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Der Pirat von morgen entführt Schiffe per GPS

Mit einem selbstgebauten GPS-Sender haben Studenten eine 80-Millionen-Dollar-Yacht umgelenkt. Sie wollten zeigen, wie leicht Piraten und Terroristen Schiffe oder Flugzeuge entführen können.

Von Gernot Kramper

  Animation der GPS-Attacke

Animation der GPS-Attacke

Schiffsentführung per GPS-Signal, so was gab es bislang nur bei James Bond. Um einen Krieg zwischen China und dem Westen zu provozieren, manipuliert ein Medienzar in "Der Morgen stirbt nie" die Signale von Navigationssatelliten. Eine britische Fregatte ändert daraufhin ihren Kurs und dringt in chinesische Hoheitsgewässer ein. Vor dem drohenden Showdown der Supermächte rettet James Bond natürlich die Welt.

Was damals Utopie war, ist heute Realität. Das Stören der Satellitensignale erfordert keinen immensen Aufwand wie im Film. Einige Studenten der Universität von Texas haben mit einem selbstgebauten GPS-Sender in der Größe einer Aktentasche eine Luxusyacht umgelenkt. Das Team von Professor Todd Humphrey wollte mit dem Experiment nicht die Luxusyacht im Wert von 80 Millionen Dollar in seinen Besitz bringen, sondern demonstrieren, wie leicht Piraten diese Technik für ihre Zwecke nutzen.

Die Yacht "White Rose of Drachs" fuhr von Monaco nach Rhodos. Als sie 30 Kilometer Entfernung von der Küste erreicht hatte, begann die Attacke. Das Prinzip ist ganz einfach: Der selbstgebaute GPS-Sender fuhr die Sendeleistung solange hoch, bis er die Satellitensignale übertönte. Das Schiff orientierte sich nun an den Koordinaten, die die Studenten übermittelten. Diese wurden langsam verändert. Das Schiff driftete scheinbar vom berechneten Kurs ab und reagierte passend mit einem Rudereinschlag. In Wirklichkeit wählte es einen neuen Kurs - Piraten hätten das Schiff so problemlos umlenken können. "Das Schiff wendete, die Korrektur konnten wir auch alle spüren, aber die Crew auf der Brücke sah nur eine gerade Linie auf ihren Instrumenten", sagt Humphrey. Die Attacke gelang spielend, weil das GPS-Steuersystem keinen Schutz vor Missbrauch bietet. Die Elektronik vertraut den empfangenen Signalen ohne Verifikation des Senders.

"Solange 90 Prozent des Güterverkehrs über die Ozeane bewegt werden und Flugzeuge zum Reisen benutzt werden, müssen wie uns mit diesen Möglichkeiten, das GPS auszutricksen, beschäftigen. Unser Experiment zeigt, wie leicht es ist, ein Schiff zu täuschen, und wie schwer, den Betrug zu bemerken."

Ein Schiff so in einen anderen Hafen zu lotsen, ohne dass die Besatzung misstrauisch wird, dürfte kaum möglich sein. Einfacher wäre es, ein Auflaufen des Opfers auf einer Untiefe zu verursachen. Schiffe sind nur ein denkbares Ziel. Hier kann die die Besatzung die Kursänderung bemerken und auf manuelle Steuerung umschalten. Unbemannte Flugkörper hätten diesen Schutz nicht, sie würden blindlings dem falschen GPS-Signal folgen.

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