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3. Juli 2010, 09:01 Uhr

Echte Klagen, falsche Steves

Das Antennenproblem des iPhone 4 beschert Apple mehrere Sammelklagen. Weiteres Problem: Ein rüder Mail-Verkehr zwischen Konzernchef Steve Jobs und einem Kunden sorgt für Aufregung. Dabei handelt es sich möglicherweise um eine Fälschung. Von Ralf Sander

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Mit Screenshots wie diesem will "Boy Genius Report" beweisen, dass der Mailverkehr echt ist© www.boygeniusreport.com

Die neueste Version des iPhone bereitet dem Apple juristische Probleme. Verbraucher in den USA hatten am an einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Maryland eine Sammelklage gegen den Konzern eingereicht. Sie beklagen Empfangsprobleme des Kulthandys, die das Telefonieren unmöglich machen können. Die iPhone-4-Käufer Kevin McCaffrey und Linda Wrinn monieren in der Klage, bei ihrem Telefon brächen Gespräche und Datenübertragung ab, "wenn man es normal wie ein Handy hält". Bereits Anfang der Woche war eine vergleichbare Sammelklage in Kalifornien eingereicht worden.

Die Schwierigkeiten mit dem neuen iPhone waren schon kurz nach dem Verkaufsstart in der vergangenen Woche bekannt geworden. Demnach verlieren manche Geräte teilweise oder sogar ganz den Kontakt zum Handynetz, wenn Nutzer versuchten, mit dem Gerät in der linken Hand zu telefonieren. Apple rechtfertigte sich, "das Halten jedes Mobiltelefons in der Hand hat die Konsequenz, dass die Leistung der Antenne abgeschwächt wird". Der Konzern riet seinen Kunden, die entsprechende Probleme feststellen, das Telefon "nicht von links unten" zu halten, denn die Nutzer dürften nicht das Seitenband mit der Hand abdecken. Dort im Aluminiumgehäuse sitzt im neuen iPhone die Antenne.

Die Kläger in den USA monierten, sie hätten "ein nicht normal nutzbares Gerät" gekauft. Dieses könnten sie aber nicht zurückgeben, da ihnen dann "deutliche" Vertragsstrafen drohten. Sie verklagten Apple deswegen unter anderem wegen "genereller Fahrlässigkeit", Fehlern bei Konzeption und Bau des Telefons, "betrügerischem Geschäftsgebaren" und "Betrug durch Verschleierung".

"Signalstärke wird falsch angegeben"

Apple hat am Freitag eingeräumt, dass sein neues iPhone unter Umständen einen stärkeren Empfang anzeigt, als tatsächlich gegeben. Der Konzern zeigte sich selbst verblüfft darüber, dass das Verfahren zur Anzeige des Empfangs "komplett falsch" sei.

Nach Ansicht des Herstellers ist eine solch starke Leistungsminderung aber übertrieben. "Die starke Abnahme des Empfangs kommt deshalb zustande, weil der angezeigte gute Empfang nie real war", teilt Apple mit. Zugleich wies der Hersteller darauf hin, dass er "hunderte E-Mails von Nutzern erhalten hat, die sagen, der Empfang mit dem iPhone 4 ist besser als mit dem Vorgängermodell 3GS."

Apple hatte zuvor auf dem Jobportal seiner Internetseite Antenneningenieure für das iPhone und den Tablet-PC iPad gesucht. Die Aufgabe für erfolgreiche Bewerber sei "die Empfangsleistung für drahtlose tragbare Geräte zu optimieren", schrieb der Konzern in dem Stellenangebot. Verlangt werden "ausgeprägtes Wissen über Empfangsleistung" und die "ausgeprägte Fähigkeit zur Problemlösung".

Wie Jobs' Mails zu einer Ware werden

Eine ausgeprägte Fähigkeit zur Problemlösung benötigt auch Apples PR-Abteilung, die versucht, den Imageschaden durch die Empfangsprobleme zu einzugrenzen. Und was Apple-Chef Steve Jobs gelegentlich per Mail verbreitet, könnte manchem Öffentlichkeitsarbeiter außerdem die Tränen in die Augen treiben. Seit einigen Monaten antwortet Jobs offenbar persönlich auf einige E-Mails von Kunden. Bei seinen Antworten benutzt der Apple-Chef nie mehr Worte als nötig: Auf eine Kundenanfrage, ob man das iPhone als Modem für das iPad benützen könne, schickte er ein schlichtes "No" zurück. (Der britische "Telegraph" hat die fünf knappsten Jobs-Antworten zusammengestellt.).

