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23. September 2008, 17:04 Uhr

Das Leiden mit der Leitung

Die Angebote für kombinierte DSL- und Telefon-Anschlüsse werden verlockender: Mit Preisen von unter 30 Euro im Monat für die Doppel-Flat jagen die neuen Anbieter dem Branchen-Riesen Telekom Festnetz-Kunden ab. Doch zunehmend klagen Wechsler über schlechten Kundenservice und mangelnde Qualität beim Telefonieren. Von Marcus Müller

Zoom

Telefonieren per Breitband gilt als Zukunftstechnologie - ist aber noch immer anfällig für Fehler© DDP

Martina Ege ist sauer. Richtig sauer. Ihre Leidensgeschichte begann Anfang Juni, als sie telefonisch die "Alice Fun Max Flatrate" bestellte. Am gleichen Abend bekam sie eine SMS mit der Bestätigung ihres Auftrags. "Da dachte ich echt, das ist ja ein Top-Kundenservice", sagt Ege. Sie hatte sich getäuscht. Denn nachdem sie den DSL- und Telefon-Router erhalten hatte, blieb der Anschluss wochenlang tot. Es folgten viele lange Anrufe bei der Service-Hotline, die immer wieder ein Ergebnis hatten: Die Leitung blieb stumm. Um dies zu beheben, fand Anbieter Alice heraus, dass sich ein Techniker die Angelegenheit einmal ansehen müsse.

Die Terminvereinbarung dafür geriet zu einem regelrechten Versteckspiel. Einmal legte ein Alice-Mitarbeiter einfach auf, so Ege, dann konnte angeblich kein Termin vereinbart werden, weil Ege nicht von zu Hause aus anrief. "Das hat dann schon seltsame Züge angenommen", sagt die 32-Jährige. Die Alice-Kundenbetreuung behauptet in einem Schreiben, dass Ege einen vorgeschlagenen Termin nicht habe wahrnehmen können und sich dann nicht für einen neuen gemeldet habe. Ege bestreitet das entschieden.

Noch an einer Problem-Lösung interessiert, schilderte Ege in einer E-Mail noch einmal genau ihre Schwierigkeiten. Als Antwort erhielt sie eine Mail mit der Frage zurück, ob die Probleme bei ein- oder ausgehenden Gesprächen bestünden. Bis dahin hatte der Telefonanschluss nicht eine Sekunde funktioniert. "Das war völliger Irrsinn", regt sich Ege auf. Irgendwann klappte es doch mit einem Termin, der Techniker brauchte fünf Minuten, um das Problem zu beheben, so Ege. Reibungslos funktionierte dann der Zahlungsverkehr - Alice buchte Gebühren ab, obwohl zunächst weder Telefon noch DSL-Anschluss funktioniert hatten.

Streit geht weiter

Inzwischen hat Alice Martina Ege mehrere Grundgebühr-Befreiungen zugesagt. Gegenüber stern.de betont Alice-Betreiber Hansenet, dass die Entstörung nach einem Komplettausfall so lange gedauert habe, sei ein Einzelfall. Um einen Ausgleich für ihre hohen Handy-Kosten bei den kostenpflichtigen Service-Hotlines will Martina noch weiter streiten.

Die Verbraucherzentralen kennen die Probleme mit den so genannten Breitband-Angeboten der Telekom-Konkurrenz schon lange. "Wir ertrinken in Leidensgeschichten", sagt Karin Thomas-Martin, Beraterin für Telekommunikation der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Seit 2006 habe sich dort die Zahl der Beschwerden verdreifacht. "Die Probleme mit der Breitband-Telefonie werden nur geschlagen durch Beschwerden über Internet-Abzocke", so Thomas-Martin.

