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Haushaltshilfe und Zankapfel

Vor 80 Jahren stellte Miele den ersten elektrischen Geschirrspüler Europas vor. Das "Modell A" hatte keine Ähnlichkeit mit modernen Vollautomaten. Doch ein Streitpunkt war damals ebenso aktuell wie heute: Wie bestückt man die Maschine richtig?

80 Jahre Geschirrspülmaschinen in Europa - das sind auch 80 Jahre Geschlechterkampf über die heikle Frage, wie man Tassen und Gläser optimal einräumt. "Der Streit entzündet sich daran, dass der Mann über seine vermeintliche technische Kompetenz auch Einfluss auf den Einsatz des Geräts gewinnt", sagt der Soziologe Wolfgang Krohn von der Universität Bielefeld. "Er mischt sich damit in den Kompetenzbereich der Frau in der Küche ein." Allerdings sei die Frau auch ein Stück weit selbst Schuld. "Meist überlässt sie die Technik gern dem Mann und zeigt sich scheu gegenüber Gebrauchsanweisungen."

Sozio-kulturelle Studien über die Spülmaschine gibt es aber nicht. "Unter den prominenten Geräten der Haushaltstechnik ist sie die, die nicht erforscht ist", sagt der Soziologe, der die gesellschaftlichen Aspekte von Wissenschaft und Technik untersucht.

Das "Modell A" war nur ein Bottich

Im Jahr 1929 brachte die Firma Miele aus dem ostwestfälischen Gütersloh die ersten Geschirrspüler Europas auf den Markt. Das "Modell A" war ein heute skurril anmutender runder Metallbottich, in den man zwei Körbe mit Geschirr stellte. Darüber kippte man separat erhitztes Wasser. Ein Elektro-Propeller am Boden wirbelte das Wasser nach oben. Leisten konnte sich das Gerät nur eine Elite: "Es kostete zwischen 400 und 450 Reichsmark, davon konnte man drei Jahre eine Haushälterin bezahlen", sagt Miele-Sprecherin Reinhild Portmann.

Die weltweit erste Spülmaschine datiert bereits aus dem Jahr 1886. Sie ist patentiert auf Josephine Cochran, eine betuchte Amerikanerin, die gern Partys schmiss. "Sie ärgerte sich, dass ihre Angestellten immer so viel Geschirr kaputt machten, wollte aber auch nicht selbst abwaschen", schildert Portmann. Ihre erste "ausgefuchste Maschine" sei aber "sehr viel größer und unhandlicher" gewesen als die Miele- Erfindung 43 Jahre später.

Der Siegeszug des Vollautomaten

Anfangs profitierte die deutsche Otto-Normal-Verbraucherin kaum von der neuen Technologie. "Zunächst gab es die Geräte fast nur in Restaurants und Bistros", sagt Portmann. Erst 1960 mit Erfindung des Vollautomaten - er hatte schon die charakteristische Klappe und die Knöpfe - tauchten die Maschinen in immer mehr Privathaushalten auf. Das war in den Wirtschaftswunder-Jahren. Das Fernsehen zeigte dazu verwegene Werbespots: In einem schob der Experte eine komplette Buttercreme-Torte auf einem Teller ins Gerät. Wie durch ein Wunder war der Kuchenteller danach blitzeblank, die Torte verschwunden.

Heute steht in Deutschland nach Branchenzahlen in gut 70 Prozent aller Haushalte eine Spülmaschine. Moderne High-Tech-Geräte haben - je nach Nationalgericht - sogar Programme für Paella-, Pasta- oder Raclette-Reste. Mit ihren feinen Sensoren tasten sie das Geschirr ab und passen ihre Wassertemperatur dem Verschmutzungsgrad an.

Neben dem Streit um das korrekte Einräumen gibt es auch die ewige Debatte darum, ob die Spülmaschine oder der herkömmliche Handabwasch umweltfreundlicher ist. "Geschirrspüler von heute sind eindeutig sparsamer - Wasser- und Stromverbrauch zusammen genommen. Selbst wenn man die Energie für die Herstellung mit einrechnet", sagt Andreas Beier, Umweltberater in der Verbraucherzentrale Bayern. "Da müsste man schon sehr bewusst per Hand abwaschen, nur wenig Wasser einlassen und wenig Spülmittel benutzen, um kaum nachspülen zu müssen." In den vergangenen 20 Jahren hätten die Geschirrspüler ihren Wasserverbrauch um 70 Prozent reduziert, den Stromverbrauch zur Hälfte. Seit etwa zwölf bis 15 Jahren seien sie im Vergleich zum Handabwasch günstiger.

Und der Experte weist auf einen zweiten Vorzug der Geschirrspüler hin: Den Zeitgewinn. "Man sagt, dass einen Spülen per Hand inklusive abtrocknen und Geschirr wegstellen etwa eine Stunde kostet. Für das Ein- und Ausräumen einer Spülmaschine benötigt man etwa 15 Minuten."

Inga Radel/DPA/DPA

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