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12. Dezember 2009, 10:22 Uhr

Vive la résistance!

Der Zweite Weltkrieg ist eins der beliebtesten Themen für Actionspiele. Nach etlichen Versionen von Schlachtfeld-Geballer widmet sich "Saboteur" einem bislang wenig beachteten Aspekt der NS-Zeit: der Widerstandsbewegung in den Gassen des besetzten Paris. Von Nina Ernst

Saboteur, Electronic Arts, Zweiter Weltkrieg, Paris, Widerstand, Resistance

Sean Devlin landet unfreiwillig im französischen Widerstand© Pandemic/EA

Wer Actionspiele mag, könnte fast der Illusion erliegen, selbst dabei gewesen zu sein; so viele Shooter gibt es über den Zweiten Weltkrieg. Die Schlachten, Waffen und Uniformen der Epoche sind Spielern bestens bekannt, wenn auch nicht die Angst und Verzweiflung im Schützengraben. In all den Ego-Shootern wurde jede Schlacht bereits zig Male geschlagen, jedes noch so kleine Schlachtfeld virtuell nachgebildet. Kein Wunder, dass immer mehr Spieler die Flinte ins virtuelle Korn werfen, das ewige Geballer zwischen Nazis, Russen und US-Soldaten nicht mehr sehen können. Nun bringt das Spiel "Saboteur" frischen Wind in die Versoftung dieser düsteren Epoche: Als Widerstandskämpfer verbreitet der Spieler Hoffnung in den Gassen des besetzten Paris.

Tom French ist Chefdesigner von "Saboteur" und findet es verständlich, dass Produzenten von Filmen und Spielen immer wieder den Zweiten Weltkrieg aufgreifen. Weil es hier dem Betracher besonders leicht fällt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. "Für Videospiele sind Nazis einfach die größten Bösewichte aller Zeiten und geben so hervorragende Feinde ab", sagt French.

Der 35-Jährige findet das Thema ebenfalls spannend, meint aber, dass schon genug Geschichten über die beteiligten Soldaten erzählt wurden. "In Wirklichkeit haben nicht alle Kämpfe gegen die Nazis nur auf dem Schlachtfeld stattgefunden. Es gibt so viele persönliche Geschichten von Leuten, die hinter den Kulissen gegen die Machthaber gekämpft haben", sagt French.

Reales Vorbild

Wie zum Beispiel die des britischen Rennfahrers William Grover-Williams, der in den 30er Jahren für das Bugatti-Team gefahren ist und anschließend in Paris als Saboteur agiert hat. Das ideale Vorbild für Hauptfigur Sean Devlin, einen irischen Rennfahrer und Automechaniker. Der interessiert sich zunächst nicht für Politik, sondern nur für Frauen, Autos und seine Kumpels. Nachdem die Nazis seinen Freund umgebracht haben, versteckt er sich in einem Pariser Nachtclub und ergibt sich seinem Schicksal.

So wie ein Großteil der Stadt, die aus Angst vor den Nazibesatzern in eine Starre gefallen zu sein scheint. Ob rund um den Eiffelturm, im Wohngebiet oder Geschäftsviertel: Der Schrecken der Bewohner ist fast in jedem Winkel von Paris spürbar. Überall patrouillieren Soldaten, Kontrollposten blockieren Straßenkreuzungen, die Stadt ist in Schwarz-Weiß getaucht. In der tristen Kulisse im Film-Noir-Stil leuchten die Symbole der Nazis in bedrohlichem Rot. Die beklemmende Stimmung scheint für den Spieler fast greifbar.

Saboteur, Electronic Arts, Zweiter Weltkrieg, Paris, Widerstand, Resistance

Bevor er sich der Résistance anschließt, genießt Devlin sein Leben als Rennfahrer© Pandemic/EA

Devlin macht zufällig Bekanntschaft mit der Pariser Widerstandsbewegung und beschließt, Rache zu üben. Nicht wie aus vielen Spielen gewohnt als übermächtiger Held mit großer Waffe, sondern als unauffälliger Saboteur. Er klettert auf Dächer, um Wachposten auszuschalten, fährt mit dem Auto durch die Stadt, um Brücken zu sprengen und Gefangene zu befreien. Fliegen Devlins Aktionen auf, heißt es Gas geben und sich möglichst weit weg von den Nazis verstecken. Ist der Alarm beendet, kann der Widerstandskämpfer zurückschleichen und sein Werk vollenden. Erfolgreiche Sabotageakte bringen die Hoffnung in den jeweiligen Stadtteil und die Farbe auf den Bildschirm zurück.

Das motiviert den Spieler und ist sehr stimmungsvoll inszeniert. Devlin ist mit seinen markigen Sprüchen allerdings eher ein Macho als ein vielschichtiger Charakter. Auch das an die "Grand Theft Auto"-Reihe erinnernde Spielprinzip ist technisch nicht ganz so ausgereift wie beim großen Vorbild. Trotzdem ist es eine interessante, neue Spielerfahrung, Teil der Widerstandsbewegung zu sein und die Nazis unbemerkt zu sabotieren. French sagt: "Die Hauptaussage des Spiels ist, dass jeder zum Helden werden kann." Selbst dann, wenn er wie Devlin früher unpolitisch war und Missstände einfach ignoriert hat.

Neue Facetten einer dunklen Zeit

Früher hat die Unterhaltungsindustrie sich für die NS-Zeit hauptsächlich dann interessiert, wenn es um die Darstellung der Grausamkeit des Krieges auf dem Schlachtfeld ging. Filme wie "Inglorious Basterds" zeigen, dass diese Epoche noch mehr interessante Aspekte zu bieten hat. Die Diskussion, ob die Nazizeit unterhaltsam oder spannend dargestellt werden darf, legt sich. Trotzdem ist der Widerstand der 40er Jahre noch immer ein ungewohnt ernsthaftes Thema für ein Videospiel. Designer Tom French sieht darin einen neuen Trend. Das Medium Spiel werde langsam erwachsen, meint der Entwickler: "Es ist eine großartige Zeit für Videospiele. Sie entwickeln sich langsam zu einer Kunstform wie der Film." Deshalb ist die Zeit gekommen, in der neben Kindersoftware, Retrogames und seichter Unterhaltung auch ernsthafte Themen aufgegriffen werden dürfen.

In erster Linie soll "Saboteur" laut French ein unterhaltsames Videospiel statt sachlicher Dokumentation sein. Deshalb sind Autos, Gebäude und Handlungen auch nicht bis ins kleinste Detail historisch korrekt nachgebildet, sondern nur an die Wirklichkeit angelehnt. Spielwelt und Ereignisse sind aber so überzeugend inszeniert, dass sich der Spieler sofort in die Epoche versetzt fühlt: von den Tänzerinnen im Nachtclub über die Tangomusik im Autoradio bis hin zu den alten Häusern mit den rauchenden Schornsteinen. Das virtuelle Paris ist eine Reise wert.

Saboteur
Hersteller/Vertrieb Pandemic/Electronic Arts
Genre Action
Plattform PC, PS3, Xbox 360
Preis 50 bis 60 Euro
Altersfreigabe ab 18 Jahren
Von Nina Ernst
 
 
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Wii-Geheimtipp aus Fernost
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Yslsl (12.12.2009, 15:52 Uhr)
@Corazito3333
Danke für den moralischen Stinkefinger. Der war wirklich unbedingt nötig.

Ich spiele das Spiel gerade und finde es sehr gelungen.
Tipp: bei Abstürzen "vsync" im Config-File ausschalten.
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