Apple hat inzwischen die dritte Version des iPhones im Handel und dem Gerät ein paar neue Funktionen spendiert. Außerdem ist beim iPhone 3GS auch das neue Betriebssystem 3.0 an Bord. Was kann das neue Apple-Handy und was fehlt noch? Von Gerd Blank

Mit dem neuen iPhone lässt sich jetzt auch Querschreiben© Apple
Das iPhone ist nicht nur ein Telefon. Es ist Vorbild für eine komplett neue Gerätegeneration. Und dafür, dass es bei den Handys mehr auf Software, denn auf Hardware ankommt. Oder besser, auf eine ständige Evolution in der Hosentasche. Fast gleichzeitig mit iPhone 3GS steht auch Version 3.0 des Handybetriebssystems zur Verfügung. Rechnet man auch den erfolgreichen iPod Touch als mögliche Abspielstation der Software hinzu, werden derzeit weit über 40 Millionen Geräte genutzt. Kein Wunder, dass die Apple-Server in die Knie gingen und nicht jeder Update-Willige sofort die Möglichkeit zur Installtation bekam.
Der Grund für den Run auf das Update ist klar, für die meisten iPhone-Nutzer waren die umfangreichen Funktionen das ausschlaggebende Kaufargument, und die neue Version soll die Möglichkeiten noch erweitern.
Was bringt die neue Version des Betriebssystems und profitieren auch Besitzer eines der beiden Vorgängermodelle vom Update? stern.de hat sich das iPhone 3GS und das System OS 3.0 einmal genauer angeschaut.
Äußerlich hat sich das iPhone 3GS zum direkten Vorgänger-Modell nicht verändert. Das "S" steht für Speed, also Geschwindigkeit - und die findet im Inneren des Geräts statt. In der Tat wurden die Innereien des Apple-Handys in vielen Details verbessert. Neben einem schnelleren Prozessor und einem besseren Akku, bekam das iPhone auch einen digitalen Kompass und eine deutlich bessere Digitalkamera spendiert. Der neue Kamerachip kann jetzt Bilder mit bis zu drei Megapixel aufnehmen, selbst Makroaufnahmen sind damit möglich. Zwar nutzt Apple das Feature bislang noch für keine eigene Applikation, allerdings sind Anwendungen wie Barcode- oder Visitenkarten-Scanner dadurch möglich. Durch den schnelleren Prozessor und der besseren Linse, lässt sich das iPhone 3GS inzwischen auch als Videokamera benutzen, allerdings zeichnet das Gerät lediglich in VGA-Qualität auf. Auch ein Zoom fehlt der Anwendung. Die neuen Funktionen werden durch eine Spracherkennung abgerundet, die beim Wählen von Telefonnummern und bei der Musiksteuerung eingesetzt wird.
Die Updates sind zwar klein, aber wirkungsvoll. Die Verbesserung der Kamera war ein Muss, der Kompass eine nette Dreingabe. Künftig lässt sich das iPhone auch als Navigationsgerät nutzen. Auch das Mehr an Geschwindigkeit ist herzlich willkommen. So starten Anwendungen schneller und auch das Surfen geht flotter von der Hand. Wer allerdings bereits das Vorgänger-Modell besitzt, muss nicht unbedingt mit den Hufen scharen. Ein Update während der Vertragslaufzeit auf das neuere Modell ist teuer: T-Mobile verlangt bei einer vorzeitigen Verlängerung des Vertrages 25 Euro für jeden Monat der Restlaufzeit - die zudem maximal zwölf Monate dauern darf. So werden bis zu 300 Euro bei einer Verlängerung fällig. Neukunden, die schon länger mit einem iPhone geliebäugelt haben, können nun aber zugreifen, da Apple endlich die größten Schwachstellen beseitigt hat. Mit der neuen Kamera kann das iPhone endlich auch mit dieser Funktion mit den Geräten anderer Hersteller konkurrieren.
Das neue System bringt viele Detailverbesserungen, aber auch einige komplett neue Features mit. Am offensichtlichsten ist das neue Symbol mit dem Mikrofon auf dem Startbildschirm. Künftig lässt sich das iPhone als Aufnahmegerät nutzen. Neu ist auch die lange vermisste MMS-Funktion, mit der sich Bilder, Ton, sowie Videodateien per Kurznachricht verschicken lassen.
Viele Nutzer bemängelten, dass sie Ihr iPhone nicht als externes Modem nutzen konnten. Auch hier hat Apple nachgebessert. Mit dem so genannten Tethering kann ein per USB oder Bluetooth verbundener Computer im Internet surfen. Allerdings steht diese Funktion zum Release der neuen Software in Deutschland noch nicht zur Verfügung, da sich T-Mobile, noch eine Gebührenmodell für diesen praktischen Service überlegt.
Dem integriertem iPod, laut einer Umfrag das meistgenutzte iPhone-Feature, wurde neben der Spracherkennung im neuen Modell auch eine Schüttelfunktion spendiert, die in allen Modellen funktioniert. In der Zufallswiedergabe gelangt man durch Schütteln des iPhones zum nächsten Song. Außerdem lassen sich jetzt auch von unterwegs aus TV-Folgen und Filme kaufen.
Künftig lassen sich Inhalte durch eine übergeordnete Suchfunktion schneller finden. Beim Druck auf den Home-Button erscheint ein Suchfeld, hierüber lassen sich Anwendungen und Nachrichten aufspüren. Apropos Nachrichten: Ebenfalls neu ist ein Push-Service, welcher über Änderungen in Applikationen informiert kann. Bei Spielen lässt sich diese Funktion beispielsweise dazu nutzen, um über einen neuen Highscore oder Updates zu informieren. Und will man selbst eine Kurznachricht oder E-Mail verschicken, lässt sich jetzt auch im Querformat, dem so genannten Landscape-Mode, tippen.
Sollte es einmal vorkommen, dass das iPhone nicht auffindbar ist, lässt es sich über den Apple-Dienst Mobile Me wieder aufspüren. Dieser Dienst kostet weiterhin 79 Euro pro Jahr. Über die Website lässt sich der Standort des Geräts anzeigen und bei Bedarf sogar eine Nachricht an den Finder des Geräts schicken. Gibt es keinen Finder oder ist er nicht ehrlich, lässt sich das iPhone aus der Ferne komplett löschen.
Das Update bringt viele Detailverbesserungen mit sich, was in einigen Fällen auch bitternötig war. Es verwundert, dass Apple so lange mit einer Kopierfunktion und dem MMS-Feature gewartet hatte. Nun kann das iPhone all das, was Handys anderer Hersteller schon lange konnten. Aber darüber hinaus zeigt sich, wie sehr das iPhone einem Computer ähnelt. Durch ein Update werden nicht nur Fehler beseitigt, sondern neue Funktionen hinzugefügt. Das Update ist kostenlos und sollte von allen iPhone-Besitzern installiert werden. Damit man in den Genuss von OS 3.0 kommt, braucht man auch die aktuellste Version von iTunes auf seinem Rechner. Auch Besitzer eines iPod Touch können die neue Version des Betriebssystems laden, allerdings müssen sie dafür 7,99 Euro berappen.