
Mit ihrem blauen, quer gehaltenen Nokia 3650 zielt Jana Buchmann am Tag der Star-Wars-Premiere in Berlin auf Natalie Portman (v.). Rechts das Bild der Handykamera© Edgar Rodtmann
Auf den PC sollten die Bilder aber immer wandern: Erst dort lassen sie sich ohne weitere Kosten per E-Mail versenden, mit Bildbearbeitungsprogrammen weiter verschönern, ins Internet stellen oder ausdrucken.
Ideal für die Bildübertragung an den PC sind Handys mit Bluetooth-Funk oder Infrarot-Anschluss. Damit lassen sich Fotos drahtlos an den Rechner, direkt an moderne Drucker oder an spezielle Fotokioske in Fachgeschäften übertragen (siehe Kasten Seite 85). Bei Handys mit Kartenschacht entnimmt man einfach die Speicherkarte, wenn sie voller Bilder ist. Über einen Kartenleser am Rechner schiebt man die Fotos dann auf die Festplatte. Eine weitere Variante der Bildübertragung: ein Datenkabel, das Handy und PC verbindet. Wird es nicht mitgeliefert, sollte es zumindest als Zubehör zu haben sein. Mindestens eine dieser Verbindungsoptionen sollte das Handy beherrschen, wenn man damit Fotos machen will.
Millionenfach stets bereite Kameras - die Einflüsse dieses Trends auf den Alltag werden bereits sichtbar. So sind auf der unabhängigen Nachrichtenseite Indymedia.org Fotos von mutmaßlich gewalttätigen Polizisten zu sehen, die während Demonstrationen ihre Dienstnummer nicht preisgeben wollten. Ein Autofahrer in der fränkischen Schweiz fotografierte mit seinem Handy ein ausgerissenes Stachelschwein und präsentierte das Bild stolz der Polizei. Tagebuchschreiber im Internet reichern ihre Einträge immer häufiger mit unterwegs geschossenen Bildern an.

Antje, knipst mit ihrem Motorola V 980 Schuhe, die sie und Tanja anprobieren. Rechts das Bild der Handykamera© Edgar Rodtmann
Die Unauffälligkeit von Handys und deren weite Verbreitung bergen aber auch die Gefahr des Missbrauchs. Das kann noch recht harmlos sein: "Meine Großeltern kapieren nicht, dass sie fotografiert werden, wenn ich auf dem Handy tippe", erzählt Filmfan Jana Buchmann. Nur so komme sie zu ungestellten Schnappschüssen von Oma und Opa.
Das kann aber auch richtig übel sein. Die Kinderschutzorganisation Zartbitter berichtete kürzlich von Schülern, die Mitschüler unter der Toilettentür hindurch heimlich knipsen. Die Fotos tauchten danach auf einschlägigen Spannerwebsites auf.
Ganz leicht kann jeder Fotohandybesitzer zum Paparazzo werden. Wie rücksichtsvoll er sich verhält, ist wohl allein eine Frage des Charakters.
Der Siegeszug der Fotohandys scheint jedenfalls unaufhaltsam. Schon im vergangenen Jahr wurden weltweit mit 257 Millionen Stück fast viermal so viele Knipstelefone wie reine Digitalkameras verkauft. Und in vier Jahren sollen mit Handys 227 Milliarden Fotos gemacht werden - mehr als mit Digitalkameras und Camcordern mit Fotofunktion zusammen.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 25/2005