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28. Februar 2004, 16:37 Uhr

Nie war es leichter Telefonate abzuhören

Telefongespräche im Festnetz oder mit einem Mobiltelefon können technisch gesehen relativ leicht abgehört werden, solange sie nicht aufwändig verschlüsselt werden.

Jugendliche dürfte die Sicherheitslücke nicht stören, Geschäftskunden und Politiker schon eher© Hermann J. Knippertz/AP

Telefongespräche im Festnetz oder mit einem Mobiltelefon können technisch gesehen relativ leicht abgehört werden, solange sie nicht aufwändig verschlüsselt werden. Die meisten Schaltanlagen in Telekomunternehmen rund um den Globus sind mit so genannten LI-Schnittstellen (LI = "Lawful Interception", rechtmäßiges Abhören) ausgestattet. Darauf können Behörden und Geheimdienste nach den jeweils rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen zugreifen. "Auf diesem Weg können sogar mehrere Dienste gleichzeitig mitlauschen, ohne dass sie sehen, wer sonst noch auf der Leitung sitzt", sagte Andy Müller-Maguhn, Sprecher des Chaos Computer Clubs und Mitinhaber einer Firma für Verschlüsselungstelefone.

Beim Abhören im Festnetz kommen seltener "Wanzen" zum Einsatz, da diese nur bei bestimmten Geräten oder Räumen greifen. Effektiver ist das Anzapfen von Glasfaserleitungen oder Multiplexanschlüssen, um dann Telefonate anhand der Anschlusskennung oder bestimmter Sprachmerkmale herauszufiltern. Ähnlich verfahren Geheimdienste auch beim Abhören von Satellitenverbindungen.

Normales Handy bietet keinen Schutz

Bei Telefonaten mit einem üblichen Handy nutzen Abhörer eine Schwachstelle der technische Abläufe im Mobilfunksystem GSM (Globales System für Mobile Kommunikation). So kann das Funknetz ein Mobiltelefon anhand der "International Mobile Subscriber Identity" (IMSI) zweifelsfrei erkennen und in das Netz einbuchen. Das Handy ist jedoch nicht in der Lage, die Echtheit einer Funkzelle zu verifizieren. Geheimdienste und andere benutzen deshalb so genannte IMSI-Catcher, die in der Regel aus einem Laptop und einer Funkantenne bestehen. Sie klemmen sich zwischen das Handy und das eigentliche Mobilfunknetz. Dem "gefangenen" Mobiltelefon wird eine eine echte Funkzelle vorgegaukelt.

Ein IMSI-Catcher muss sich allerdings immer in der Nähe der abzuhörenden Person befinden. Wenn größere Bereiche wie beispielsweise das UN-Quartier in New York bespitzelt werden sollen, würden Lauscher vermutlich die Verbindungen zwischen umliegenden Mobilfunkstationen angreifen oder die LI-Schnittstelle anzapfen.

 
 
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