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24. März 2009, 22:00 Uhr

Game over in der Spielhalle

Aktuelle Spielkonsolen und PCs sorgen im Wohnzimmer für Spielspaß in High-End-Qualität. Vor einigen Jahren musste man dafür noch in die Spielhalle gehen - Arcade-Automaten waren das Maß der Dinge. Doch nun bleiben die Spieler zuhause. Das Ende einer Ära. Von Dennis Schirrmacher

Arcade, Arkade, Spielhallen Videospiel

In Deutschland fällt es immer schwerer, aktuelle Arcade-Automaten zu finden© Namco Europe Limited

Vor etwa 15 Jahren wurden Videospiele hinsichtlich ihrer Inszenierung nur müde belächelt. Im heimischen Fernseher bewegte man sich lediglich in zwei Dimensionen - die Programmierer setzten aufgrund der begrenzten Hardware auf Pixel statt Polygone, die die 3D-Grafik erst ermöglichen.

3D ist Trumpf - zuhause

1993 hielt die dritte Dimension Einzug - global. Nintendo brachte den Weltraumshooter "Starfox" für das Super Nintendo heraus und dank des sogenannten Super-FX-Chips im Spielmodul flog man durch eine 3D-Welt, die aber noch ohne Texturen auskommen musste. Auf dem PC sorgte der indizierte 3D-Shooter "Doom" für Furore. Dabei handelte es sich aber um eine Mogelpackung, so waren die Räume zwar dreidimensional begehbar, die Feinde aber weiterhin 2D-Sprites.

... und in der Spielhalle

Die Hard- und Softwareschmiede Sega läutete im gleichen Jahr die nächste Grafik-Generation in der Spielhalle ein. Das Kampfspiel "Virtua Fighter" beeindruckte mit Kämpfern die aus Polygonen bestanden und sich - für die damalige Zeit - super flüssig und realistisch bewegten.

Die von Sega entwickelte Hardware im Spielautomaten rechnete lediglich mit 12 MHz, etwa dreimal soviel wie beim Super Nintendo. Die Arcade-Automaten waren der damaligen Hardware die zuhause werkelte haushoch überlegen. Ein Standard-PC um 1993 konnte zwar mehr Rechenleistung bieten, aber auch mal locker 6000 DM kosten. Trotzdem sahen Spiele in der Spielhalle besser aus. Das lag daran, dass die komplette Automaten-Hardware perfekt auf das jeweilige Spiel ausgelegt war.

Wer früher in High-End-Qualität zocken wollte, dem blieb also nur der Weg in die Spielhalle.

Spielhalle oder Sofa?

Heute spielt man zuhause in HD-Qualität mit nahezu fotorealistischer Grafik. Dies ermöglichen die beiden Spielkonsolen Xbox 360 und Playstation 3. In ihnen schlummern Mehrkernprozessoren und somit eine unglaubliche Rechenpower. Was heute auf den heimischen Fernseher gezaubert wird, steht dem in der Spielhalle Gebotenen in nichts mehr nach. Und da die leistungsfähigen Konsolen im Vergleich zum 6000-DM-PC von damals günstig sind, allen voran die Xbox 360 ab 170 Euro, nennt jeder Spielbegeisterte mindestens eine Konsole sein Eigen.

Umschwung

"Der Markt hat sich massiv verändert, die Unterhaltung kommt nun zum Spielbegeisterten und man daddelt viel lieber zuhause im kleinen Kreis mit Verwandten und Bekannten", sagt Olaf Weinstein, Chefredakteur des Branchenmagazins "Automaten Markt".

Arcade-Automaten punkten aber weiterhin mit ihrem Ambiente. Aktuelle Actionspiele wie etwa "Razing Storm" von Namco Bandai machen mit feinstem Surround-Sound und aufwendig gestaltetem Automatenkabinett auf sich aufmerksam. Das Spielerlebnis wird mit vibrierenden Plastikcontrollern, die wie Maschinengewehre aussehen, intensiviert. Das gibt es zuhause freilich nicht. Die aufsteckbaren Pistolen-Aufsätze für den bewegungsempfindlichen Nintendo-Wii-Controller muten da wie billiges Spielzeug an.

Die Technik der aktuellen Namco-Bandai-Automaten liest sich wie ein Datenblatt der Playstation 3. Kein Wunder, werden doch identische Komponenten, wie etwa der Cell-Prozessor, verbaut. Und da die Struktur nahezu gleich ist, sehen die Titel auf beiden Plattformen ebenbürtig aus. Alex Fierek, PR-Manager von Namco Europe, teilte stern.de mit, dass die Hardware aber noch immer extra an jedes Spiel angepasst wird. Daraus resultieren auch die hohen Automaten-Preise, denn die proprietäre Forschung und Entwicklung kostet viel Geld.