Das bestätigt in der Tendenz auch Gabriele Emmrich, Referatsleiterin für Rechtsangelegenheiten der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Unter ihrer Federführung werten die Verbraucherzentralen gerade eine große Online-Umfrage aus, bei der die Nutzer ihre Erfahrungen mit den DSL-Angeboten schildern konnten. "Wir merken auch in den Beratungen deutlich, dass die Verbraucher Probleme haben", so Emmrich. Nach ihren Angaben betreffen die meisten Klagen lange Wartezeiten auf den neuen Anschluss, was meistens noch an der Telekom liege, die die so genannte letzte Meile zum Haus freigeben muss. Danach folgen dann überhaupt nicht funktionierende Leitungen beim neuen Anbieter, Probleme aus einem lange laufenden Vertrag wieder herauszukommen und schließlich Qualitätsprobleme.

Die Zunahme der Beschwerden ist kein Wunder. Der Markt für Breitband-Zugänge wächst in Deutschland nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom weiter, diese würden durch die zusätzlichen, günstigen Telefonangebote zunehmend attraktiv. Nach Angaben der Bundesnetzagentur, des für die Telekommunikation zuständigen Regulierers, gab es Ende 2007 etwa 20 Millionen Breitbandanschlüsse, von denen 3,9 Millionen auch für Voice over Internet Protocol (VoIP), also Internet-Telefonie genutzt wurden, und etwa 1,2 Millionen Kabelnetzzugänge, von denen rund 800.000 auch zum Telefonieren dienten.

Technik bereitet Probleme

Etliche Kunden wüssten gerade bei den Breitband-Anschlüssen nicht, was sie sich einhandelten, sagt Gabriele Emmrich. "Die Voice-over-IP-Technik kennen viele nicht und offenbar wird sie ihnen von den Anbietern auch nicht vermittelt", so Emmrich. Anders als bei analogen Telefonanschlüssen gibt es bei VoIP keine richtige einzelne Leitung mehr für das Plaudern. Vielmehr regelt der so genannte Router den Versand der Datenpakete für Telefon und das Surfen im Netz. Wenn sich aber beispielsweise der Router nicht ins Internet einwählen kann, funktioniert auch das Telefon nicht. Häufiges Problem ist die schlechte Sprachqualität.

"Wir hatten plötzlich ein Mordsrauschen in der Leitung", sagt Monika Süßmann aus Viernheim in der Nähe von Mannheim. Die 64-Jährige und ihr Mann entschieden sich im Mai für ein Breitband-Angebot von 1&1 mit einer Flatrate für DSL und Internet-Telefonie. Das Ehepaar wollte endlich schneller durchs Internet surfen. Doch dass es sich um eine VoIP-Leitung handelte, die möglicherweise eine schlechtere Qualität haben könnte, wurde ihnen nie erklärt. Die Süßmanns bemerkten das erst, als sich abgehackte Gespräche einstellten, das Faxgerät weder sendete oder empfing und die die ISDN-Anlage nicht mehr funktionierte. "Wir haben uns wirklich verschlechtert", sagt Monika Süßmann, "das war ja zehn, zwanzig Jahre zurück." Erst mit Hilfe der Verbraucherzentrale entließ 1&1 die Süßmanns aus dem 24-Monats-Vertrag. Sie wechselten zurück zur Telekom. 1&1 betont, dass die Störung eine Ausnahme gewesen und die Sprachqualität im Regelfall gut sei.

Missverständliche Angaben

stern.de hat - unterstützt von mehreren Verbraucherzentralen - noch andere Fälle gesammelt. Darunter sind fast schon altbekannte, missverständliche Angaben über die Bandbreite der DSL-Leitung. Der Anbieter O2 erklärte einem Kunden lapidar, dass die hallenden und knackenden VoIP-Telefonate durch eine "kontinuierliche Qualitätsverbesserung des VoIP-Services (Systemupdates)" gelöst werden sollten. Allerdings sei das "zeitnah" nicht möglich. Immerhin erließ O2 in diesem Fall mehrmals die Grundgebühr.

Bei Verbraucher-Zentralen-Beraterin Thomas-Martin liegen Beschwerden über praktisch alle Anbieter auf dem Tisch. Sie rät inzwischen zur Vorsicht bei den kräftig beworbenen Doppel-Flat-Angeboten: "Für fünf Euro Ersparnis lohnt es sich in den meisten Fällen nicht, den Anbieter zu verlassen, bei dem alles problemlos läuft. Vor allem, wenn ich mir ansehe, was ein Anbieterwechsel für Nerven und Zeit kosten kann."

