Schwule Jedis, nein danke!

22. Januar 2013, 19:20 Uhr

Darf es schwule Jedis geben? Lesbische Kopfgeldjägerinnen? Seit in einem "Star Wars"-Computerspiel homosexuelle Beziehungen eingeführt werden sollen, laufen Gamer Sturm. Von Christoph Fröhlich

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Coole Machtblitze aus dem Handgelenk schleudern und mit einem surrenden Laserschwert bewaffnet eine weit entfernte Galaxis unsicher machen. Was für "Star Wars"-Filmfans der ersten Stunde bloßes Wunschdenken blieb, können Gamer seit einigen Jahren am heimischen PC selbst erleben. Eines der beliebtesten Videospiele der Marke ist "Star Wars: The Old Republic". Darin kann der Spieler fremde Planeten bereisen, ein eigenes Raumschiff kaufen oder wie Anakin Skywalker mit einem Gleiter über den Wüstenplaneten Tatooine rasen. Doch während Rollenspieler sonst gegen das böse Imperium kämpfen, haben sie nun einen neuen Feind gefunden: homosexuelle Sternenkrieger.

Science-Fiction-Fans sind von dem Online-Rollenspiel mit seinem futuristischen Setting begeistert. Doch so gerne die Gamer auch in der Zukunft spielen, geht es um Veränderungen in ihrem seit nunmehr 35 Jahren bestehenden Universum, sind die meisten Hobby-Jedis stur, ja geradezu rückwärtsgewandt. Das bekommt auch das Entwicklerstudio Bioware zu spüren, seit es angekündigt hat, demnächst einen Planeten für schwule Jedis und lebische Kopfgeldjägerinnen einzuführen. Nun fegt ein Sturm der Entrüstung durch die Gamingforen.

Wie viel Homosexualität verträgt "Star Wars"?

"Ich möchte diese homosexuellen Ansichten nicht mit meinem Geld oder meiner Spielzeit unterstützen", schreibt ein Nutzer im offiziellen Forum. Und sollte die Ankündigung nicht zurückgenommen werden, droht er: "Ich boykottiere das Spiel ab sofort und möchte mein bisher gezahltes Geld wiederhaben." Der wütende Spieler ist kein Einzelfall: Tausende von Briefen seien in den letzten Tagen bei den Entwicklern eingetrudelt, heißt es in einer Erklärung des Publishers Electronic Arts, der das Spiel auch in Deutschland vertreibt.

Gleichgeschlechtliche Beziehungen hätten in der Welt von "Star Wars" nichts zu suchen, behaupten einige Gamer. Stattdessen sollten sich die Entwickler um die Behebung dringenderer Probleme kümmern. Andere fürchten einen schlechten Einfluss auf minderjährige Zocker: "Es gibt einen großen Anteil an jüngeren Spielern", schreibt ein Forennutzer. "Und es gibt keine Kontrollmöglichkeiten für Eltern. Müssen die nun das Abonnement beenden oder vielleicht sogar Bioware verklagen, wenn deren homosexuelle Inhalte zu weit gehen?"

Schwulenghetto im Universum

Doch auch die Gegenseite heizt die Debatte an. Sie werfen den Entwicklern vor, ein "Homo-Ghetto" inmitten eines heterosexuellen Universums zu erschaffen, da homosexuelle Beziehungen nur auf einem Planeten möglich seien. Zudem sei es nicht möglich, gleichgeschlechtliche Beziehungen mit anderen Gamern zu haben, sondern nur mit computergesteuerten Figuren, sogenannten NPCs (non-player characters). Sex mit den Computerfiguren sei aber nur gegen Bezahlung möglich und das auch nur für Charaktere mit einem hohen Spiellevel.

Die Beschwerdewelle kommt überraschend: Das Entwicklerstudio Bioware zeichnet sich bereits für andere Blockbuster-Games wie "Dragon Age" und die populäre "Mass Effect"-Reihe verantwortlich, in denen sich niemand an der Möglichkeit von homosexuellen Beziehungen störte. Einen Rückzieher will der Konzern trotzdem nicht machen: Zwar seien gleichgeschlechtliche Beziehungen in der Tat zunächst nur auf einem Planeten möglich, erklärt Jeff Hickman, einer der Produzenten des Spiels. Verantwortlich dafür seien neue Sprachaufnahmen, die teuer und zeitaufwändig sind. Allerdings sollen homosexuelle Beziehungen bald auch im Rest des Universums zum Alltag von Jedis und Sternenkriegern zählen können.

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