Die Spielhallen-Kultur in Deutschland ist tot

1984 wurden die sogenannten Spielstätten in Deutschland eingeführt. Diese sind grundsätzlich erst ab 18 Jahre betretbar - die Zielgruppe der Jugendlichen fällt somit weg. Am "Bildschirmgerät mit Müzeinwurf" in der Kneipe dürfen Kinder nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten oder ab 16 Jahre spielen.

Im Jahr 2003 wurde eine Gesetzesänderung verabschiedet, die besagt, dass, wenn die Automatenselbstkontrolle (ASK) ein Spiel ab sechs Jahren einstuft, es überall aufgestellt werden darf. Das dürfte aber bei den wenigsten Titeln der Fall sein, handelt es sich doch oft um Actionspiele. Diese Alterskennzeichnung ist seit dem Pflicht, ändert aber nichts daran, das Spielstätten nur für Erwachsene zugänglich sind. Die Geräte kosten zudem locker über 10.000 Euro und die Kommunen können vom Aufsteller monatliche Gebühren verlangen. An Gewinn ist da natürlich nicht zu denken, wie ein resignierter Automaten-Verleiher aus Wolfenbüttel gegenüber stern.de mitteilte.

Die Betreiber müssen umsatteln. So wurde etwa das Portfolio der großen Spielhalle "Vegas World" in Hamburg auf der Reeperbahn Ende 2008 umgestellt - nun gibt es dort nur noch Geldspielautomaten.

Wer aktuelle Arcade-Spiele genießen möchte, muss ins europäische Ausland oder besser in die USA oder Japan. Gerade in Japan nimmt die Spielhallen-Kultur einen ganz anderen Stellenwert ein. Dort geht die ganze Familie in die Spielhalle.

Von Dennis Schirrmacher
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
107Summer (25.03.2009, 10:49 Uhr)
Schade
Auch wenn der Artikel nicht mehr up to Date ist, weil die Wirklichkeit viel schlimmer ist, ist es trotzdem richtig die Missstände immer wieder aufzudecken: Spielhallen haben verbunden, waren soziale Schmelzpunkte, heutzutage wird Zuhause vor der Daddelkiste gezockt und nur in der Fernsehwerbung kann man ein soziales Miteinander bewundern, in Wirklichkeit hocken die meisten Leute alleine Zuhause rum und treffen sich bestenfalls online mit anderen Spielern.
esopherah (25.03.2009, 10:11 Uhr)
bullshit
der ganze artikel ist mist.
Die überschrift müsste heissen, der gewollte tot einer branche und gesellschaft.
In deutschland sind nicht die spielgeräte(flipper, billiard,dart,airhocky gehts nicht besser als den automaten)tot, sondern das soziale zusammenkommen zum spielen ist tot.
Spielhallen sind zu drogen und alki abhängstätten verkommen in denen nur noch geldspielautomaten stehen. Ich kenne keine spilo in die ich ne freundin mitnehmen könnte, das ist unterstes asozialen gebiet...
Da wird nur gezockt nicht gespielt.
kein wunder denn jugentliche unter 18 kommen heute doch nirgends mehr rein und damit auch nicht an die automaten. Die jugend ist heute gezwungen mit alc an öffentlichen plätzen abzuhängen, weil sie bis 18 nur in den kinderturnverein gehn können.
zaxxon (25.03.2009, 08:06 Uhr)
mindestens...
seit anfang dieses jahrhunderts sind arcade spielhallen am ende, das ist nichts neues!
lieber sten.de, wenn ihre anderen "nachrichten" auch soooo aktuell sind...na dann gute nacht.
Laberschlumpf (25.03.2009, 05:56 Uhr)
Schade
In Hamburg konnte man mal in "Europas größter Spielhalle" unzählige Arcade-Automaten anspielen. Ein nostalgischer Besuch im vergangenen Jahr war alles andere als schön - die Automaten waren alle uralt, der Laden fast leer. Die jungen Erwachsenen spielen jetzt halt zuhause. Doof, wenn man nach einem Kiezbummel mit seinen Kumpels noch mal ein Rennen fahren will.
johnniedeamonic (24.03.2009, 23:18 Uhr)
...
selten so einen Nonsens gelesen,
Arcarde Automaten werden in normalen Spielhallen (1-2Konzessionen)
schon seit ca. 10 jahren nichtmehr aufgestellt da die Zielgruppe (kinder und Jugendliche) in Deutschland überhaupt nicht in Spielhallen rein dürfen
(weil Jugendschutz).
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