Von Marcus Müller
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Maria1000 (24.09.2008, 19:36 Uhr)
@fischesser: "Sorgenfrei surfen mit der Tcom?" Sie Scherzkeks!
Sobald man bei Tcom den VERTRAG unterschrieben hat für die 2 Jahrem interessiert es diesen LAden wirklich meiner Erfahrung nach einen absoluten Dreck(!) ob alles läuft oder nicht! Falsche Auskünfte, Doppelberechnungen, wochenlang weder Teleon noch DSL funktioniert wegen falsch gelegter "Ader" oder so ähnlich, keinerlei Erstattung MEINER Unkosten für externe EDV-Fachleute, usw usw wusw. - und KEINER bei T-Online scheint Briefe/Mails in Deutsch VERSTEHEN oder auch nur lesen zu koennen! Anders kann ich mir die jedesmal nichtssagenden Blabla-Antworten, die NICHTS mit dem angesprochenen technischen Problem zu tun haben, nciht erklären! Nie wieder Tcom! So mies wie die kann nämlich kein ANDERER Provider je sein!
Maria1000 (24.09.2008, 19:33 Uhr)
oh, lauter TcomMitarbeiter mit neuen Forennamen wieder am Schreiben...
ZITAT "...Die Telekom ist im Moment tatsächlich der einzige, der ohne große Probleme arbeitet, auch wenn die etwas teurer sind..."
----
Wenn ich diesen Satz jetzt 10 Bekannten von mir schicken würde, alles Noch-Tcomkunden zwangsweise, würden dich sich vor LACHEN auf dem Boden wälzen! Tatsache!
Maria1000 (24.09.2008, 19:30 Uhr)
Soll das ein WErbeartikel für Telekom sein? Bei Tcom
bzw. T-Online bricht sogar die DSL - Leitung bei mir seit Jahren zusammen und der Kundenservice dort ist ein WITZ! Bei hundert Anrufen und Mails wurde nichts ausser sinnlose Sätze von sich gegeben und das technische Problem bis heute nicht gelöst! Bei mir bricht täglich(!!!) die Internetverbindung von T-Online/Telekom rund 3-20x völlig zusammen und ich muss erst den WLAN-Router ausstöpselmn und gleich wieder einstöpseln, dann gehts wieder....wie gesagt, die Telekom hat keienrlei LÖSUNG dafür sei tJahren! Dazu kommen noch rund ein Dutzend andere Fehlfunktionen wie mehrfach täglich Klingeln ohne dass jemand dran ist usw.
cklasseking01 (24.09.2008, 00:24 Uhr)
Kenn ich
Ich arbeite in ähnlicher Branche, kenne aber viele Verläufer in der Richtung.
Dort habe ich schon oft von schlechter Hotline und Problemen mitbekommen, die natürlich kein Endkunde bei der Beratung mitbekommt! Die Telekom ist im Moment tatsächlich der einzige, der ohne große Probleme arbeitet, auch wenn die etwas teurer sind. Da diese aber vorhaben, viele von der Hotline zu kündigen, könnte dieser Vorteil (vor allem die kostenlose Hotline) bald beendet sein. Der Konkurrenzdruck ist eben so groß, daß jeder die Unkosten so gering wie möglich hält, auch auf Kosten der Unzufriedenheit der Kunden:-(
fischesser (23.09.2008, 21:43 Uhr)
Zustimmung
Ich kann dem Bericht vom Stern nur zustimmen. Viele Jahre war ich bei einem der im Artikel genannten Anbieter, es war das Chaos pur!!! Die Einsparung stand in keinem Verhältnis zum Ärger, den ich hatte.
Nun bin ich nach langem Hin und Her wieder bei der Telekom und es läuft alles bestens. Und wenn mal ein Problem sein sollte, dann rufe ich die kostenlose Hotline an (viele Anbieter berechnen sogar horrente Kosten für emails und Anrufe).
Ich bin kein Mitarbeiter oder sonst irgend etwas bei der Telekom!
Ich kann trotzdem jedem nur empfehlen, lieber etwas mehr zu bezahlen, aber dafür sorgenfrei surfen und telefonieren zu können.
