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16. November 2011, 14:13 Uhr

Ein drachenstarkes Rollenspiel

Episch ist noch untertrieben: Das Videospiel "Skyrim" ist trotz Schwächen gute Rollenspiel-Unterhaltung für lange Winterabende. Im fünften Teil der Fantasyreihe geht der Spieler auf Drachenjagd und bereist eine der größten Spielewelten aller Zeiten. Von Christoph Fröhlich

Skyrim, The Elder Scrolls, Fantasy, Rollenspiel

In der Fantasywelt von "Skyrim" muss der Spieler gegen mächtige Drachen kämpfen© Bethesda Softworks

Es herrscht Bürgerkrieg in Himmelsrand. Seit der Ermordung des Königs kämpfen verschiedene Fraktionen um die Vorherrschaft in der eisigen Provinz. Und als wäre das nicht genug, bedrohen auch noch mächtige Drachen die sonst friedlichen Städtchen. Nur ein sogenanntes Drachenblut ist in der Lage, die gefährlichen Himmelswesen zu bekämpfen. Wie es der Zufall will, ist der Spieler einer jener Auserwählten: Er kann die Sprache der Drachen verstehen und ihre Kräfte nutzen. Die verschiedenen Fraktionen in Himmelsrand, wie "Skyrim" in der deutschen Version heißt, buhlen um den zukünftigen Weltenretter – für welche Seite der Spieler kämpft, bleibt ihm überlassen.

Von Drachen und Königsmördern

Auf seinem Weg zum ultimativen Drachentöter bekämpft der Spieler zahlreiche Feinde. Ob mit Muskelkraft oder Hirnschmalz bleibt jedem selbst überlassen: Soll der Held lieber ein begnadeter Kämpfer, ein hinterlistiger Assassine oder doch ein mächtiger Magier sein? "Skyrim" macht dem Spieler keine Vorgaben, auch beim Aussehen der Hauptfigur kann er sich austoben. Anders als bei Rollenspiel-Konkurrenten wie beispielsweise "The Witcher 2" oder der "Gothic"-Reihe muss sich der Spieler nicht mit einem vorgefertigten Helden begnügen. Um seinen Charakter so individuell wie möglich zu gestalten, kann der Spieler zwischen zehn verschiedenen Rassen wie Orks, Menschen oder einem Katzenvolk wählen und vom Geschlecht bis zur Nasenbreite alles anpassen.

Der Spieler soll sich mit seiner Figur wohl fühlen, betonen die Entwickler von "Bethesda Softworks". Nicht ohne Grund: Er wird im Laufe des Abenteuers viel Zeit mit ihr verbringen. Allein die Hauptgeschichte dauert rund zwanzig Stunden. Möchte man noch die zahlreichen Nebenmissionen, Gilden und Berufe meistern, vergehen locker 100 Stunden.

Kämpfen oder heiraten?

In Zeiten von schnell durchgespielten Shootern erschlägt "Skyrim" den Durchschnittsspieler mit seiner Komplexität. Dafür sorgt vor allem die riesige Welt: Zu Fuß kann die Reise zwischen zwei Städten schon einmal zehn Minuten in Anspruch nehmen - eine Ewigkeit in einem Computerspiel. Zudem kann es extrem frustrierend sein, wenn man den "Berg der 7000 Stufen" erklimmt – der seinen Namen gefühlt zu Recht trägt – und man auf halbem Weg einem Bergtroll begegnet, der den Held mit zwei Schlägen ins Jenseits befördert. Da bleibt nichts weiter übrig, als den Spielstand neu zu laden und den Berg ein weiteres Mal anzugehen. Für "Skyrim" sollte viel Zeit eingeplant werden, weshalb das Rollenspiel für ungeduldige Gamer nur mit Einschränkungen zu empfehlen ist.

Doch wer nicht so leicht aus der Fassung zu bringen ist, kann in Himmelsrand viel entdecken, denn die wahren Schätze verbergen sich häufig abseits der Pfade. Fernab der großen Städte gibt es mächtige Artefakte, die für viel Geld verkauft werden können. Wer weniger abenteuerhungrig ist, kann ein wenig mit der Bevölkerung plaudern. Die greift gerne auf die Dienste des Helden zurück: Mal muss ein Konkurrent bestohlen, ein anderes Mal die vermisste Tochter gefunden werden. Belohnt wird man mit Gold, Gegenständen oder Fertigkeitspunkten, die Fähigkeiten wie Schleichen oder Taschendiebstahl verbessern können. Und wer auf all das keine Lust hat, kann auf Brautschau gehen und heiraten. Sogar gleichgeschlechtliche Beziehungen sind möglich.

Die Grafik des Spiels ist sehr detailliert, reicht allerdings nicht an optische Highlights wie "Battlefield 3" heran. Doch vor allem die Landschaft sorgt für staunende Blicke: vereiste Berge, herbstliche Wälder, mittelalterliche Städte – nur wenige Fantasywelten sahen so schön aus wie Himmelsrand. Ebenso beeindruckend ist der Soundtrack, der sich der jeweiligen Situation anpasst: Die Bandbreite reicht von leiser Instrumentalmusik bis zum eindrucksvollen Männerchor, der in Kämpfen für Gänsehautatmosphäre sorgt.





Wo Licht ist, da ist auch Schatten

So faszinierend das Abenteuer in "Skyrim" auch ist, perfekt ist das Spiel nicht. Die Grafik ist auf einem hohen Niveau, doch einige Animationen wirken sehr ungelenk. Auch die Geschichte von Drachen und einem Königreich im Umbruch ist alles andere als neu und zudem nicht sehr spannend erzählt. Ein weiterer Kritikpunkt: Zwar wird der Spieler gelegentlich vor Entscheidungen gestellt – beispielsweise ob eine Person leben oder sterben soll – doch häufig gibt es kaum Konsequenzen. Wie es besser geht, zeigte "The Witcher 2": Je nachdem, welche Entscheidungen der Spieler im Lauf der Geschichte trifft, ergibt sich ein anderes Ende der Geschichte.

Ein wenig ermüdend ist auf Dauer der immer gleiche Spielablauf: Irgendwann hält sich der Spaß in Grenzen, wenn man zum x-ten Mal ein Banditenlager oder eine vermeintlich verlassene Höhle erobern muss. Selbst die zunächst beeindruckenden Drachenangriffe verkommen zu Massenware, weil sich die Kämpfe immer gleich abspielen. Erst wird das Luftgeschöpf mit Bogen und Zaubern beharkt, sobald der Drache landet, wird mit der Axt drauf geprügelt. Ein wenig mehr Abwechslung hätte hier nicht geschadet.

Doch das alles ist Meckern auf hohem Niveau: "Skyrim" ist trotz seiner wenigen Fehler eines der besten und komplexesten Rollenspiele des Jahres. Atmosphäre und Umfang sprengen alle Erwartungen, und das Spiel zeigt, dass es noch einen Platz neben teuren Bombast-Shootern und mainstreamtauglichen Zappel-Games im Spielregal gibt.

Spielszenen
Spielszenen
Spielszenen
Spielszenen
Spielszenen "The Elder Scrolls: Skyrim"
The Elder Scrolls: Skyrim
Hersteller/Vertrieb Bethesda Softworks
Genre Rollenspiel
Plattform PC, Playstation 3, Xbox 360
Preis 55 Euro
Altersfreigabe ab 16 Jahren
Von Christoph Fröhlich
 
 
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