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10. Juni 2008, 12:46 Uhr

Mit Masse an die Macht

Künftig verramscht Apple das überarbeitete iPhone und bringt das vermeintliche Wundertelefon weltweit heraus. Doch während das Hardware-Update nur die Erwartungen bestätigte, vollbrachte Steve Jobs mit Software und Dienstleistungen ein wirkliches Wunder. Von Gerd Blank

Apple-Chef Steve Jobs stellte auf einer Entwicklerkonferenz in San Francisco das neue iPhone vor© DPA

Wenn Steve Jobs spricht, schweigen die Jünger. Aber hören sie ihm auch zu? Auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) in San Francisco wartete die Gemeinde ungeduldig auf das Heilsversprechen ihres Technik-Gottes. Alle wollten das neue iPhone, liebevoll auch "Jesus-Phone" genannt, sehen. Doch Saint Steve ließ sich viel Zeit. Die erste Stunde der jährlichen Veranstaltung galt der Präsentation neuer iPhone-Services: Ein paar kostenlose Programme, mit denen Freude gefunden und altes Zeug bei Ebay versteigert werden können. Interessanter waren da schon die Spiele, die aus dem Telefon einen starken Konkurrenten zu Nintendo DS und zur Playstation Portable machen. Künftig können Nutzer mit dem "Appstore" Software direkt aufs Telefon laden – eine Verbindung zum Computer braucht es nicht, und Datenträger sind ebenfalls unnötig.

Aber nicht nur die Spieler werden künftig von Apple umgarnt. Der Blick des Visionärs Jobs zielt auch, ganz klar, auf die Business-Klientel. Schließlich sollen Geschäftsleute künftig mit dem iPhone und nicht mehr mit dem Blackberry im ständigen Kontakt mit Kunden und Kollegen stehen. So wird mit der nächsten Software-Version auch das geschäftliche E-Mailen zum Kinderspiel. Natürlich lassen sich dann auch Word-Dokumente, Excel-Tabellen und Powerpoint-Präsentationen auf dem großzügigen Display anschauen.

Mächtige Konkurrenten

Und weil zwei neue Spielfelder noch nicht genug sind, legt sich Apple auch mit Google, Nokia, Microsoft und Yahoo an. Der neue Service "Mobile Me" bringt Handy, Internet und Computer zusammen. Für Apple-Kunden ist es künftig egal, von welchem Gerät eine E-Mail verschickt, der Kalender bearbeitet oder ein Foto hochgeladen wird: Der Dienst aktualisiert automatisch die Daten auf allen Geräten. Das virtuelle Büro ist so tatsächlich immer dabei und auf dem aktuellen Stand. Der Clou: Wer die Anwendungen mit einem Browser aufruft, wird kaum einen Unterschied zu einer installierten Software erkennen. Es wird klar, warum das Unternehmen unbedingt eine Windows-Version des Safari-Browser veröffentlich hat. Nicht, um dem Internet Explorer Konkurrenz, sondern um die webbasierten Dienste auch Windows-Nutzern schmackhafter zu machen.

Wieder einmal schafft es Apple, komplizierte Technik wie aus einem Guss zu präsentieren. Bereits bei "iLife", dem Multimediapaket mit Foto-, Video- und Musiksoftware, wurden verschiedene Programme miteinander verschmolzen, um die Nutzung bestmöglich zu vereinfachen. Google bietet zwar ähnliche Dienste an, diese sind allerdings werbefinanziert und lassen sich auch nicht so bequem mit jeder Hardware ansteuern. Und Microsoft ist zwar bei zu installierenden Office-Lösungen noch immer der Marktführer, doch im Internet hinkt das Unternehmen der Konkurrenz hinterher. Doch ganz umsonst ist dieser neuen Apple-Service nicht: Nutzer zahlen hierfür 79 Euro im Jahr.