Nun ist es nicht besonders schwer, einen E-Mail-Absender zu fälschen, und die Tatsache, dass wirklich die echte E-Mail-Adresse eines Konzernchefs für jedermann erreichbar sein soll, mag zumindest verwundern. Allerdings hat sich die Apple-PR nie zur Echtheit der Mails ihres Chefs geäußert - bis jetzt. Anlass ist ein angeblicher E-Mail-Dialog zwischen Jobs und einem Käufer des iPhone 4 über die Empfangsprobleme des Smartphones. Das Technikblog "Boy Genius Report" (BGR) hatte am Donnerstag das Protokoll der Kommunikation "exklusiv" veröffentlicht. Darin beginnt der iPhone-Nutzer, dessen Name von der "BGR"-Redaktion in "Tom" geändert wurde, mit der Schilderung der technischen Störungen und kritisiert Apple für seinen Umgang mit dem Problem: "Apple kommt arrogant und unhöflich rüber", schreibt "Tom" unter anderem. Jobs Antwort: "Du steigerst Dich wegen ein paar Gerüchten in etwas hinein. Beruhig Dich." Es folgt eine Diskussion, ob die Empfangsprobleme nun am iPhone 4 liegen oder ob sich der Kunde schlicht an einem Ort mit schlechter Netzabdeckung befindet. Die Konversation endet so: "Geh in Rente, entspann Dich, kümmere Dich um die Familie. Es ist nur ein Telefon. Es ist das alles nicht wert." Dieser Satz stammt von Steve Jobs - so stand es zumindest zunächst bei BGR.

Schusseligkeit oder Absicht?

Während die Blogosphäre in helle Aufregung geriet und die angebliche Dokumentation Apple'scher Arroganz heiß diskutierte, korrigierte "Boy Genius Report" einen Fehler: Der "Geh in Rente"-Satz stamme doch nicht von Jobs, sondern sei ein sarkastischer Abschlusskommentar von "Tom" gewesen, hieß es. Als Beweis veröffentlichte "BGR" den kompletten Mail-Text inklusive des Headers, in dem verschiedene Übertragungsinformationen stehen - darunter auch "Toms" echter Name: Jason Burford.

Kurz darauf feuerte das Konkurrenzblog "Apple Insider" eine Breitseite in Richtung von "BGR" ab: Jason Burford sei bereits seit ein paar Tagen bei Technikjournalisten hausieren gegangen und habe sein E-Mail-Protokoll zum Verkauf angeboten, was der Apple-Blog aber abgelehnt habe. Zumindest indirekt fordert "Apple Insider" außerdem die Konkurrenz auf, den Kaufpreis zu nennen.

E-Mails von Steve Jobs scheinen inzwischen zu einem wertvollen Gut zu geworden zu sein. Technikblogs haben in den vergangenen Wochen immer wieder angebliche Antworten des Apple-Chefs veröffentlicht. Es scheint einen Markt zu geben. "Der Mann, der goldene Eier mailt", nennt "Apple Insider" Steve Jobs spöttisch.

Und dann, mitten hinein in das ganze Durcheinander, eine Nachricht von Apple: Steve Jobs habe keine der fraglichen Aussagen gemacht und keine der Mails geschrieben, die "BGR" veröffentlicht habe. Das schrieb Philip Elmer-DeWit in seinem Blog für das Wirtschaftsmagazin "Fortune" und berief sich dabei auf einen Unternehmenssprecher. Also alles nur eine Fälschung? Der Blog reagierte und veröffentlichte Screenshots von einem iPhone und einem PC, die die Echtheit des Mailverkehrs beweisen sollen. Aber natürlich könnte man auch von Fälschungen Screenshots machen.

Wie auch immer die Geschichte ausgeht - Apple sollte sich überlegen, ob nicht ein offizieller Kanal für Jobs' Nachrichten ans Apple-Fanvolk sinnvoll wäre. Auch in einem Firmenblog kann man ganz kurz angebunden sein.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Alle News, Infos und Hintergründe zu Apple"

Mit AFP, APN
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
volksverdummung (06.07.2010, 06:38 Uhr)
Iphone....Ipad
Technik von,mit und für Bescheuerte die gern viel Geld für sinnlosen Schwachsinn ausgeben .
Prestigeneurose Inbegriffen...
zivilcourage (05.07.2010, 14:03 Uhr)
Bertelsmann für Apple ...
... was in den Bertelsmann - Medien an Beweihräucherung für die Produkte dieser Firma stattfindet ist bedenklich - gekaufte Artikel in "seriöser" Darstellung versteckt ?

Verdummung ?

Scientology ?

... für mich eindeutig gekauft - Volksverdummung
nerventanz (03.07.2010, 15:05 Uhr)
@stern.de
So... jetzt ist die komplette News-Seite mit Apple-Hype-Zeug voll. Gibt es denn keine richtigen Nachrichten in der "Digital"-Sparte mehr?

Naja... mir bleibt immer noch die Wahl mich nach anderen Nachrichtenmagazinen umzusehen.
Ak_Teren (03.07.2010, 12:50 Uhr)
Wer unbedingt
dem neuesten Technik-Spielzeug hinterherhechelt (das ganz nebenbei nichts kann, was andere nicht auch können), der muss sich nicht wundern, wenn sein neuer epeen Kinderkrankheiten hat.
Bei Siemens nennt man sowas Bananenprodukte - reift beim Kunden.
Heinerich (03.07.2010, 11:19 Uhr)
Vielleicht muss man ja auch
bald einen Kopfstand machen wenn man mit einem I-Phone telefonieren will. :-)
marcelrot1 (03.07.2010, 10:19 Uhr)
Wurde auch Zeit!
Desaster für Apple. Mir gefällts.
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