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Die ganz Kleinen des Robotersports

Eine Premiere, die man glatt übersehen konnte: Bei der Roboterfußball-WM Robocup, die in Atlanta zu Ende ging, sind erstmals Nanoroboter angetreten. Disziplinen: Fußball und Zwei-Millimeter-Lauf. Übertragen wurde das Event per Mikroskop.

Der silberne Roboter schießt unter dem Licht der Scheinwerfer vom einen Ende des Felds auf den einzigen Verteidiger zu, der noch zwischen ihm und dem Tor steht. Dabei macht der "Whirling Dervish" (Wirbelnde Derwisch), wie ihn seine Entwickler genannt haben, seinem Namen alle Ehre und dreht sich furios. Aber plötzlich stoppt er ganz abrupt und steht wie festgeklebt in der Mitte des Spielfelds. Schnell erscheint ein Metallarm, um ihn zu retten. Es ist aber kein Kran, sondern eine Akupunkturnadel, die ihn vom Spielfeld zieht, das ungefähr die Größe eines Reiskorns hat. Der Wirbelnde Derwisch wiegt nur ein paar hundert Nanogramm und trat im ersten Fußballspiel im Nanobereich an, das es wohl je gab.

Es war Teil des Robocups, der Weltmeisterschaft der Roboter, die jetzt an der Universität Georgia Tech in Atlanta in den USA ausgetragen wurde. Die Vorstellung der Nano-Roboter sollte dabei auch die Potenziale deutlich machen, die in dieser noch jungen Technik stecken.

"Wenn man eine einzelne Ameise hat, dann kann sie nicht viel machen, aber viele Ameisen können Ungeheures leisten", sagt Michael Gaitan, Leiter des Mikroroboter-Projekts am Nationalen Institut für Standards und Technik der USA. "Wir glauben, dass das auch auf die Mikroroboter zutrifft. Wohin die Entwicklung geht, werden wir noch sehen. Jetzt gibt es erst einmal Fußball." Beim Turnier auf dem Robocup traten im Nanobereich fünf Mannschaften aus den USA, Kanada und der Schweiz an. Dabei gab es zwei Wettbewerbe: einen Kurzstreckenlauf über zwei Millimeter und einen Slalom, bei dem der Roboter auf dem Weg zum Tor um einige feststehende Verteidiger herum kurven musste.

Übertragung per Mikroskop

Über zwei starke Mikroskope wurde der Wettbewerb auf Bildschirme übertragen. Favorit war das Team der ETH Zürich, das ein beeindruckendes Antriebssystem entwickelt hat, das aus Magneten besteht. Alles läuft vollautomatisch, der Spieler braucht nur auf eine Stelle auf dem Bildschirm zu klicken und kann dann zusehen, wie das kleine Gerät sich dort hinbewegt. Patentanträge für das in den vergangenen sechs Monaten entwickelte System liegen schon vor.

Die Forscher hoffen, dass die kleinen Roboter einmal in das menschliche Blutsystem eingeführt werden können, um dann zum Beispiel defekte Zellen zu reparieren. Wie nahe Hoffnung und Scheitern beieinander liegen, mussten die Erfinder des Wirbelnden Derwischs erfahren, die von der kanadischen Universität Simon Fraser kamen. Ihr Gerät hatte eine Kunststoffbasis statt einer aus Metall. So wurde der Sprint eher zu einem Schachspiel. Mit einem Steuergerät in der Hand versuchte Dan Sameoto verzweifelt, den Roboter zu Bewegungen zu veranlassen. Die Zuschauer und Sameotos Kollege See-Ho Tsang feuerten ihn an. "Los jetzt", ruft Tsang dem Roboter zu, "du kannst doch nicht schon müde sein." Aber es hilft nichts. Im nächsten Jahr wollen beide mit einem schwereren Gerät antreten, das nicht so leicht stehen bleibt.

Greg Bluestein/AP/AP

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