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Rebellion an der Glühbirnenfront

Auch ein EU-Verbot kann die gute alte Glühbirne nicht aus den Haushalten vertreiben. Eine Gesetzeslücke sorgt für Nachschub auch über die Deadline 1. September hinaus.

Von Gernot Kramper

  Die klassische Glübirne produziert mehr Wärme als Licht, darum soll sie verschwinden.

Die klassische Glübirne produziert mehr Wärme als Licht, darum soll sie verschwinden.

Nach dem ersten September sind herkömmliche Glühlampen verboten. Geht es nach dem Willen der Eurokraten sollen die EU-Bürger fortan nur noch Energiesparlampen benutzen. Nur: Den Wünschen der Kommission folgen viele Bürger nicht. Ähnlich wie beim E10-Benzin kommt es zur Rebellion der Konsumenten. Mit einem Trick können sie die gut, alte Glühbirne weiterhin erwerben.

Ausweg Spezialbirne

Die normale Haushaltsglühbirne wurde zwar verboten, aber nicht Spezialbirnen für Sonderanwendungen. Diese Lampen sind gebaut, um Stöße und hohe Temperaturschwankungen zu überstehen. Sie werden zum Beispiel in Bergwerken eingesetzt. Meist hält der Glühfaden sogar besonders lang. Vor dem EU-Verbot wurden sie nur selten in Häusern eingebaut, weil sie gemessen am Stromverbrauch weniger Licht abgeben als die Standardbirnen. Nur in hohen Räumen, in denen das Wechseln defekter Birnen aufwändig ist, installierte man die Bewegwerksbirnen.

Das war einmal - inzwischen ziehen die rüttelfesten Energieverschwender in ganz normale Haushalte ein. Seitdem die EU die konventionellen Birnen vom Markt drängt, schnellt ihr Absatz trotz des höheren Preises nach oben. In den letzten Wochen muss es einen wahren Boom gegeben haben. Zuvor musste man die Spezialbirnen in Spezialgeschäften kaufen oder bestellen, inzwischen haben aber auch Baumärkte die Marktlücke erkannt und biten die Spezialbirnen offensiv an. Auf diese Lampen-Provokation reagierte auch die EU-Kommission: Marlene Holzner, Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger, verlangt, dass die Spezialbirnen nicht neben den normalen Leuchtkörpern ausgelegt werden dürfen. Einen Aufdruck, dass die Birnen nicht für den Haushalt gedacht sind, müssen die Verpackungen ohnehin tragen. Vor-Ort-Kontrollen der Länder sollen verhindern, dass arglose Kunden die Spezialbirnen erwerben. Sanktionen für Käufer sind seitens der EU aber noch nicht geplant.

Was spricht gegen die Energiesparlampen?

Die Glühbirnen-Malaise entstand, weil sich die deutschen Verbraucher nicht für die Energiesparlampe begeistern konnten. Eigentlich sind Energiesparlampen eine tolle Sache: Sie verheizen nicht den Großteil der Energie, sondern setzten den Strom größtenteils in Licht um. Ihre Lichtfarbe spielt nicht wie bei der Glühbirne ins Orange des Höhlenfeuers, sondern kann beim Kauf frei gewählt werden. Zudem halten sie länger und sind daher trotz des höheren Kaufpreises auf Dauer günstiger als Glühbirnen. So lautet zumindest die offizielle Begründung für den staatlich erwünschten Leuchtkörper. Viele Nutzer sehen das anders. Für sie ist die Energiesparlampe nichts anderes als eine Neonröhre in kompakter Bauweise. Die zeitliche Verzögerung zwischen Einschalten und Lichtabgabe führt beim Betreten dunkler Räume zu Wartezeiten und Irritationen. Kunden klagen über kurze Lebensdauer der teuren Lampen, nachlassende Leuchtkraft und generell über eine unsympathische, unnatürliche Färbung des Lichts. Außerdem enthalten Energiesparlampen Quecksilber. Ein Mittel, das wegen seiner extremen Gesundheitsgefährdung aus allen anderen Geräten im Haushalt verbannt wurde.

Auch die Haushaltsglühbirnen gibt es noch

Auch nach dem Stichtag am 1. September muss der Glühbirnenliebhaber nicht unbedingt Spezialbirnen kaufen, sondern man kann weiterhin seine Glühbirnen bekommen. Lagerbestände darf der Handel nämlich abbauen. Manche Geschäfte müssen allerdings gewaltige Hallen gefüllt haben, selbst die seit 2009 verbotenen 100-Watt- Birnen sind mühelos zu bekommen. Wer partout nicht auf die brüsselkonformen Lampen umsteigen will, kann sich einen Vorrat zulegen. Im Vorratspack sind die Birnen nämlich billiger. Eine Hundert-Stück-Schachtel Markenbirnen kostet etwa 60 Euro, No-Name-Birnen gibt es für unter 40 Euro. Damit sind die Haushaltsbirnen deutlich preiswerter als die Spezialbirnen, hier muss man pro No-Name-Exemplar in der Großpackung 80 Cent ausgeben. Eine stoß- und rüttelfeste Birne von Osram kostet fast zwei Euro.

Für wen lohnt sich das Horten?

Viele, die jetzt Glühbirnen horten, machen das aus Wut über die Bevormundung durch die Politik. Aber selbst, wenn man sich eigentlich mit Energiesparlampen anfreunden kann, kann es sinnvoll sein, sich einen größeren Vorrat an alten Lämpchen zuzulegen. Das ist immer dann zu empfehlen, wenn die neuen Leuchtkörper nicht mit den alten Lampen harmonieren. Das dürfte etwa bei allen Kronleuchtern oder Kristalllüstern der Fall sein.

Die EU-konforme Alternative

Die ganz legale Alternative zur Glühlampe sind Halogenlampen. Sie werden in den gewohnten Glühbirnenformen angeboten und geben ein ähnliches Licht ab. Weil der Glühfaden stärker erhitzt wird, produzieren sie mehr Licht als eine herkömmliche Glühbirne mit gleichem Energieverbrauch, aber deutlich weniger als eine Energiesparlampe. Eine Halogenbirne eines Markenherstellers kostet etwa zwei Euro.

Das nächste Verbot

Auch bei den Halogenlampen lohnt sich ein Vorrat, denn auch sie sind wegen ihres Energieverbrauchs ins Visier der EU-Kommission geraten und könnten ebenfalls verboten werden. Schon argwöhnen viele, dass die Lobbyisten der Leuchtmittelhersteller hinter dem Glühbirnenverbot steckten. Sollten die Halogenbirnen in Haushalten verboten werden, gäbe es eine weitere Sonderkonjunktur für die Lampen- und Leuchtenindustrie: Dann müssten nicht nur günstige Halogenbirnen gegen teure Energiesparlampen ausgetauscht werden, dann würden auch die alten Halogenlampen und -spots auf den Müll wandern.

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