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13. August 2010, 11:47 Uhr

Microsoft kämpft um die Smartphones

Microsoft auf Apples Spuren

Das zweite zentrale Designelement neben den Life Tiles sind so genannte "Hubs". An diesen Drehscheiben fasst Windows Phone 7 Anwendungen zusammen. Sechs Hubs gibt es: Kontakte, Bilder, Multimedia, Spiele, Office und Marktplatz. "Kontakte" ist das Sammelbecken für Kommunikationskanäle wie Outlook, Facebook und Windows Live. Im "Office"-Hub befindet sich Dokumente sowie der Kalender, der mit Outlook Exchange, Google, Yahoo! und anderen Kalendern synchronisiert werden kann. Unter "Bilder" werden sowohl die mit dem Handy aufgenommenen Fotos als auch Bilder aus Facebook, Flickr und anderen Quellen betrachtet und verwaltet. Der "Spiele"-Hub versammelt Handygames und ein Zugang zum Xbox-Live-Netzwerk. Unter "Multimedia" findet sich ein Medienspieler für Musik, Videos und Podcasts. Dessen Bedienoberfläche erinnert optisch an Microsofts iPod-Konkurrenten Zune, der nur in den USA erhältlich ist. Die Marke Zune allerdings wird zeitgleich mit den Smartphones nach Deutschland kommen - in Form eines Online-Marktplatzes à la iTunes.

Der Zune Marktplatz wird direkt in Windows Phone 7 integriert und lässt sich über den gleichnamigen Hub nahtlos nutzen. Musik, Videos, Spiele - alles, was Apple mit Erfolg über iTunes vertreibt, soll irgendwann auch im Zune Marktplatz erhältlich sein. Auch Apps. Nach dem ungeheuren Erfolg vom Apples Appstore und dem Android Marketplace setzt nun auch Microsoft auf die kleinen Zusatzprogramme, die ein Smartphone um ungeahnte Funktionen erweitern können. Was die Regeln für die Veröffentlichung von Apps angeht, scheint sich Microsoft zwischen dem strengen Apple und dem liberalen Android zu positionieren: "Jede App wird vor der Veröffentlichung von uns geprüft. Die Richtlinien sind eindeutig und für jedermann lesbar veröffentlicht worden. Wenn ein Programm abgelehnt wird, bekommt der Entwickler eine schriftliche Begründung", verspricht Prengel. Um den verschiedenen moralischen Werten in der Welt gerecht zu werden, werden die App-Bastler angeben müssen, in welchen Märkten sie ihr Programm veröffentlichen möchten. Eine App, die die prüden Amerikaner verwirren könnte, würde dann zum Beispiel nur in Europa veröffentlicht.

Maximale Kontrolle

Bei der Konzeption des Marktplatzes ist Apples Einfluss unübersehbar, und auch bei anderen Aspekten von Windows Phone 7 schimmert der Konkurrent aus Cupertino deutlich durch. Die Einschränkungen für Nutzer und Softwareproduzenten sind viel strenger als bei Windows Mobile bisher üblich. Einige Beispiele:

  • Es gibt keinen Steckplatz für eine externe Speicherkarte. Der interne Speicher kann nicht erweitert werden.
  • Eine Verbindung zum PC per USB-Kabel ist möglich, der Zugriff auf das Handy erfolgt aber ausschließlich über ein Zusatzprogramm. Nur über diesen Zune Client können Musikstücke, Videos und Bilder transferiert werden. Das Handy wird vom PC nicht als Massenspeicher erkannt, auf dem man irgendwelche Dateien speichern könnte.
  • Per Bluetooth lassen sich zwar Zusatzgeräte wie ein Stereo-Headset drahtlos am Handy anschließen, eine Datenübertragung beispielsweise von Bildern ist aber nicht möglich.

Kurz: Microsoft verschließt die Wege, auf denen Software auf das Gerät gelangen kann und lässt nur einen offen, der streng kontrolliert wird. Die Begründung dafür ist dieselbe, die Apple für sein strenges Regime über das iPhone angibt: "Wir müssen das Handy schützen, um die perfekte Nutzererfahrung garantieren zu können", so Microsoft-Manager Prengel. Der Kunde erwarte ein schnelles, flüssig zu bedienendes und immer funktionierendes Smartphone, so Prengel. Aus demselben Grund mussten für die erste Version auch einige Funktionen dran glauben, die laut Prengel nicht befriedigend umgesetzt werden konnten: Es wird kein Copy-&-Paste und kein Multitasking für Drittanbieter geben. Das bedeutet: Es kann immer nur eine App zur Zeit aktiv sein. Was für ein Zufall: Das Fehlen genau dieser beiden Funktionen war der größte Kritikpunkt an den ersten iPhone-Generationen.

Immerhin scheint Microsoft sein Ziel, Windows Phone 7 zu einem schnellen Betriebssystem zu machen, erreicht zu haben. Zumindest bei der Präsentation bewegte sich alles auf dem Handybildschirm zügig und ohne Ruckler. Die Bedienung erschien einfach und intuitiv. Das sehr strenge, fast spartanische Design ist eigenwillig, aber mutig. Mit Windows Phone 7 vollzieht Microsoft tatsächlich einen Neuanfang und katapultiert mit der Einführung von Apps und dem Zune Marketplace als Onlineshop sein Smartphone-Geschäft ins Jahr 2010. Ob das reicht, um den Vorsprung der anderen auszuholen, wird das Jahr 2011 zeigen.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Microsoft: Windows Phone 7 ist die letze Chance im Mobilfunkmarkt Erfolg zu haben"

Von Ralf Sander
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