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Beim Ski ist das High-Speed-Rennen out - Vielseitigkeit ist in

Das Leitbild des Skifahrens ändert sich: Geschwindigkeitsrekorde sind passé, auch der Hobbyfahrer will heute abseits der Piste fahren. Gut dabei: Die Ski werden besser, doch Preise ziehen nicht an.


Von Gernot Kramper

  Davon träumen alle: Runter von der Piste für einen Abstecher ins Gelände.

Davon träumen alle: Runter von der Piste für einen Abstecher ins Gelände.

Die Aufregung um den Rocker hat sich gelegt. Aber nicht weil die Huppel im Ski Vergangenheit wären, sie sind inzwischen zum Standard geworden, mit dem sich niemand mehr groß profilieren kann. Nur wer von älteren Ski auf ein neues Modell wechselt, erlebt doch eine Überraschung.

Nach dem Carving-Ski war der Rocker die große Revolution im Skibau. Rocker - was war das noch mal? Im Grunde ein Carver-Ski. Der aber eine Vorspannung wie ein Bogen besitzt. Das heißt: Vorn (und häufig auch hinten) sind die Ski stärker nach oben gebogen. "Der Ski biegt sich bis zu fünf Millimeter in die Höhe. Das kann aber auch nur eine minimale Erhöhung sein. Bei einem Rennski kann man das kaum erkennen," sagt Heinrich Sklorz, Skilehrer und Leiter des unabhängigen Skitests Carving 2000. Das Ziel ist das gleiche wie beim Carving-Ski: Das Eindrehen in den Schwung wird erleichtert. Die Verlagerung geschieht technisch einfacher, der Ski verzeiht eher Fehler und der Schwungwechsel fordert weniger Krafteinsatz. Im Vordergrund steht der Komfort für den Kunden, das Eindrehen in den Schwung soll leichter und kräfteschonenden werden.

Das große Plus: Die Ski lassen sich schneller und mit weniger Anstrengung drehen, weil in der Grundhaltung weniger Fläche aufliegt. Legt man sie aber auf die Kante, streckt sich der Ski. Der Rocker erleichtert das Eindrehen in den Schwung. Nebenbei verzeiht er Fahrfehler und spart Kräfte.

Länger und breiter

In der Saison 2014/2015 sieht man, dass leichteres Eindrehen und geringes Gewicht durch Arbeiten am Material zu einer neuen Ausrichtung führt. Trendbildend sind Allrounder, die auch abseits der Piste bestehen können. Echte Tourenski sind nach wie vor ein Nischenprodukt für sehr sportliche Skifahrer, aber ein wenig Pulver schnuppern wollen immer mehr normale Skifahrer. Dafür werden die Ski wieder länger und breiter. Eine größere Fläche ist notwendig, damit sich auch normal talentierte Fahrer auf nicht präparierte Flächen wagen können. "Heute kann man so einen Allmountain-Ski auch ohne spürbare Einbußen auf der Piste benutzen."

Wunsch nach Pulverschnee

"Die Firmen investieren viel in die Entwickung", sagt Heinrich Sklorz. "Dadurch werden die Ski vielseitiger, aber auch länger und breiter. Der Kunde sucht heute einen Ski, der vieles kann und nicht nur schnell ist." Der Freeride-Ski boomt, viele kleine Firmen drängen hier in den Markt. Dabei geht es häufig mehr um ein Freeride-Feeling, wenn die Piste für einen Abstecher verlassen wird. Echte Skitouren und echtes Freeide jenseits der Skigebiete bleibt auch heute einer kleinen Gruppe vorbehalten, da die Anforderungen an Technik und Kondition sehr hoch sind. Doch auch für den Urlauber muss ein Ski außerhalb der Piste funktionieren, wenn man meistens auch auf der Piste bleibt. Skigebiete reagieren auf den Trend, in dem sie Zufahrten zu nicht präparierten Abfahrten anbieten.

Ski wollen gefahren werden 

Die gute Nachricht für den Kunden bleibt, dass die Preise trotz besserer Ski nicht anziehen. "Gute Ski sind mit Bindung ab 350 bis 400 Euro zu bekommen", sagt Heinrich Sklorz. "Einsteigerski gibt es auch deutlich billiger, sehr hochwertige Rennski kosten 600 bis 700 Euro. Ski über 1000 Euro gibt es eigentlich nicht im Handel - abgesehen von Fashion-Marken."

Doch wer einen Ski kauft, der sollte ihn auch fahren, rät Sklorz. "Ein Ski altert nicht nur durch Kratzer. Das Material ermüdet. Nach ein paar Jahren läuft der Ski immer noch, aber seine Spannung hat er verloren, auch wenn er nur im Keller stand."


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