Simsen als Spiel

14. Juli 2011, 12:58 Uhr

Die Deutschen lieben die SMS und verschicken jedes Jahr mehr als 41 Milliarden Kurznachrichten. Mit Pinger kommt ein weiteres Angebot nach Deutschland, das die SMS-Sucht kostenlos befriedigt. Das Besondere: Das Ganze ist auch ein Spiel.

SMS, Pinger, Short Message Service,

Pingers Logo - bald auch in Deutschland©

SMS-Junkies aufgepasst: Im August kommt der kostenlose Kurznachrichten-Dienst Pinger nach Deutschland. Später soll ein Angebot für Internet-Telefonie folgen. Ungewöhnlich: Das US-Unternehmen verknüpft das Senden und Empfangen von SMS mit spielerischen Elementen.

Pinger funktioniert zurzeit als App für iPhone, iPad, Android-Smartphones, im Web – und mit dem iPod Touch. Dadurch erhält der Musikspieler, der über keinerlei Telefonfunktionen verfügt, zumindest im Wlan die Fähigkeit, Nachrichten zu verschicken. Der Nutzer bekommt eine eigene Pinger-Telefonnummer.

In den USA arbeitet der 2005 gegründete Konzern eigenen Angaben zufolge mit seinem Kostenlos-Angebot seit zwei Jahren profitabel. Mehr als 1,6 Milliarden Nachrichten werden demnach pro Monat in den USA über Pinger versendet, Tendenz steigend. Das Unternehmen verdient sein Geld mit Werbeanzeigen.

Unterschiede zwischen USA und Europa

In Europa ist die SMS-Situation allerdings anders als in den USA, wo Sender und Empfänger für jede Textnachricht einen Anteil zahlen. Beim normalen SMS-Verkehr in Europa hingegen zahlt nur der Absender, der Empfänger zahlt nichts. Allerdings muss der Mobilfunkanbieter des Empfängers dem Anbieter auf Senderseite ein paar Eurocent zahlen. Für Pinger bedeutet das: Wenn die Nutzer mehr Nachrichten empfangen als senden, müsste die Firma, die als Mobilfunkanbieter agiert, den anderen Handynetzbetreibern viel Geld zahlen.

Das US-Unternehmen umgeht in Europa die SMS-Kosten, indem es einen Weg gefunden hat, wie sich die Gebühren für Nachrichten neutralisieren. Aus diesem Modell hat Pinger sein Spiel gemacht. Ziel der Teilnehmer ist es, genau so viele SMS zu empfangen wie sie versenden. "Wenn eine Million Nachrichten rausgehen und eine Million Nachrichten kommen rein, dann schuldet am Ende keiner dem anderen etwas", erklärt Pinger-Mitgründer Joe Sipher.

Der Pinger-Nutzer bekommt das Verhältnis von gesendeten und empfangenen Nachrichten als Prozentzahl angezeigt. Bei 100 Prozent ist es ausgeglichen. Verschickt man eine Nachricht, geht die Zahl runter, beim Empfang einer SMS steigt sie. Bei Null ist Schluss mit Verschicken. Um das zu verhindern, fordert die Pinger-App den Nutzer rechtzeitig auf, seine Freunde in sozialen Netzwerken aufzurufen, ihm doch bitte SMS zu schicken, um sein Konto wieder aufzufüllen. Das Prinzip, über Facebook andere Spieler ins Boot zu holen, hat sich Pinger von Facebook-Games wie "Mafia Wars" und "Farmville" abgeschaut, wie Firmen-Mitgründer Greg Woock dem IT-Blog "TechCrunch" erzählte.

Deutschland, SMS-Land

Pingers Expansion nach Europa beginnt im August in Deutschland. Hierzulande ist die SMS auch nach fast 20 Jahren immer noch eine Erfolgsgeschichte: Im vergangenen Jahr wurde mit 41,3 Milliarden verschickten SMS zum vierten Mal in Folge ein neuer Rekord aufgestellt. Die SMS gilt als Goldgrube für die Mobilfunkbetreiber, die gemessen an der geringen Datenmenge von 160 Buchstaben sind Preise von bis zu 29 Cent pro SMS extrem hoch.

Pinger ist nicht das erste Unternehmen, das einen kostenlosen Nachrichtendienst für mobile Geräte anbietet. Ebenfalls sehr erfolgreich – und ganz ohne spielerische Elemente – ist zum Beispiel WhatsApp für iPhone, Android, Blackberry und Nokia. Und Apples iOS 5 bringt die ähnliche Funktion iMessage mit.

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