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Wenn Gummiringe 14.000 Euro kosten: Österreich hat genug vom Eurofighter

In Wien heißt der Eurofighter nur noch "fliegender Schrott". Angeblich soll Bestechung den Kauf des Jets veranlasst haben. Nun kamen überteuerte Rechnungen ans Licht: Gummringe für 14.000 Euro und Metallscheiben für 123.000 Euro. 

Eurofighter

Im Moment wirkt es, als wollten die Österreicher den Eurofighter so schnell wie möglich der Müllabfuhr übergeben.

Der gilt als der Stolz der europäischen Rüstungsindustrie. Es handelt sich zwar um keinen Steahlt-Jet wie die amerikanische F-22, aber konventionellen Kampffliegern soll der Eurofighter gewachsen sein.  hat auch einige Maschinen abgenommen und ist nicht zufrieden. Das fängt schon mit der Beschaffung an. Als "Lobbymaßnahmen" getarnte Schmiergelder in Höhe von 183 Millionen sollen den Kauf erst möglich gemacht haben, berichtet eine Task Force im Verteidungsministerium. Das Ministerium hat die Airbus Defence and Space GmbH und die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH angezeigt. Österreich will rund 14 Jahre nach dem Kauf von zuletzt 15 Kampfjets rund 1,1 Milliarden Euro zurück. Die Alpenrepublik fühlt sich hinsichtlich verschiedener Zusagen getäuscht. In dem Berichte ist die Rede von "arglistigen und betrügerischen Täuschungshandlungen". Airbus hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Weg mit Schaden

PÖ-Heeresminister Hans Peter Doskozil lässt derzeit prüfen, ob es nicht bessere Alternativen zu dem teuren und störanfälligen Fighter gibt. Geringe Einsatzbereitschaft und hohe Betriebskosten machen den Jet unrentabel. Besonders ärgert Doskozil, dass alle Triebwerke der 18 Maschinen nach weniger als zehn Jahren ausgetauscht werden müssen. Eine Untersuchungskommission soll die Kostenexplosion untersuchen. Die österreichische Presse fasste das Ergebnis markant zusammen: "Studie: Eurofighter fliegender Schrott." Eine vorzeitige Außerdienststellung soll geprüft werden. Im Klartext: Besser man wirft den Eurofighter auf den Müll, als die unersättliche Eurofighter-Gesellschaft weiter zu füttern.

Nur Irrtümer beim Eurofighter

Nun wurden der "Kronen Zeitung" Akten des Heeres zugesteckt, die beweisen, wie die deutsche Firma Österreich als dummen "Goldesel" benutzt ("Wie frech die Firma Eurofighter abkassierte!"). Mit den Ermittlungen haben diese Enthüllungen nichts zu tun, sie geben nur einen Einblick in das Geschäftsgebaren der Eurofighter-Gesellschaft. Der Informant sagte der "Kronen Zeitung": "Die weit überhöhten Abrechnungen von Dichtungen oder Beilagsscheiben sind nicht Bestandteil der Strafanzeige. Aber diese Beispiele zeigen sehr gut, wessen Geistes Kind die Eurofighter-Manager sind."


Und die angeführten Beispiele haben es in sich: Für eine neun Zentimeter breite Gummidichtung stellte die Eurofighter GmbH 14.554 Euro in Rechnung. Erst nachdem die Revision sich einschaltete, verbilligte sich der Ring auf immer noch gesalzene 127 Euro. Da passt es ins Bild, dass eine einfache Wellendichtung 82.000 Euro kostete. Nach massivem Einspruch wurden nur noch 800 Euro für das Teil verlangt. Für 110 Belagsscheiben von 4 Zentimetern wollten die "Deutschen" 123.757 Euro haben. Nach Protest rückten sie die Scheiben für realistische 49,28 Euro aus. Eine simple Schraubenmutter von 1,5cm  kostet 29.091 Euro – das Stück. Die Österreicher fühlen sich ausgeplündert, die Eurofighter GmbH spricht laut "Kronen Zeitung" von Irrtümern. Da ist vermutlich der Cursor auf der Rechnung um ein paar Stellen "mausgerutscht".

Saab bietet auch ein gutes Flugzeug an 

Das Vertrauen zwischen der deutschen Rüstungsfirma und dem österreichischen Heer ist jedenfalls ruiniert. Sollte ernsthaft eine Alternative zum alten Eurofighter suchen, gibt es ein breites Angebot. Die umstrittene F-35 der Amerikaner ist zwar nicht ganz ausgereift und gilt derzeit als überteuert. Die Trump-Regierung stellt jedoch massive Kostensenkungen in Aussicht, der Weg dazu könnten gelockerte Exportbedingungen sein, damit hohe Stückzahlen die Einzelpreise drücken. Aus Putins Arsenal werden sich die Österreicher aus politischen Gründen kaum eindecken wollen, doch die neue Saab Gripen E aus Schweden würde sich ideal für ihre Zwecke eignen. Die Gripen wurde ausdrücklich auf geringe Betriebskosten hin konzipiert. Ein Dichtungsring für 14.000 Euro ist da nicht zu erwarten.


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