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Retrotrip für alte Jungs

Früher versorgte "Yps" Kinder mit Gimmicks und Comics. Jetzt soll das Magazin vor allem Erwachsene glücklich machen. Ob es funktioniert? Unser Autor begibt sich auf Zeitreise in seine Vergangenheit.

Von Gerd Blank

  Das "Yps"-Cover wurde deutlich modernisiert

Das "Yps"-Cover wurde deutlich modernisiert

  • Gerd Blank

Diesmal wird es klappen. Ich werde an das Salz denken. Und natürlich an das Futter. Das Glas mit den Urzeitkrebsen kommt auch nicht mehr in den dunklen Keller, sondern wird direkt vor mir auf den hellen Schreibtisch gestellt. Nur: Was mache ich, wenn die Dinger wirklich wachsen? Ein eigenartiges Gefühl beschleicht mich: Lohnt es sich überhaupt, das aufgeklebte Gimmick Nummer 1258 vom neuen "Yps"-Heft abzupulen und den ganzen Aufwand zu betreiben - nur um ein paar durchsichtige Tierchen der Spezies Artemia beim Wachsen zu beobachten? Ach, dumme Frage. Schon bei der ersten Ausgabe war es klar, dass das Plastikkatapult kaum mehr als ein paar Papierkugeln wegschießen konnte. Dennoch zitterten meine Hände beim Auspacken und Zusammensetzen. Natürlich werde ich wieder das Gimmick ausprobieren. Denn auch bei der Neuauflage von "Yps" geht es doch in erster Linie um nichts anderes: die Beigabe auf dem Cover.

Es ist so wie später mit dem ersten Kuss: Man kann nicht mehr aufhören, wenn man erst einmal damit angefangen hat. Doch Mädchen waren 1975 für mich kein Thema. Ich war sechs, als mir mein Vater das erste "Yps"-Heft schenkte. Klar, dass ich in den folgenden Jahren unbedingt jede Ausgabe haben wollte. Mit meinem Taschengeld stand ich jede Woche pünktlich im Kiosk von Herrn Werner. Sobald ich seinen Laden betrat, hielt er mir die aktuelle Ausgabe schon entgegen. Es war furchtbar, als ich einmal für ein paar Wochen an die Ostsee verschickt wurde – und kein Kiosk weit und breit zu finden war. Und wie schön war es, als ein Paket mit drei "Yps"-Heften ankam. Die Schokolade, die auch noch dabei lag, interessierte mich nicht.

Eine Wiederholung zu viel

Mit der Ausgabe 300 war Schluss für mich. Die Gimmicks wiederholten sich, ich hatte mehrere Detektivausrüstungen, Pappmarionetten und Abenteuerzelte – die ja eigentlich nichts weiter als Müllsäcke ohne Boden waren. Ich war immerhin schon zwölf - mir wurde die "Bravo" wichtiger. Und im Jahr 2000 war dann auch für "Yps" Schluss - ohne dass ich es wirklich gemerkt hatte.

Welches "Yps"-Gimmick würden Sie am liebsten wiedersehen?

Dennoch habe ich mich auf das neue "Yps"-Heft gefreut. Zwar gab es bereits 2005 einen kurzen Wiederbelebungsversuch, aber das Ergebnis war mir zu kindisch. Warum sollte ich mir als erwachsener Mann Kindergeschichten anschauen, zu denen ich keinerlei Bezug mehr hatte? Und die Comics waren einfach unterirdisch. Aber diesmal soll es ja ein Magazin für Erwachsene sein. Tatsächlich: Als ich das Heft einem Kollegen zeige, reißt er es mir aus der Hand und erzählt von Yinni + Yan, von Kaspar und Willy und all den anderen gezeichneten Freunden aus Kindertagen.

Kein Kinderkram

Genau darum geht es im neuen "Yps": Erinnerung. Auf den ersten Seiten findet man haufenweise Fakten zu "Yps". Die erste Story, die sich nicht mit alten Geschichten beschäftigt, zeigt neue Gimmicks: eine Kreissäge für Pizzen, einen Aschenbecher für Bierflaschen und eine Kamera für 300 Euro. Sicher kein Kinderkram. Auch nicht der erste neue Comic: Er handelt von einem Werwolf in einem Zombiepark.

Danach reihen sich wieder haufenweise nostalgische Rückblicke aneinander: Spielzeug von früher, Technik von früher und Trends von früher. Eine volle Dröhnung verklärter Retrospaß. Früher war halt eben doch alles besser. Selbst mit den Tricks, die angeblich jede Party retten sollen, habe ich die Gäste auf meinem Kindergeburtstag gelangweilt.

Irgendwie hip

Es ist schön, mal wieder einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. So wie es auch schön ist, mal wieder ein paar Songs auf eine Kassette aufzunehmen oder mit einer Polaroid-Kamera zu fotografieren. Außerdem habe ich jetzt tatsächlich noch einmal die Chance, Urzeitkrebse zu züchten. Es würde mich nicht wundern, wenn in den nächsten Tagen ein paar der jungen Hipster in irgendwelchen Cafés das "Yps"-Heft demonstrativ lesen. Ich freue mich für sie, denn so können sie einen Blick in die Vergangenheit werfen und vielleicht ein wenig besser verstehen, was meine Generation früher gedacht hat und womit wir uns beschäftigt haben. Für mich brauche ich allerdings keine weitere Ausgabe, die mir sagt, wie es früher war.

Es sei denn, Gimmick Nummer 1259 ist ein Solar-Zeppelin.

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