"Das Ersparte frisst sich auf".
Warum denn zum Schmidtchen gehen, wenn man doch gleich zum Schmidt gehen kann?!
jedifreund82 (23.09.2008, 21:30 Uhr)
Das kenn ich
Vor etwa einem halben Jahr (wir sind schon länger Kunden bei 1&1) bekamen wir einen freundlichen Anruf mit dem Angebot für die Doppelflat, dazu wäre (endlich) eine höhere Bandbreite verfügbar. Hoch erfreut habe ich 1&1 dann den Auftrag erteilt unseren Anschluss bei der Telekom zu kündigen und die Doppelflat samt höherer Bandbreite einzurichten. Ein paar Tage später kam dann die schriftliche Mitteilung das nach wie vor nur DSL 1000 bei uns verfügbar sei und deswegen nichts geändert wird. Nun gut, ein wenig geärgert, aber es hat sich ja nichts zum negativen verändert. Dann, vor ca. zwei Wochen kam erneut ein Anruf, gleiches Angebot, sogar diesen Homeserver sollten wir dazu bekommen. Ich habe die Dame am Telefon mehrmals, sicherlich 5 mal, gefragt ob auch wirklich die höhere Bandbreite verfügbar sei - 6000 und sogar bis zu 16000 - und sie bejahte es entschieden. Gleiches Spiel wie vor einem halben Jahr, zwei Tage später kam der Brief mit der Mitteilung das ... nun, das kannten wir ja schon. Allmählich hab ich von 1&1 die Schnauze voll und werde sobald der Vertrag ausläuft wieder zur Telekom gehen ... da weiß man wenigstens woran man ist. Ist doch die blanke Verarsche wenn solche - vermutlich - provisionsgeilen Herrschaften versuchen trotz Unkenntnis oder schlicht Ignoranz den Kunden etwas aufzuschwatzen obwohl es technisch nicht möglich ist. Saftladen.
chrgue (23.09.2008, 18:30 Uhr)
Es blickt sowieso keiner mehr durch
Vor lauter hochtrabendenden - englischen - Termini blickt kein Mensch mehr durch, und das ist durchaus gewollt.
cocowesten (23.09.2008, 18:18 Uhr)
Glück
Da hab ich Glück gehabt. Seit über einem Jahr bin ich beim gleichen Anbieter und hatte und habe überhaupt keine Probleme mit selbigem. Eine zeitlang schien die Leitung nicht besonders stabil zu sein. Ich hab bei meiner telefonischen Beschwerde glücklicherweise einen höflichen Ton angeschlagen, denn ich mußte feststellen, das lediglich die Telefonbuchse der Telekom ihre beste Zeit hinter sich hatte. Trotzdem kam von meinem Anbieter eine schriftliche Entschuldigung für meine Unannehmlichkeiten(Formbrief, aber immerhin!)Da hab ich vielleicht gestaunt, das kannte ich von der Telekom so nicht!
kralli19 (23.09.2008, 18:01 Uhr)
Blödsinn
Es ist völlig egal, bei welchem Anbieter, ist man erst mal Bestandskunde, hat man die Arschkarte. Dann kann man nur hoffen, das technisch und Abbuchungstechnisch alles klappt, wehe es passiert was.
Bin selber bei Arcor, Rechnung wird regelmäßig abgebucht und technisch kann ich mich auch nicht beschweren. Bis auf das eine mal, wo es tatsächlich ein Problem gab, dort war man lange anscheinend nicht in der Lage, einen in "Normal-Deutsch" abgefassten Brief zu verstehen bzw. ihn adäquat zu beantworten, bis letztenendes nur noch ein Anwalt half.
Auch Ewetel bzw. Nord-Com, da ist das Bild als Bestandskunde noch viel trauriger. Technik-Hotline, die mit Microsofts Dr. Watson Hilfestellung gibt, von den unregelmäßigen Abbuchungen ganz zu schweigen, dann noch nicht nachvollziehbare Buchführung usw.
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