Wiederholung eines Erfolges

Schon mit der Verbindung des Musikspielers iPod mit dem iTunes Music Store hat das kalifornische Unternehmen gezeigt, wie man in einem Segment der Marktführer werden kann. Kein Onlineshop verkauft inzwischen mehr Songs als der von Apple. In den USA ist der Shop sogar erfolgreicher als Walmart, bis vor Kurzem noch größter Musikhändler des Landes. Diese Erfolgsgeschichte soll nun mit Software und Diensten wiederholt werden – und die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Geschäftspartner ist diesmal nicht die schwierige Musikindustrie, die sich ungern an nur einen Konzern binden will, sondern Softwareproduzenten, die in Apple-Kunden neue Einnahmequellen sehen. So entwickeln große und kleine Unternehmen, aber auch Einzelpersonen fleißig Software, die über die neue Plattform an alle iPhone- und iPod-Touch-Nutzer verkauft wird. Und diesen Service lässt sich Apple mit 30 Prozent des Verkaufspreises versilbern.

Aber für diese ganzen Dienste braucht das Unternehmen iPhone-Kunden. Bislang verkaufte sich das Gerät rund sechs Millionen Mal. Nicht schlecht, aber von den avisierten zehn Millionen noch ein ganzes Stück entfernt. Zudem sind mindestens eine Million Nutzer mit gehackten Geräten unterwegs, wodurch auch weniger von der hart verhandelten Umsatzbeteilung bei Steve Jobs hängen bleibt. Auch wenn das iPhone für viele wohl das einzige technische Gerät ist, dessen Namen sie kennen, reicht dieses Wissen oft nicht für einen Kauf. Um mehr Käufer zu gewinnen, musste Apple den Preis reduzieren, und zwar deutlich. Ab 199 Dollar ist das überarbeitete Gerät jetzt zu haben. Und auch dieser Preis könnte noch weiter fallen, da Provider das iPhone nun auch subventionieren dürfen. Und um das Gerät noch attraktiver für die Masse zu machen, wurden noch ein paar Hardware-Verbesserungen verbaut.

Zwei Drittel der Veranstaltung ging für die Vorstellung der neuen Services drauf, erst zum Ende wurde die neue Hardware präsentiert, die aber eigentlich kaum überraschte. UMTS für schnellere Funkverbindungen hatte Jobs ja bereits angekündigt, und selbst GPS zur Navigation war zu erwarten. Es wird deutlich: Die Zukunft gehört auch bei Apple nicht der Hardware, sondern den Services. Und auf eines kann Steve Jobs halt zählen: auf treue Kunden, die, einmal an Bord, irgendwann tatsächlich glauben, er könnte Wein aus Wasser zaubern. Tatsächlich schafft er etwas, was bislang einzigartig in der Computer-Industrie ist: die Etablierung von kostenpflichtigen Mobil-Diensten.

