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Wenn Shakira die Stimme wegbleibt

Frequenzen aus dem 800-Megahertz-Bereich sind von der Bundesnetzagentur an die großen Mobilfunkbetreiber versteigert worden. Das Problem: Auf Konzerten, in Kirchen oder auf Theaterbühnen gehen jetzt bundesweit die Drahtlos-Mikrophone aus.

Superstars wie Shakira stehen plötzlich ohne Stimme da, auf dem Parteitag herrscht Funkstille, der Manager bricht seine Zahlen-Präsentation ab, die Predigt des Pfarrers verhallt ungehört. Der Grund: Die Drahtlos-Mikros streiken, technisch bedingt. "Schon in den nächsten Monaten werden Aufführungen, Kongresse, Veranstaltungen aller Art erst technisch gestört sein, dann reihenweise ausfallen. Das ist das Szenario, das wir befürchten", sagt der Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin. Viele teilen diese Befürchtung, auch Kirchen, Kongress- und Konzertveranstalter. Überall, wo drahtlose Mikros verwendet werden, könnte es zu Beeinträchtigungen kommen.

Der Hintergrund: Die Frequenzen aus dem 800 Megahertz-Bereich, die diese Drahtlos-Mikrofone nutzen, sind von der Bundesnetzagentur an die großen Mobilfunkbetreiber versteigert worden. "Der 790-bis-862-Megahertz-Bereich war vorher dem Rundfunk zugewiesen, der die Frequenzen aber wegen der Digitalisierung nicht mehr benötigte", erklärt Cord Lüdemann von der Bundesnetzagentur. Die Mikros sind in dieser Frequenz "Sekundärnutzer", dürfen das auch bis 2015 bleiben, aber: Die großen Lücken, die sie aktuell nutzen, schmelzen demnächst zusammen, wenn Telekom, Vodafone und O2 das Spektrum für schnelleres Internet via Mobilfunk verwenden. Die Drahtlos-Mikros werden dann faktisch aus ihren Stammfrequenzen verdrängt.

"Es drohen tatsächlich Störungen, wenn dann unterschiedliche Anwendungen im gleichen Frequenzbereich laufen. Das darf man nicht unterschätzen", sagt Lüdemann. Wichtig sei ein geregelter Übergang. Den sieht der Bühnenverein nicht: "Das Ganze läuft völlig ungeordnet ab. Die Mobilfunkunternehmen fangen jetzt mit der Vorbereitung an. Sie tun das irgendwann und irgendwo, lassen sich nicht in die Karten schauen", kritisiert Bolwin. "Die Veranstaltungsbranche weiß nicht,wo und wann das passiert. Und plötzlich ist ein Konzert oder ein Kongress gestört oder eine Großveranstaltung."

"Wir kämpfen um eine Entschädigung"

Auch bei der Kirche klingeln die Alarmglocken. "Ganz viele Kirchen sind betroffen. Da drohen hohe Verluste, wir haben viele alte Mikrofone, die definitiv nicht umgerüstet werden können auf die neuen bereitgestellten Frequenzen", erklärt Rainer Gritzka, Geschäftsführer der Grundstücks- und Baurechtskommission des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die evangelische und katholische Kirche wollen sich gemeinsam beim Bund Gehör verschaffen: "Wir möchten eine Entschädigung bekommen, wir kämpfen noch darum." Fakt sei für die größeren Kirchen: "Wenn vorne einer ohne Mikro steht, hört man auf den hinteren Bänken gar nichts."

Die Unternehmen, die von Events und Großveranstaltungen leben, sind ebenfalls in Sorge: "Wir wissen von den Problemen, hoffen aber doch sehr, dass das nicht von heute auf morgen über uns alle kommt und plötzlich überall in Deutschland gar nichts mehr geht", heißt es bei einem Kongressveranstalter in Berlin. Bolwin ist sicher: "Es wird ein großes Geschrei und einen auch wirtschaftlich enormen Schaden geben." Es seien neben den Bühnen und Kirchen auch die Politik mit ihren Parteitagen und die ganze Veranstaltungsbranche betroffen. "Die hat hier im Lande eine erhebliche ökonomische Kraft. Wir reden auch über viele Arbeitsplätze. Wir Theater sind nur ein kleinerer Teil."

Die Telekom sagt, sie könne zwar aus Wettbewerbsgründen keine Ausbaupläne veröffentlichen. "Wir wollen aber den Bühnenverein und die Betroffenen möglichst vorzeitig informieren", verspricht Sprecherin Marion Kessing. Zunächst sei angedacht, Infos etwa über den Städte- und Gemeindebund verfügbar zu machen, für 2011 arbeite die Telekom an einem unkomplizierten Info-Verfahren.

Es geht um viel Geld

Es geht um viel Geld. Neue Mikrofon-Anlagen müssen gekauft werden, die auf andere Frequenzen ausgerichtet sind. Das wird Schätzungen zufolge hohe dreistellige Millionensummen kosten, auch von einer Milliarde Euro ist die Rede. Bolwin verlangt mindestens 30 Prozent der Neuanschaffungskosten für die Theater. Der Bund habe ja auch gut vier Milliarden Euro über die Auktion verdient. In Großbritannien sei allen Antragstellern eine Kostenübernahme von 50 Prozent zugesichert.

Die Politik will die Betroffenen zwar unterstützen, streitet aber über das Wieviel. Gespräche zwischen Bund und Ländern sind ins Stocken geraten, wie es im Bundesfinanzministerium heißt. Die Bundesregierung gehe bisher von einem Erstattungsbetrag von 124 Millionen Euro für 2011 bis 2015 für die "Sekundärnutzer" aus. Aus den Ländern kommen aber Stimmen, die das bis zu Sechsfache für notwendig halten. Der Bühnenverein meint, mit insgesamt gut 120 Millionen Euro für alle komme man nicht weit. "Es sind noch längst nicht alle in der Branche aufgewacht. Wir stehen vor einem Desaster."

Lesen Sie auch bei unserem Partner pcwelt.de: "Versteigerung der Mobilfunk-Frequenzen ist beendet"

DPA/DPA

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