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Wenn Barbie plötzlich mehr über Ihr Kind weiß als Sie

Seit 1959 sind Barbie-Puppen nicht mehr aus Kinderzimmern wegzudenken. Mit seiner neuen Version wagt sich der US-Spielzeughersteller Mattel jedoch auf ungewohntes Terrain: Erstmals kann man Barbie nicht mehr anfassen.

Aufnahme des Barbie-Hologramms von US-Spielzeughersteller Mattel

Anfassen kann man die neue "Hello Barbie"-Puppe nicht - dafür können Kinder mit ihr sprechen 

Seit fast 60 Jahren lässt die berühmte Barbie-Puppe Kinderherzen in aller Welt höher schlagen - und die Kasse von US-Hersteller Mattel entsprechend klingeln. Verständlich, dass das Unternehmen seit 1959 ständig nachlegt, um die junge Kundschaft bei Laune zu halten. Auch von der jüngst auf der Spielwarenmesse "Toy Fair" in New York vorgestellten Barbie-Version erhofft sich Mattel einen Verkaufshit und wagt sich dafür auf ungewohntes Terrain: Erstmals wird die Puppe nicht zum Anfassen sein. Stattdessen soll Barbie als eine Art Hologramm mit Sprachassistent in die Kinderzimmer kommen, wie unter anderem das US-Technikmagazin "Wired" berichtet.

Wie Amazons Alexa wird auch das als "Hello Barbie Hologram" präsentierte Produkt mittels Sprachbefehl aktiviert und gesteuert. Sagt der Nutzer - in dem Fall wohl das Kind - "Hello Barbie", erscheint die digitale Puppe von Trittgeräuschen begleitet in einer typisch pink und rosa gestalteten Umgebung. Anschließend kann Barbie zu den unterschiedlichsten Themen befragt und in ein Gespräch verwickelt werden, beispielsweise über das Wetter. Danach gefragt, geht Barbie in ihrem "Raum" ans Fenster, schaut hinaus und liefert dann aktuelle Daten für die angefragte Stadt oder Region. Generell können Kinder die Puppe demnach so ziemlich alles fragen, was sie interessiert. Für so manche Eltern vermutlich nicht die angenehmste Vorstellung. Auch kann sie - und hier lässt sich der Nutzen für Kinder zumindest hinterfragen - Kalendereinträge oder Erinnerungen anlegen. 

Andere Features kommen der Original-Barbie da schon näher. So lässt sich auch in der Digitalversion das Aussehen (Outfit, Frisur sowie Haut- und Haarfarbe) beliebig verändern, wie dieses Präsentationsvideo zeigt.

Mattel verspricht sichere Datenübermittlung

Dass die digitale Assistentin so dynamisch agiert, macht laut "Wired" die Verwendung einer 2D- oder 3D-Animation möglich. Tatsächlich ist der in New York vorgestellte Prototyp eher eine Projektion als ein Hologramm. So kann Barbie von hinten zum Beispiel nicht betrachtet werden. Ob sich daran bis zum vermutlichen Marktstart in den USA im Herbst noch etwas ändert, scheint mehreren Technikportalen zufolge eher unwahrscheinlich. Dafür soll der Verkaufspreis von weniger als 300 US-Dollar relativ gesichert sein.

Eltern, die sich um den Datenschutz sorgen, können offenbar beruhigt sein. Demnach will Mattel eigenen Angaben zufolge keine Kopien der Sprachbefehle und Dialoge auf seinen Servern speichern. Auch sollen die Daten verschlüsselt übermittelt werden. Damit entspräche die Digital-Puppe Bestimmungen der US-Handelskommission FTC (Federal Trade Commission) für smartes Kinderspielzeug.

Smartes Spielzeug als potenzielles Spionage-Tool

Ähnliche Negativschlagzeilen wie Ende 2015 darf sich der US-Spielzeughersteller wohl auch nicht erlauben. Damals hatte eine Analyse gravierende Sicherheitslücken bei der sprechende, allerdings physischen Hello-Barbie-Puppe mit Wlan festgestellt. 

In Deutschland sorgte jüngst die sprechende und ebenfalls mit dem Internet verbundene Puppe "My Friend Cayla" für Aufsehen gesorgt. Weil das Spielzeug von der Bundesnetzagentur als potenzielles Spionagegerät eingestuft worden war, empfahl die Behörde Eltern, die Puppe aus dem Kinderzimmer zu verbannen und zu zerstören.


stern
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