Von Gerd Blank
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Dylan1941 (12.06.2008, 09:33 Uhr)
Apple und Innovation ?
Was ist hier innovativ ? Die nicht marktüblichen Vertriebsmethoden, die Services die jegliche Überwachung erleichtern, das einsenden des Geräts für einen Akkutausch,die GPS Antenne,die Option EBay mobil online zu nutzen,die Option das Drittanbieter endlich Programme anbieten können ? Das können andere Hersteller schon lange und wahrscheinlich besser. Innovation heißt für mich auch Eigenentwicklung und nicht abkupfern.Das hat Jobs bei ITunes und IPod durchgezogen. Wäre er ein Chinese würden alle aufschreien aber die hirnlosen Jünger verneigen sich noch vor diesem Apple Gott.Steve wann kommen mal wieder Innovationen von Dir, abkupfern und verbessern ist doch eher das DIng der Japaner.
Laberschlumpf (11.06.2008, 11:34 Uhr)
naja
aber faustjucken, wenn dich der ganze zinnober nicht interessiert - wieso hast du dann diesen artikel aufgerufen? ignorier doch einfach die meldungen, die nicht nicht hören oder lesen willst. so, wie du es bereits mit der meinung anderer machst...
faustjucken_de (11.06.2008, 11:29 Uhr)
Apple bringt jetzt den (i)Pups
und alle Welt berichtet darüber...
Was soll das? Wer unbedingt Testberichte über Apple-Handys haben will, der soll sich connect kaufen.
Das nervt nur. Ständig diese "Ich-uerst-Berichte" in allen Medien, sobald Schmier-Steven wieder ein Produkt ablässt.
Prima Schleichwerbung, aber unbezahlt.
Crossbow (11.06.2008, 08:00 Uhr)
Nö, da warte ich doch lieber...
...auf die Android-Handys. Mehr Auswahl, mehr Software, ganz ähnliche Features und meinen Provider kann ich auch behalten und den Akku wird man auch tauschen können. Mein Selbstwertgefühl hängt jedenfalls nicht am Appel-Logo.
acitapple (10.06.2008, 22:37 Uhr)
kamera ?
warum sind nur alle so geil auf eine 85-megapixel-kamera im handy ? bei dieser winzigen linse sind die mp schon fast egal. tut euch doch einen gefallen und kauft euch eine anständige canon eos oder sowas. dann seid ihr nicht mehr auf die kamera im handy angewiesen.
abgesehen davon genügen 2mp doch. mein w810i mußte auch mal notgedrungen herhalten als ersatz. für ne handykamera fand ich die bilder ganz akzeptabel.
bigcpoint (10.06.2008, 20:56 Uhr)
Zu spät
Was nutzt mir der tollste Multimediacomputer, wenn ich mir nach neuesten deutschem Recht nicht einmal meine eigene Filme in ein abspielfähiges Format konvertieren darf ?!
Toll, daß sich jetzt alle meine privaten Daten automatisch über irgendwelche Server synchronisieren.
Da braucht Schäuble gar nicht mehr bei mir zuhause suchen.
Wer die Telekom überwacht, weiß die Nation ja nun inzwischen.
Wer überwacht eigentlich meine Privatsphäre bei Apple ? Noch dazu, wo die Server in den USA stehen.
Das iphone und mobile.me, Technik aus der Zukunft, die man sich in der Vergangenheit gewünscht hätte, wo die Gedanken noch freier waren.
music-anderson (10.06.2008, 20:44 Uhr)
ben25tr
Sind andere Handys alle aus Metall ?
Die Technik, und die Software sind entscheidend für das iPhone.
Vielleicht solltest du dich einmal erkundigen, was am iPhone wirklich alles neu ist.
P.S
Was heisst für dich bessere Kamera ? Das entscheidende einer Kamera, ist immer die Linse, und nicht die Pixel Auflösung wie viele meinen. Erkundige dich einmal in einem vernünftigen Fotoladen.
screne (10.06.2008, 20:07 Uhr)
screne
Steve Jobs ist Apple und Apple ist Steve Jobs!
Verehrt ihn, gebt ihm Euer Geld! Sofort!
ben25tr (10.06.2008, 19:00 Uhr)
Hardewareforderungen erfüllt?
Also meiner Meinung nach sind die Hardewareforderungen nicht erfüllt worden,keine bessere Kamera, immer noch keine Videofunktion,keine Kamera für Videotelefonie, kein größerer Speicher, Akku immer noch nicht austauschbar.
Ich frag mich warum mann das neue Iphone kaufen soll, außer dem verbilligten Preis und die angeblich längere Ausdauer hat sich nichts verbessert( Software 2.0 gibts auch fürs 1.Phone) Gps ist vielleicht eine nette Zustazfunktion aber wirklich nötig? und umts find ich auch schachsinn kostet nur geld unterwegs.
zu surfen, dann lieber wlan benützen wenns vorhanden ist wie bsp in Cafes etc.Das Material hat sich sogar verschlechtert indem es jetzt Plastik anstatt Metal ist. Ich finde man sollte mal etwas kritischer mit dem Tema umgehen und nicht alles in den Himmel loben, dies geht vorallem an die Journalisten
music-anderson (10.06.2008, 14:34 Uhr)
Steve Jobs Krank ? Krebs ?
So wie viele beobachten konnten, ist Steve Jobs sehr dünn geworden.
Hat er den Krebs doch nicht besiegen können ?
Was macht Apple ohne Steve Jobs ?
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