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5. Juni 2009, 21:09 Uhr

Neues Spiel, neues Glück?

Wie Kinofilme sind Computerspiele ein Millardengeschäft. Und genau wie Hollywood setzt die Gamesbranche eher auf lukrative Fortsetzungen als auf kostspielige Experimente. Doch können aktualisierte Versionen immer gleicher Inhalte für neue Spieler sorgen, ohne die Stammkundschaft zu vergrätzen? Von Sven Stillich, Los Angeles

E3, Electronic Entertainment Expo, Videospiele, Games

"Assassin's Creed II" ist nur eine von zahlreichen Fortsetzungen, die auf der E3 gezeigt wurden© Ubisoft

Nach ein paar Jahren der Experimente ist die diesjährige Videospielmesse Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles wieder ein wenig mehr das, was sie früher einmal war: groß, laut und bunt. Die Hallen sind gut gefüllt, wenn auch leerer als früher, und auch die sehr knapp bekleideten "Booth Babes" sind wieder da, und lebensgroße Videospielcharaktere verstopfen die Gänge. Dennoch ist die Unsicherheit der Branche allerorts zu spüren in einer Zeit, in der in den USA die Verkäufe von Spielen und Konsolen erstmals seit sechs Jahren in zwei aufeinander folgenden Monaten gesunken sind. Das grundlegende Problem der Branche ist nicht neu, und doch scheint sie noch keine Antwort gefunden zu haben auf die Frage, wo eigentlich in Zukunft ihre Kunden zu finden sind, beziehungsweise wie sie neue Kunden gewinnen kann, ohne die alten zu verlieren. Kurz: Mit welchen Produkten bringt man Menschen zum Spielen, die sich bislang dem Medium verweigert haben? Und das, ohne die Teenager und erfahrenen Gamer zu verprellen, die sich immer herausfordernde und grafisch prachtvollere Spiele wünschen?

Die Situation zwingt die meisten Hersteller zu einem Spagat. "Wir machen Spiele für alle", das war das Credo aller Pressekonferenzen der Konsolenhersteller, bei Nintendo stand das Motto sogar in verschiedenen Sprachen auf der Bühne: Es geht um "Jedermanns Spiel". Die Japaner setzen darauf, ihre in den vergangenen Jahren mit "Gehirnjogging" und "Wii Fit" neu gewonnenen Kunden an sich zu binden und liefern neue Versionen des Bekannten nach. Neue Minispielsammlungen wie "Wii Sports Resort" oder "Wii Fit Plus" werden bald in den Regalen stehen. Um die Hardcore-Spieler ruhig zu stellen, gibt es ein neues "Metroid"- und ein paar aufgebohrte "Mario"-Spiele - doch scheint man sich in Japan dieser Zielgruppe so sicher zu sein, dass nicht das Risiko eingegangen wird, etwas wirklich Neues zu entwickeln, das die Gefahr des Scheiterns in sich bergen könnte. Wenn Nintendo derzeit etwas wagt, dann um den Markt zu vergrößern. Traditionell (und aus schlechter Erfahrung heraus) hat Nintendo besonders viel Angst, der ganze Markt könne zusammen brechen wie in den 80-er Jahren, und so verschiebt sich derzeit der Fokus des Unternehmens: Nintendo will mehr sein als ein traditioneller Videospielhersteller mit traditionellen Kunden. Der Konzern verbreitert sich - und verlässt dabei wissentlich das Terrain, auf dem er sich auskennt wie kaum ein anderer Konzern. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Konsole als Lebensmittelpunkt

Auch Microsoft und Sony versuchen sich dem Problem zu stellen, und das nicht nur mit neuen Eingabegeräten, die neue Spiele ermöglichen sollen . Sony setzt dabei fast ausschließlich auf die Qualität der Spiele für die Playstation 3, auf die neue Version der tragbaren PSP und darauf, die Geräte immer weiter als Abspielstation von Medien aller Art zu positionieren. Microsofts Ansatz ist komplexer: Der Konzern will seine Xbox 360 mehr denn je an den Alltag der für ihn erreichbaren Kundenschichten andocken und sie damit an seine Konsole binden. Deswegen hat er unter anderem einen Vertrag mit dem Fernsehsender Sky abgeschlossen, so dass Xbox-Spieler online gemeinsam Fußballspiele der englischen Premiere League anschauen können. Deswegen können sie nun dank einer Kooperation mit Last.fm auch auf der Konsole Musik entdecken und in der Online-Videothek HD-Filme bald per Knopfdruck starten, ohne sie erst herunterladen zu müssen. Und nicht zuletzt deswegen gibt es nun Facebook und Twitter auch auf der Xbox 360. Die Konsole soll im Mittelpunkt des Medienalltags stehen und dort dem Konzern Geld bringen - Microsoft setzt also um, was eigentlich das ursprüngliche Konzept von Sonys Playstation 3 war.

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KOMMENTARE (5 von 5)
 
Hinnak (06.06.2009, 10:47 Uhr)
Kostenlos: Realität 2.0
@gesox: Bei aller Realität-1.0-Verklärung sollte man seine eigene Ankunft in der Realität 2.0 nicht verpassen.
SiliumSepp (06.06.2009, 10:40 Uhr)
Ende der Politikverdorssenheit?
Anfangs hab ich mich über das geplante "Killerspiel" Verbot auch total aufgeregt.
Bin aber mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass dadurch viele bis jetzt politisch nicht interessierte Jugendliche und Junggebliebene aufgerüttelt werden.
Die grossen Parteien werden diese Entscheidung bitter bereuen.
Sublucem (06.06.2009, 10:14 Uhr)
Ja, lasset die Spiele enden
Dann würden die Leute unter 30, die in aller Regel fitter und fixer in technischen Angelegenheiten sind und ihren A... für ihre Ideen hochkriegen, den Leuten "oben" ganz schnell zeigen, wo der Hammer hängt. Insofern wünsche ich mir auch ein baldiges Verbot aller Spiele - um sie dann kein Jahr später alle wieder erlaubt zu sehen. Dann aber von einer jüngeren und aufgeschlosseneren Politikersippe ;)
zaxxon (06.06.2009, 08:50 Uhr)
mal sehen wie lange noch?!
denn wenn ca 80% der games verboten sind ists leider vorbei mit dem spaß!
bin mal gespannt, wie der politische amoklauf endet...
gesox (06.06.2009, 07:52 Uhr)
Neu und kostenlos: Realität 1.0
Irgendwann, wenn der Strom einmal einen Tag ausfällt, werden zahllose Jugendliche aus ihren verdunkelten Spielhöhlen auftauchen und feststellen, daß man in Wirklichkeit nur ein Leben hat.
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