Gerade mit Kollegen in den USA ein Video-Konferenzgespräch gehabt, um eine Präsentation gemeinsam fertig zu stellen. Alle dafür notwendigen Daten sind auf einem virtuellen Server gespeichert, aufgerufen werden können diese nur mit registrierten Handys. Habe Pause und nutze die, um laufen zu gehen. Dafür stelle ich mein Handy auf Stand-by und lasse es in der Dockingstation. Kein Problem, denn der Zugang zu den Daten ist per Fingerabdruck-Sensor gesichert, der im Touchscreen integriert ist. Meine Pulsuhr wird mich schon informieren, wenn mich jemand erreichen will.
Die ersten Mobiltelefone mit einem integriertem Fingerabdruckscanner sind bereits im Handel. Doch noch ist diese Technologie nicht ausgereift und kann getrost als Experiment betrachtet werden. Außerdem sind die Unternehmen derzeit dabei, weitere Geräte wie Uhren oder Headsets mit einer kompletten Handyfunktionialität auszustatten. Auch gibt es erste Konzepte von Mobiltelefonen, die ein abnehmbares Mini-Handy an Bord haben.
In San Francisco stellte Sandisk kürzlich neue Speicherkonzepte vor. Derzeit fassen die winzigen Micro-Speicherkarten für Handy und Digicam bis zu 16 Gigabyte Daten - soviel wie die aktuellen iPhone-Modelle. Platz genug für ganze Musiksammlungen oder komplette Staffeln der Lieblings-Fernsehserien. Doch damit nicht genug, bereits im kommenden Jahr sollen bis zu 32 Gigabyte auf den Speicherzwerg passen und in naher Zukunft sind bis zu zwei Terabyte, also 2000 Gigabyte, möglich. An Platz für digitale Daten mangelt es den Handynutzern also nicht. Und wenn das Fassungsvermögen so groß ist, wechselt man die Karte auch nicht ständig aus. Künftig sollen die Karten also mehr können, als nur Daten speichern. Sie dienen dann zusätzlich als Server oder als Wlan-Einheit. Oder sie machen das Handybetriebssystem überflüssig. Mit künftigen Speicherkarten könnten Mobilfunkbetreiber eigene Inhalte installieren, die für Nutzer erst dann erreichbar sind, wenn diese per Code oder per Fernwartung freigeschaltet werden. Dabei kann es sich um Software, Musik oder Filme handeln, die so nicht mehr extra über das Handynetz heruntergeladen werden müssen. Auch wird der Handywechsel mit diesen Karten so einfach wie der Wechsel der Unterwäsche. Der Nutzer hat zudem den Vorteil, dass individuelle Einstellungen und bereits herunter geladene Programme auch mit dem neuen Gerät, egal welchen Herstellers, auf vertraute Weise funktionieren.
Die Tage werden länger, mehr Zeit also, das Handy aufzuladen. Die gesamte Oberfläche des Geräts kann Tageslicht in Energie umwandeln. Und falls nicht, kann ich das Gerät in meiner Wohnung kabellos mit Strom versorgen. Da fällt mir ein: Ich muss noch schnell ein neues Gerät aus dem Automaten ziehen, denn ich wollte eines verschenken.
Die grüne Welle hat auch die Mobiltelefone erreicht, die ersten Geräte mit dem Öko-Touch sind bereits im Handel. Samsung hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona ein Solar-Handy vorgestellt. Nokia arbeitet in London im eigenen Designstudio an Ladekabeln, die keinen Strom verbrauchen, wenn man sie in der Steckdose vergisst, und an Handys, die fast komplett aus receycelten Materialen produziert werden. Zudem wird der Stromverbrauch der Geräte deutlich reduziert, da die Geräte künftig über Displays verfügen, die Energie effizienter nutzen können. Als Vorbild dienen die Displays von E-Books, die trotz kristallklarer Darstellung der Inhalte kaum Strom verbrauchen. Allerdings werden die neuen Handyfähigkeiten für mehr drahtlosen Datenverkehr sorgen - und damit für mehr Elektrosmog. Wer ständig auf seine per Cloud Computing ausgelagerten Daten zugreifen will, muss auch ständig mit dem Internet verbunden bleiben. "Always on" sorgt also auch für eine strahlende Zukunft.
Noch schnell aufs Fahrrand, um ein paar Kilometer zu fahren. Das Handy klemme ich an den Lenker, es dient mir als Navigationsgerät und projiziert die Route mit Richtungspfeilen auf das Stück Straße vor mir. Zuhause kann ich meine heutigen Ergebnisse mit denen der vergangenen Tagen vergleichen. Mein Trainer ist mit dem Resultat nicht so zufrieden und meldet sich per Videobotschaft. Nun habe ich Hunger. Auf meinem Handy-Display sehe ich, was noch in meinem Kühlschrank ist - und bekomme automatisch ein paar Rezeptvorschläge. Meine Nichte hat sich übrigens sehr über ihr erstes Mobiltelefon gefreut. Von außen sieht es aus wie meines, allerdings habe ich eine Software für Kinder aktiviert, die nur spezielle und ihrem Alter entsprechende Software und Services enthält.
Per Software lässt sich bereits jetzt schon das Handy zum Fitnesstrainer umwandeln. So zeichnet das Handy in Verbindung mit dem GPS-Chip die Laufstrecke auf oder dient als Anleitung für Yoga-Übungen. Und wer auf seine Ernährung achten will oder muss, kann per integrierten Barcodescanner die Inhaltsstoffe seiner Lebensmitteln anzeigen lassen.
Mobilfunkprovider werden künftig hauptsächlich Flatrates anbieten, also Datennutzung und Telefonieren so viel man will. Mit reinen Telefonaten und dem Versand von Kurznachrichten ist nicht mehr viel zu verdienen. Schon jetzt verdrängen immer häufiger kostenlose Twitter-Nachrichten die SMS und Skype-Telefonate die viel teureren Gespräche übers Handy-Netz. Mobiltelefone werden zudem immer häufiger den Festnetzanschluss verdrängen. Auch wird Wlan, zumindest in Großstädten, fast flächendeckend zur Verfügung stehen. So werden Nutzer überall kostenlos ins Internet kommen, müssen aber dafür verstärkt Werbung auf ihren Endgeräten in Kauf nehmen. Das Handy wird zur Schaltzentrale des digitalen Lebens und verbindet sich mit der Einrichtung. Ob Einkauf, Geldtransaktion oder Eintrittskarte, das Mobiltelefon wird so wichtig wie ein Personalausweis, kann diesen möglicherweise sogar ersetzen. Das bedeutet aber auch, dass der Datenschutz immer wichtiger wird und Persönliches möglicherweise noch schneller in unbefugte Hände gelangt. Auch werden Mobiltelefone zum bevorzugten Ziel von Hackern, denn die Geräte sind, im Gegensatz zu Privatrechnern, wirklich ständig im Betrieb.
Endlich im Bett, ich schau mir zum Einschlafen noch schnell die Late-Night-Show an, die mein Handy an die Zimmerdecke projiziert. Sobald ich einschlafe, wird das vom Handy registriert, wodurch das Gerät automatisch die Übertragung beendet. Gute Nacht.