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18. August 2009, 09:44 Uhr

Spielemuffel sorgen für Highscores

Der Verkauf von Computerspielen legt auch in der Wirtschaftskrise zu. Die Branche wächst dank neuer Zielgruppen: Deshalb muss die Videospielmesse Gamescom in Köln ältere Erwachsene und Gelegenheitsspieler genauso ansprechen wie Hardcore-Zocker.

Gamescom, Videospiele, Games, Playstation, Xbox

© Julian Stratenschulte/DPA

Spielend durch die Rezession: Während viele Branchen sich im rauen Wirtschaftsklima eine schwere Grippe geholt haben, leidet die Computerspiele-Industrie allenfalls an einem leichten Schnupfen. Das belegen aktuelle Zahlen im Vorfeld der Branchenmesse Gamescom in Köln, die von Donnerstag bis Sonntag für Besucher offen ist. Das liegt aber nur bedingt an aufregenden Neuheiten. Vielmehr haben es die Hersteller geschafft, neben der klassischen Zielgruppe - jung, männlich, ballerbereit - weitere Bevölkerungsschichten fürs Spielen zu begeistern.

Die gute Nachricht lautet: Die Branche wächst weiterhin - wenn auch nicht mehr mit zweistelligen Raten. Im ersten Halbjahr setzten die Hersteller mit dem Verkauf von Spiel-Software 649 Millionen Euro um, wie der Branchenverband BIU berichtet. Das ist ein Plus von einem Prozent. Im Gesamtjahr soll der Zuwachs bei drei bis fünf Prozent liegen. "Wir profitieren hierzulande vom Nachholbedarf bei stationären Videospielkonsolen und dem traditionell starken deutschen PC-Spielemarkt", sagt BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters.

Einen ähnlichen Trend erwartet PricewaterhouseCoopers (PwC). Das US-Beratungsunternehmen prognostiziert, dass der deutsche Markt im laufenden Jahr um fünf Prozent auf rund zwei Milliarden Euro zulegt, bis 2013 auf 2,6 Milliarden Euro. Die höhere Summe erklärt sich dadurch, dass PwC nicht nur Datenträger, sondern auch den Download von Software sowie Online-Spiele berücksichtigt.

Neue Zielgruppen erschlossen

Die Branche profitiert nicht nur von Hardcore-Spielern, die auch die fünfte Fortsetzung eines Ego-Shooters oder einer Sportsimulation kaufen - wenn sie diese nicht gerade illegal herunterladen. "Die Erschließung neuer Zielgruppen war ein wesentlicher Treiber für das Wachstum", sagt Frank Mackenroth, Analyst bei PwC. Nintendo hat den Trend gesetzt: Der japanische Hersteller schafft es mit seiner per Bewegungscontroller bedienbaren Wii-Konsole auch in die Wohnzimmer und selbst in die Seniorenheime des Landes.

An die neuen Zielgruppen wollen mittlerweile alle ran, wie das Beispiel Electronic Arts (EA) zeigt. Der weltweit zweitgrößte Hersteller stellt in Köln neben den üblichen Action-Titeln auch das Familienspiel "Hasbro - Spiel mal wieder" vor. Mit der neuen Version des Musikspiels "Rock Band" zielt EA dagegen auf ältere Spieler ab: Die meisten neuen Lieder stammen von den Beatles. Und der Fitness-Trainer "EA Sports Active" dürfte auch Frauen ansprechen - die machen bisher die Minderheit der Spieler aus.

Weg von Konsole und PC

Bisherige Spielemuffel erreicht die Branche auch dank neuer Plattformen. Das iPhone und andere Smartphones mit Touchscreens haben einen Boom bei Handyspielen ausgelöst - "auch unter Menschen, die am PC nie spielen würden", wie Analyst Mackenroth betont. Und anders als auf stationären Geräten werden dafür zumindest ein paar Euro bezahlt. Der Umsatz mit Spielen auf mobilen Geräten lag in Deutschland laut PwC im Jahr 2008 bei 200 Millionen Euro - Tendenz deutlich steigend.

Auf große Neuheiten warten Fans in diesem Jahr allerdings vergeblich. Neue Geräte kommen im Weihnachtsgeschäft nicht heraus. Allenfalls eine Preissenkung könnte für Aufregung sorgen: Sony steht wegen schleppender Verkäufe seiner Playstation 3 unter Druck und könnte laut Branchenberichten an der Preisschraube drehen. Ansonsten schreibt die Branche hauptsächlich erfolgreiche Spieletrends fort - mehr Musikspiele, mehr Sportspiele, mehr Ballerspiele.

Wirkliche Neuigkeiten kommen wohl erst im kommenden Jahr: Dann wird beispielsweise Microsoft die Ganzkörpersteuerung mit dem Projektnamen Natal auf den Markt bringen. Die Fachwelt wartet gespannt: "Die Steuerung nur durch Gesten ist eine große Innovation", ist Prof. Jörg Müller-Lietzkow von der Uni Paderborn überzeugt. 2010 dürfte auch die Krise halbwegs überstanden sein - die Chancen stehen gut, dass dann auch die Spielebranche ihren Schnupfen überwunden hat.

Christof Kerkmann/DPA
 
 
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