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Klein, smart und wendig - Moskaus neue Killermaschine

Russland stellt einen Mini-Kampfroboter vor. Der Minirex RS1A3 ist extrem klein und eine weitere High-Tech-Waffe, die das Land weltweit exportieren wird.

  Der Minirex im Einsatz in einem Demonstrationsvideo

Der Minirex im Einsatz in einem Demonstrationsvideo

Zuerst sieht der Minirex RS1A3 ganz lustig aus, mit seinem Fahrgestell aus zwei kombinierten Kettenantrieben rast er durch das Gelände und ist sogar in der Lage, eine Treppe zu erklimmen. Dabei ist die Maschine sehr filigran. Auf dem Fahrgestell sitzt ein langer Hals und darauf ein Kopf mit Kamera und automatischer Waffe. Der knuffige Roboter, der an "Nummer 5 lebt" erinnert, soll nämlich Menschen töten.

Rüstungsfirma aus Russland

Entwickelt wird der Roboter von Lobaev. Eine Firma, die eher eine Mischung zwischen Ingenieursbüro und Start-up ist, und die man nicht mit den russischen Rüstungsgiganten und ihren Mega-Fabriken vergleichen kann. Auf der Homepage werden die eigenen Ziele angepriesen, nämlich die besten Waffen der Welt zu produzieren. Erreicht werden soll dies durch zwei Säulen: High-Tech wie aus dem Westen, aber kombiniert mit den russischen Waffentugenden wie Haltbarkeit, einfacher Wartung und extremer Verlässlichkeit.

  Die geringe Bauhöhe ermöglicht es dem Roboter überall Deckung zu suchen.

Die geringe Bauhöhe ermöglicht es dem Roboter überall Deckung zu suchen.


Roboter ersetzt Schützen

Kampfroboter werden derzeit weltweit entwickelt. Alleinstellungsmerkmal an dem Minirex ist das geringe Gewicht. Ein Soldat soll ihn in einem Rucksack tragen können. Angeboten wird die gezeigte Schützen-Version, ein Pionier und ein weiteres Modell. Die Roboter können allein eingesetzt werden, im Gefecht ist der Einsatz eines ganzen Roboter-Rudels möglich.

Die bekannten Kampfroboter sind deutlich größer als der Minirex. Sie erinnern eher an Mini-Panzer in der Größe eines Müllcontainers. Der Minirex soll dagegen wie ein einzelner Soldat agieren. Dabei werden ihm die geringe Größe und die extrem niedrige Bauhöhe helfen. Das Fahrgestell ist keine 30 Zentimeter hoch. Im Gelände oder in urbanen Trümmerfeldern wird man ihn kaum ausmachen können. Für Waffen mit direkter Schussbahn ist der Minirex nur von erhöhten Positionen aus zu erreichen. Unklar ist derzeit, wie selbstständig die Roboter im Einsatz agieren. Es wird vermutet, dass sie teilweise mit eigener Intelligenz agieren, dabei aber auch dirigiert werden können. In etwa so, wie bei einem Computerspiel die Spieler einer Mannschaft gesteuert werden.

Lobaev Arms kein Unbekannter

Auf jeden Fall handelt es sich bei Lobaev um keine Newcomer, sondern um einen ernstzunehmenden Hersteller. Lobaev Arms stellt bekannte Scharfschützengewehre her. Im letzten Jahr sorgte die Vorstellung der SVLK-14S weltweit für Aufsehen. Sie soll das beste Sniper-Gewehr der Welt für extreme Distanzen von über 2000 Metern sein, sagt zumindest Chef-Designer Vladislav Lobaev. Das Demonstrationsvideo über eine Distanz von 3400 Metern ist zumindest beeindruckend. Insofern kann man damit rechnen, dass dem Roboter-Modell aus dem Video Serienprodukte folgen werden. Westliche Armeen sind derzeit noch zurückhaltend, was die Vorstellung und den Einsatz automatisierter Killer-Maschinen angeht. In Russland wird die Entwicklung dagegen energisch vorangetrieben. Vor allem ist die Geschwindigkeit, mit der Moskau Kampf-Roboter zum Export freigibt, erschreckend. Im Dezember gab es Gerüchte über einen ersten Einsatz größerer Kampfroboter in Syrien, kurz darauf kündigte Rosoboronexport an, ein ganzes System bestehend aus Uran-9-Robotern, Transportmittel und Steuerungsmodul bereits 2016 in den Export zu bringen.


Moskaus Exportoffensive

Rosoboronexport gehört zum staatlichen Rüstungsgiganten Rostec, die Ankündigung des Exports wird damit sicher vom Kreml gebilligt. Die Uran-9 entsprechen Kampfpanzern in Miniaturausgabe, sie sind mit Raketenwerfern und einer mächtigen Maschinenkanone im Kaliber 30 Millimeter und einem Maschinengewehr ausgerüstet. Boris Simak, Leiter der Entwicklungsabteilung von Rosoboronexport, sagt dazu. "Russische Ingenieure haben alle notwendigen Kompetenzen, um die modernen Militär-Roboter zu bauen, nach denen der internationale Markt verlangt. Das ist ein schnell wachsendes Segment des Waffenmarktes." Dieses lukrative Geschäft will sich Moskau sichern. Seitdem die Einnahmen aus dem Gas- und Erdölgeschäft zurückgehen, unternimmt Russland große und erfolgreiche Anstrengungen, das Rüstungsgeschäft anzukurbeln.

Dabei hat Putin eine alte Restriktion der Großmächte offenbar über Bord geworfen. Traditionell blieben die modernsten Waffen eine geraume Zeit den eigenen Streitkräften und den engsten Verbündeten vorbehalten. Russland hingegen bietet das Neueste und Beste aus dem Arsenal so früh wie möglich an.

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