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Die Zukunft der Lomo liegt in der Nacht

Die russische Kultkamera "Lomo" sieht bald auch im Dunkeln scharf: Die Lomo-Werke sind sowieso in der Rüstungsindustrie tätig, und da fällt für den Fotoapparat schon mal ein Nachtsichtgerät ab.

Sie sind schwarz, unverwüstlich und sehen bald auch im Dunkeln scharf: Die Lomo-Kompaktkameras, Russlands skurriler Exportschlager für die postmoderne westliche Erlebniswelt, wollen mit militärischem Schnickschnack glänzen. "Unsere Kunden sind sehr nachtaktiv", umschreibt der St. Petersburger Konzern die Partyfixierung seiner Klientel. Deshalb sollen die im digitalen Zeitalter total veralteten Fotoapparate mit Nachtsichtgeräten aufgemotzt werden.

Wie ein DDR-Grenzer am Zaun

Wer durch die Nachtsichtgeräte blickt, sieht eine milchig-grüne Welt im Dunkeln und fühlt sich wie ein DDR-Grenzer auf Streife am Zaun. Aus jenen finsteren Zeiten des Kalten Krieges stammt die Lomo-Kamera. Vor zwanzig Jahren, 1983, ging die Kompaktkamera der "Leningradskoje Optiko Mechanitscheskoje Objedinjenije" (LOMO) in Serie und wurde millionenfach produziert. Bei keinem Krimurlaub der Arbeiterklasse durfte das mit einem Riemen am Handgelenk baumelnde Lomo-Schätzchen fehlen.

1994 war's beinahe vorbei

Doch dann zerbrach die Sowjetunion. Mit ihr verschwand der vom Staat subventionierte Urlaub für Arbeiter und Bauern und deren Verlangen nach einer einfachen Kamera für die schönsten Wochen des Jahres. Das Lomo-Werk wollte 1994 die Kamera-Produktion notgedrungen einstellen.

Doch dann kamen die Lomographen

Aus dem kapitalistischen Westen kam die Rettung: Zwei Wiener Studenten fanden Gefallen an den Ratsch-Ratsch-Klick-Kameras im Opadesign mit Zackenrad zum Filmtransport und mechanischem Auslöseknopf. Die Lomo-Kultwelle ergriff vor fast einem Jahrzehnt Europas Schulen und Universitäten und schwappte bis nach Japan und in die USA. Seit einigen Jahren produziert Lomo seinen Kamera-Oldie exklusiv für die Lomographen, wie sich die Heerscharen der Lomo-Liebhaber selbst nennen.

Auch aus der Hüfte ansehnliche Bilder

Bevorzugt aus der Hüfte wurden seitdem Millionen von Lomo-Fotos geschossen. Im Gegensatz zu asiatischen Plastikapparaten liefert die solide gebaute russische Kleinbildkamera dank einer guten Linse ansehnliche Bilder ab.

Bei Lomographen gilt der Kontrollblick durch den Sucher als uncool. Unscharfe Hundeschnauzen vor orangefarbener Tapete, das verzerrte Lichterspiel einer Fußgänger-Ampel oder der Blick in den Milchozean einer morgendlichen Müslischale begeistern seitdem die Lomographen. Am meisten dürfte diese Kultwelle die Hersteller selbst überrascht haben.

Lenin-Orden über dem Hauptportal

Bereits die Adresse des gigantischen Lomo-Werks im Petersburger Norden lässt auf keinen Hightech-Betrieb schließen. In der Gusseisen-Straße 20 ist die düstere Lomo-Verwaltung zu finden. Überdimensionale Lenin-Orden grüßen über dem Hauptportal. Durch Verwaltung und Fabrikationsräume zieht der alte Sowjetmief.

Wer als Ausländer das Werk besichtigen möchte, muss dafür eigentlich einen Monat im Voraus einen Antrag stellen. "Das ist wegen unserer Rüstungsproduktion", bittet Lasar Salmanow um Verständnis für die noch immer allgegenwärtige Spionageangst. Der Leiter der Öffentlichkeitsabteilung legt dann aber beim Werkschutz ein gutes Wort ein und macht das Unmögliche möglich.

Von der Kamera alleine könnte Lomo nicht leben

Die Produktion von jährlich etwa 30.000 Kompaktkameras sei für Lomo längst kein Geschäft mehr. "Wir machen damit keinen Gewinn, aber der gute Name Lomo soll erhalten bleiben", betont Salmanow. Das Hauptgeschäft macht das zu 100 Prozent privatisierte Unternehmen mit Optiktechnik für Rüstungszwecke. Im Jahresbericht sind die Namen der größten Anteilseigner ("Rubin", "Sputnik", "Rost") aufgeführt. Wer tatsächlich dahinter stecke, wisse man selbst nicht, sagen die Lomo-Mitarbeiter.

Hauptsache, der Lohn wird rechtzeitig ausgezahlt. 5000 Rubel (knapp 140 Euro) erhalten die 70 in der Fotoapparat-Produktion beschäftigten Mitarbeiter monatlich. Das reicht auch in Petersburg kaum zum Überleben, ist aber immerhin besser als gar nichts. Für die Menschen in Russland sei es wie Balsam, dass die berühmten Lomo-Fotoapparate aus St. Petersburg noch immer produziert werden und sogar im verwöhnten Westen zum Verkaufsschlager wurden.

Stefan Voß/DPA

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