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Die schwebende Brücke von San Francisco

In Kalifornien wird derzeit Brückengeschichte geschrieben: Der Neubau der Bay Bridge vor San Francisco muss starken Erdbeben standhalten können. Durch Finanzprobleme verzögern sich jedoch immer wieder die Arbeiten am Brückenkoloss.

Von Kathrin Warncke

Eine Autobahn auf Stelzen soll sie sein: Die Bay Bridge verbindet die Stadt San Francisco mit der kalifornischen Stadt Oakland. Die rund 13 Kilometer lange Brücke führt über Wasser und die Insel Treasure Island. Bislang war sie nur durch Erdbeben und Zerstörung bekannt geworden und stand stets ein wenig im Schatten ihrer großen Schwester, der Golden-Gate-Brücke. Doch das könnte sich bald ändern. Bald soll ein Teil der San-Francisco-Oakland Bay Bridge, so der vollständige Name der Brücke, durch eine Hängebrücke ersetzt werden. Das Ziel: Selbst massiven Erdbeben muss sie standhalten können und auch danach für Rettungseinsätze in der Umgebung einsetzbar sein.

Am Verlauf der Brücke soll nichts geändert werden. Bislang besteht die Überführung aus zwei Brückenzügen, die Oakland und San Francisco miteinander verbinden. Dazwischen liegt die Yerba Buena Insel, auch Treasure Island genannt. Die Westverbindung, bekannt als Querung West Bay, verbindet San Francisco mit der Insel. Quer darüber führen mehrere doppelstöckige Brücken. Von dort aus beginnt die Querung East Bay, die bis nach San Francisco führt. Sie besteht aus einer großen und 19 kleineren Fachwerkbrücken. Ein Teil von ihr, rund drei Kilometer Länge aus diesem letzten Brückenabschnitt, soll jetzt neu aufgebaut werden.

Als ein Relikt des Goldrausches Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Brücke seit jeher eine wichtige Verknüpfung von Oakland und San Francisco. Die erste Eisenbahn fuhr vorher bereits in Kalifornien, allerdings nur bis Oakland. Die Bewohner San Franciscos fürchteten um den Status ihrer Stadt als Handelsplatz und forderten den Bau der Brücke.

Umdenken erst nach starken Zerstörungen

Die Bay Bridge wird nicht für umsonst derart stabil gebaut. Das Gebiet um San Francisco zählt zu den Gegenden mit der höchsten Erdbebengefahr weltweit. An der San-Andreas-Verwerfung stoßen die pazifische und nordamerikanische Kontinentalplatte aufeinander. Das ist die Ursache für die starken Beben und Erdrutsche. Immer wieder wurde die Stadt San Francisco von Katastrophen heimgesucht und auch die Bay Bridge dabei beschädigt. Mehrere Erdbeben haben sie in der Vergangenheit immer wieder erschüttert. Seit den 1960'er Jahren war der Regierung das Problem bekannt. Das Bauwerk konnte auf Dauer den immer stärker werdenden Beben nicht standhalten. Zusammen mit dem hohen Verkehrsaufkommen auf der Brücke entwickelte es sich zu einer ernsten Gefahr für die Menschen. Die Regierung ignorierte sie jedoch und reparierte einzelne Schäden nach kleineren Beben. Erst mit einem besonders schweren Erdstoß sollte ein Umdenken einsetzen. 1989 erschütterte das Loma-Prieta-Erdbeben die Brücke so stark, dass sie schwer beschädigt wurde. Ein 15 Meter langes Teilstück des Oberdecks brach herunter und stürzte auf die untere Fahrbahn.

91.000 Tonnen Stahl für den Koloss

Mit dieser Beschädigung konnte die Brücke nicht mehr genutzt werden. Eine neue Konstruktion war erforderlich, die westlichen Fachwerkbrücken wichen einer Hängebrücke. Auch das Zauberwort "Lifeline" sollte den Bau bestimmen. Dahinter verbirgt sich das Prinzip, die Brücke so zu konstruieren, dass sie auch nach einem Erdbeben noch für Rettungseinsätze genutzt werden kann. Damit die Brücke eine hohe Stabilität erhält, wird sie als "unechte" Hängebrücke konstruiert. Unecht heißt in diesem Fall, dass die Tragseile nicht wie sonst in der Erde verankert sind. Anstatt dessen werden sie mit der Verstärkung unterhalb der Fahrbahn verbunden, den so genannten Versteifungsträgern. Somit werden die Kräfte, die auf die Tragseile wirken, in die verstärkenden Brückenteile zurückgeleitet. Die Dehnungsfugen zwischen einzelnen Brückenteilen lassen der Brücke einen kleinen Schwingungsraum bei Erdbeben. Zusätzlich erhält die Bay Bridge eine neue, verstärkte Fahrbahn: Quer von Einbuchtungen durchzogen, die zusätzliche Stabilität bringen - im Fachjargon orthotrop genannt. Eine Brücke in dieser Form und Größenordnung hat es bis dahin noch nicht gegeben. Allein 91.000 Tonnen Stahl müssen für den Bau angeschleppt werden.

Fertigstellung für 2013 geplant

Die Fertigstellung der Brücke war für 2007 geplant, wegen zahlreicher Verzögerungen wurde die Frist bis zum Jahr 2013 verschoben. Das Projekt stand bisher unter keinem guten Stern, immer wieder kommt es zu Problemen beim Bau. Am Anfang hatte die Stadt San Francisco einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, für den eine "bemerkenswerte Brücke" konstruiert werden sollte. Die Behörden erhielten jedoch nur einen Entwurf für einen Turm der Brücke, der darüber hinaus noch teurer als geplant war. Die Stadt behalf sich mit der ursprünglichen Konstruktionsidee als einhüftige Hängebrücke. Die Finanzierung war ebenfalls problematisch. Ursprünglich wurde sie mit rund 2,6 Milliarden Dollar veranschlagt. Doch bereits im Sommer 2005 wurden die Zahlen nach oben korrigiert - die Stadt geht nun von rund 6 Milliarden Dollar aus.

Ein Zwischenfall während des Baus sorgte weiterhin für einen langwierigen Aufschub der Bauarbeiten. Ehemalige Schweißer und Vorarbeiter, die an der Brücke mitgewirkt hatten, bemängelten schlechte Schweißnähte an der Bay Bridge. Durch den Zeitdruck seien viele Nähte nur mangelhaft und anschließend oberflächlich korrigiert worden. Die anschließenden Gutachten und Untersuchungen am Neubau sorgten für lange Verzögerung. Letztendlich stellten sich einige Vorwürfe nach Angaben der Stadt als unhaltbar heraus, trotzdem besserten Arbeiter die Schweißnähte nach. Für die Bewohner von San Francisco und Oakland heißt es abwarten bis zur Fertigstellung - und hoffen, dass bis dahin die Stadt kein stärkeres Erdbeben überrascht.

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