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EU verordnet Trockendusche

Die Regulierer aus Brüssel erobern die Badezimmer. Geht es nach ihnen, sollen alte Armaturen verboten und durch Tröpfelhähne ersetzt werden, um Wasser zu sparen. Nötig oder gar sinnvoll ist das nicht.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Geht es nach der EU-Kommission, wird es aus Europas Duschen bald nur noch tröpfeln.

Geht es nach der EU-Kommission, wird es aus Europas Duschen bald nur noch tröpfeln.

Zum Jahresende präsentiert sich Europa mal wieder zum Abgewöhnen. Offenbar sind nicht alle Bürokraten in Brüssel mit Griechenland- und Bankenrettung ausgelastet. Der Rest arbeitet so weiter, wie er es gewohnt ist: Und produziert neue Auflagen und Regulierungen für die Bürger.

Nach dem Schildbürgerstreich, der die zugegebenermaßen ineffiziente Glühbirne durch ungemütliche, teure und giftige Leuchtkörper ersetzte, hat es die Kommission nun auf Wasserhähne und Duschköpfe abgesehen, wie die "Welt" berichtete. Einfallstor für die Bürokratenmacht ist die Ökodesign-Richtlinie. In den Händen der EU-Kommission wird die Richtlinie zur Brechstange. Schon kleinste Auswirkungen auf die Umwelt reichen aus, um Verbote und Regulierungen zu rechtfertigen.

Deutsche verbrauchen 4000 Liter Wasser am Tag!: von-bier-bis-jeans-der-wasserverbrauch-fuer-diese-produkte
Röstkaffee - 18.857 Liter pro Kilogramm Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen: Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2013 bei 165 Liter, vor Bier, Wasser oder Tee. Doch bis der Kaffee in der Tasse brüht, ist viel Aufwand und Energie nötig - und Wasser. Für ein Kilogramm gerösteten Kaffee braucht es laut Hoekstra 18.857 Liter Wasser, für eine Tasse mit sieben Gramm Röstkaffee werden 132 Liter fällig.   Der Wasserfußabdruck errechnet sich wie folgt: Die Kaffeeplanze braucht Wasser, um zu wachsen. Der Farmer benötigt Treibstoff und Maschinen, deren Produktion ebenfalls Wasser benötigt. Die Helfer auf der Plantage müssen kochen und waschen, der Kaffee muss gereinigt werden. Auch für die Veredlung, den Transport und den Zwischenhandel wird Wasser benötigt - bis hin zum Trinkwasser, mit dem die Kaffeemaschine befüllt wird.   Hinzu kommen noch der Abwasch sowie das Wasser für die Produktion von Milch und Zucker. Zusammen mit Kollegen kam Hoekstra zu dem Schluss, dass allein ein Latte Macchiato zum Mitnehmen rund 200 Liter Wasser benötigt - mehr als eine Badewannenfüllung.

Röstkaffee - 18.857 Liter pro Kilogramm Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen: Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2013 bei 165 Liter, vor Bier, Wasser oder Tee. Doch bis der Kaffee in der Tasse brüht, ist viel Aufwand und Energie nötig - und Wasser. Für ein Kilogramm gerösteten Kaffee braucht es laut Hoekstra 18.857 Liter Wasser, für eine Tasse mit sieben Gramm Röstkaffee werden 132 Liter fällig.

Der Wasserfußabdruck errechnet sich wie folgt: Die Kaffeeplanze braucht Wasser, um zu wachsen. Der Farmer benötigt Treibstoff und Maschinen, deren Produktion ebenfalls Wasser benötigt. Die Helfer auf der Plantage müssen kochen und waschen, der Kaffee muss gereinigt werden. Auch für die Veredlung, den Transport und den Zwischenhandel wird Wasser benötigt - bis hin zum Trinkwasser, mit dem die Kaffeemaschine befüllt wird.

Hinzu kommen noch der Abwasch sowie das Wasser für die Produktion von Milch und Zucker. Zusammen mit Kollegen kam Hoekstra zu dem Schluss, dass allein ein Latte Macchiato zum Mitnehmen rund 200 Liter Wasser benötigt - mehr als eine Badewannenfüllung.

Wozu Wasser sparen?

Ressourceneffizienz lautet das Stichwort und es soll dafür sorgen, dass in Zukunft weniger Wasser durch den Hahn rinnt. Nur: Wozu soll das gut sein? Im Süden Europas mag Wasser ein knappes Gut sein, im Norden und in Deutschland ist das nicht der Fall. Wassersparen ist hier nicht nötig. Denn anders als Benzin wird Wasser nicht stofflich verbraucht, sondern einem Nutzungskreislauf zugeführt. Die Recyclingquote liegt bei hundert Prozent.

Der EU-Kommission sind derartige Einwände schon immer egal gewesen. Es ist daher nicht unrealistisch, zu argwöhnen, dass man im verregneten Norddeutschland ein Wassersparprogramm verordnet bekommt, das zu Ländern wie Mali passt. Die Wasserwerke werden sich dafür bedanken. Der in den vergangenen Jahren gesunkene Verbrauch der Haushalte in Deutschland führt schon jetzt dazu, dass die Rohre zusätzlich durchgespült werden müssen.

Ran an die Wanne

Durchdacht ist die Idee ohnehin nicht. Der Einspareffekt ist minimal. Jedes Mal, wenn eine fixe Menge abgezapft wird, nutzt der dünne Hahn nichts. Es dauert nur länger, bis der Eimer voll ist. Zeit, die man in Zukunft müßig herumstehen muss. Waschmaschinen und Geschirrspüler würden durch die angedachte Regulierung auch nicht weniger verbrauchen. Eine Reduktion des Verbrauchs könnte sich nur bei zwei Vorgängen ergeben: dem Händewaschen und dem Duschen. Der Anteil von Händewaschen und Duschen am Wassergesamtverbrauch einer Volkswirtschaft dürfte wohl minimal sein. In Deutschland werden jeden Tag pro Kopf 4000 Liter Wasser verbraucht, im Haushalt landen davon nur 130 Liter.

Ungerecht ist der Plan ohnehin: Schließlich verbrauchen Dauerduscher immer mehr Wasser als eilige Benetzer. Und im Vergleich zum Volltanken einer Badewanne ist das Duschen an sich schon sehr sparsam. Die EU-Kommission wird das nicht anfechten. Im Gegenteil: Einwände sind nur Gründe für weitere Regulierungen. Sinnvoll wäre etwa ein Verbot von Vollbadewannen, die durch hautenge Sitzbadewannen abgelöst werden könnten. Und das Tricksen mit einem längeren Duschvorgang könnte eine Zeitautomatik wirkungsvoll unterbinden. Nach drei Minuten Duschfreuden weckt der kalte Gruß der EU-Kommission den Wassersünder auf.

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