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11. Januar 2008, 14:00 Uhr

Anonymität durch Handykarten-Tausch?

Um die korrekte Speicherung von Handy-Verbindungsdaten zu verhindern, hat der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung eine Tauschbörse für Prepaid-Karten eingerichtet. So könne nicht zurückverfolgt werden, wer mit welchem Handy telefoniert hat. Aber: Juristen warnen vor rechtlichen Risiken.

Handykarten durchmischen und neu verteilen - ist das die Lösung?© Balda AG/DPA

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung will anonyme Kommunikation per Handy ermöglichen: Über eine am Mittwoch eröffnete Tauschbörse können Nutzer Prepaid-Karten fürs Mobiltelefon untereinander tauschen. Damit sei der Netzbetreiber nicht mehr in der Lage, die Gesprächsdaten dem jeweiligen Nutzer zuzuordnen, erklärten die Initiatoren in einer Mitteilung. Doch der Tausch birgt rechtliche Risiken - etwa, wenn jemand anders mit Hilfe der eingetauschten Karte eine Straftat vorbereitet oder begeht. Ein Experte bewertete die Aktion daher als "völlig unseriös".

"Jeder hat ein Recht auf anonyme Kommunikation", erklärte Patrick Breyer von dem Arbeitskreis. Die Aktion schütze vor dem Missbrauch der eigenen Daten und der "ausufernden Neugier des Staates". Hintergrund der Äußerung ist das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung. Seit Jahresanfang sind die Netzbetreiber in Deutschland verpflichtet, Telefon- und Internet-Verbindungsdaten ihrer Kunden sechs Monate lang zu speichern und in bestimmten Fällen den Ermittlungsbehörden zur Verfügung zu stellen. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung - ein Zusammenschluss von Bürgerrechtlern, Datenschützern und Internet- Nutzern - lehnt diese Maßnahme ab.

Wer an der Tauschbörse teilnehmen will, schickt eine bereits freigeschaltete SIM-Karte an den Arbeitskreis und erhält im Gegenzug eine andere, zufällig ausgewählte Karte samt Rufnummer. Der Arbeitskreis selbst protokolliert die Daten der Teilnehmer nach eigenen Angaben nicht. Ist das Guthaben aufgebraucht, kann der neue Inhaber es selbst wieder aufladen.

Der Vertrag bleibt bestehen

Die Aktion birgt allerdings rechtliche Risiken. Auch nach einem Tausch besteht der Vertrag mit dem Mobilfunkanbieter weiter. "Als derjenige, der die Karte wegschickt, hafte ich persönlich, wenn etwas passiert", sagte Rechtsanwalt Jürgen Weinknecht aus Itzehoe der Deutschen Presse-Agentur DPA. Die Folge: Wenn der neue Besitzer einer Karte eine Straftat begeht, könne der registrierte Kunde der Beihilfe angeklagt werden. Die Haftung gelte auch für zivilrechtliche Angelegenheiten, betonte der Spezialist für IT- und Medienrecht.

Der Aktionskreis schätzt das Risiko von Straftaten als gering ein und sendet Teilnehmern zur Sicherheit eine Bestätigung zu, dass sie ihre alte Handykarte eingetauscht haben. Weinknecht hält diese Bestätigung aber für rechtlich irrelevant.

DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
invisibletouch (11.01.2008, 21:47 Uhr)
Was für ein Schwachsinn...
Es gehört schon eine ziemliche Portion Dummheit dazu eine auf sich registrierte SIM- Karte (auch wenn es eine Prepaidkarte ist) einfach an einen unbekannten Typen zu schicken.
Besser: Man kauft bei der nächstgelegenen "Call Shop- Bude" eine Prepaid- SIM- Karte für 10 Euro. Keine Registrierung, keine Fragen, kein Papierkram. Die Karten sind meist auf irgendeinen Inder oder Türken oder was weiß ich voraktiviert. Das einzige, was da zurückbleibt, ist ein 10 Euroschein mit deinen Fingerabdrücken ;).
Noch besser: Man nimmt sich eine spanische Prepaidkarte aus dem nächsten Urlaub mit. In Spanien müssen ( und werden ) Prepaidkarten nicht registriert. Man kann so im Urlaub günstig und anonym surfen und telefonieren und tut auch zuhause etwas für den Datenschutz :)).
ganzbaf (11.01.2008, 18:18 Uhr)
Du bist aber kein unbescholtener Bürger
Du hast einen ganz schlechten Leumund ;-Pp
chrgue (11.01.2008, 17:59 Uhr)
Tolle Idee!
Diese Idee wird bestimmt unsere Kriminellen und Schläfer überzeugen. Mich als unbescholtenen Bürger interessiert sie überhaupt nicht, Leute!
Unaufgeregt (11.01.2008, 17:57 Uhr)
Belanglos ...
Super. Otto Normalo tauscht jetzt seine Karten ein paar mal durch und erzeugt eine Handvoll Datensätze mehr. Abgesehen davon, dass Terroristen und Kriminelle das bereits seit Jahren erfolglos machen ist die Aktion genau so hilfreich wie Transparente gegen Waldsterben. Das lässt einen aufschlussreichen Einblick in die Gedankenwelt dieser Menschen zu. Auf dem 23. Treffen des CCC wurde mit Fug verkündet, man habe den Krieg auf breiter Front verloren. Kann man das nicht einfach mal akzeptieren?
Ernst1 (11.01.2008, 17:51 Uhr)
Ich finde die Idee gut
Leider habe ich keine Pepaid Karte, sonst würde ich direkt mitmachen.
testsieger2006 (11.01.2008, 16:02 Uhr)
völlig naiv
In einem 2. Schritt tauschen Jäger oder Sportschützen dann ihre registrierten Waffen.
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