das abgedrehte Actionspiel vereint nicht nur die Prominenz der Szene, sondern begeistert mit viel Witz und seinem Hauptdarsteller: Hollywood-Star Jack Black.

Am Anfang ist das Ende. Bei einem Bühnenunfall stirbt der Roadie Eddie Riggs, dem Jack Black nicht nur seine Stimme, sondern auch das Aussehen geliehen hat. Doch statt im Rock-Elysium landet der Vollblut-Musiker dank seiner magischen Gürtelschnalle in einer Paralleldimension, in der Dämonen um den finsteren Lord Doviculus die Metal-liebenden Menschen unterdrücken. Ehrensache, dass sich Eddie den Revolutionären um den charismatischen Blondschopf Lars Halford und seiner Schwester Lita anschließt, um die Botschaft des Metals in eine Welt zu tragen, die den wüstesten Plattencovern der 80er-Jahre entsprungen zu sein scheint.

Dabei lässt sich das Spielgeschehen von "Brütal Legend" in unterschiedliche Punkte unterteilen: Anfangs dominieren Action-Sequenzen, in denen Eddie frei nach der Devise "Death to false Metal" fröhlich die Axt schwingt, Gegnern mit Elektroblitzen und Feuerbällen seiner FlyingV-Gitarre einheizt oder ihnen ein paar headbangende Schergen auf den Hals hetzt.

Später wird er mehr und mehr zum Feldherr einer Armee von Metaljüngern - ausgesandt von einer Bühne, die durch die richtigen Riffs auf seiner Gitarre immer größer wird. "Battle of the Bands" heißt dieser Strategie-Einschub, der aufgrund des teils unübersichtlichen und hektischen Einheitenmanagements ein wenig Schwung aus dem Spiel nimmt.

Her mit dem Hot Rod!

Ein weiterer wesentlicher Aspekt liegt auf dem Erforschen der Metalwelt. Selbstverständlich ist Eddie nicht zu Fuß unterwegs. Mit seiner Gitarre kann er sich einen prächtigen Hot Rod beschwören. Beim Cruisen durch die Ländereien entfaltet "Brütal Legend" mitunter seine größte Stärke. Es macht einfach unglaublichen Spaß, begleitet von wuchtigen Rock-Hymnen über Stock und Stein zu brettern. Zudem sind noch über die ganze Spielwelt Nebenaufgaben verteilt, die zwar für Auflockerung sorgen, jedoch viel zu einfach sind und schnell langweilen.

Zusammengehalten wird das Konstrukt von einer aberwitzigen Geschichte, die in erstklassigen Zwischensequenzen erzählt wird. "Brütal Legends" tritt hier den Beweis an, dass Comedy auch auf Spielekonsolen funktionieren kann.

Überhaupt spielt Humor eine große Rolle. Obwohl der Titel jedes noch so erdenkliche Metalklischee bedient, angefangen bei den Klamotten bis hin zur Gestik der Protagonisten, macht sich "Brütal Legend" zu keinem Zeitpunkt über die Fans und deren Musik lustig. Vielmehr kokettiert es liebevoll, ohne respektlos zu werden, was wohl auch Metalgiganten wie Judas-Priest-Sänger Rob 'Metalgod' Halford, Motörhead-Gründer Lemmy Kilmister oder den "Fucking Prince of Darkness" Ozzy Ozzbourne dazu bewogen hat, im Spiel als digitale Charaktere aktiv mitzuwirken.

Im besten Sinne abgedreht

Grafisch kocht "Brütal Legend" auf kleinerer Flamme. Obwohl die Landstriche stimmungsvoll und einfallsreich gestaltet wurden, mangelt es den Texturen an Schärfe und Detail. Besser gelungen sind die Effekte und besonders die Animationen der Recken. Ein Lob muss dem Charakterdesign ausgesprochen werden, selten gab es derart abgedrehte Figuren zu sehen. Auch sonst punktet "Brütal Legend" mit allerlei abstrusen Einfällen: Allein die Ideen, das eiserne Skelett eines Wildschweins als Waffe zu verwenden oder die Fäden einer Stahlspinne als Bass-Saiten aufzuziehen, sind schlicht genial.

Dass die Musik und die Sprachausgabe - besonders die englische - über alle Zweifel erhaben sind, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Dennoch ist "Brütal Legend" ein Spiel in erster Linie für die Zielgruppe, sprich: Metaller. An allen anderen dürften die vielen Zitate und Anspielungen spurlos vorbeigehen. Die Langhaar-Fraktion hingegen ist völlig aus dem Häuschen, wenn mit dem Hot Rod über ein zusammenkrachendes Burggelände gerast wird, während aus den Boxen "Through the Fire and Flames" von Dragonforce donnert. Ein Moment, mindestens so groß die der Bizeps von Eddie Riggs und bezeichnend dafür, wie stimmig die Musik als Stilmittel in "Brütal Legend" eingesetzt wird.

Brütal Legend
Hersteller / Vertrieb Double Fine Productions / Electronic Arts
Genre Action/Strategie
Plattform PS3, Xbox 360
Preis ca. 55 Euro
Altersfreigabe ab 18 Jahren
Alexander Hildebrand/Teleschau
 
 
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