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21. November 2009, 14:59 Uhr

Billig-Navis verursachen Turbulenzen

Der Markt für Navigationsgeräte ist in Bewegung: Nicht nur Google will mit einem kostenlosen Angebot bald mitmischen - auch kleine Anbieter setzen mit billigen Navis für Handys die traditionellen Hersteller unter Druck. Was teilweise zu offenen Feindschaften führt.

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Billiganbieter wie Skobbler mischen den Markt auf© Skobbler

In der Navigationsgeräte-Branche liegen die Nerven blank. Die etablierten Hersteller mit ihrem jahrelang boomenden Geschäft bekommen immer mehr Konkurrenz. Zuletzt hatte der Suchmaschinenspezialist Google die Aktienkurse der Platzhirsche in den Keller geschickt - mit der Ankündigung, eine komplette Navi-Lösung kostenlos anzubieten. Nun sorgen auch weitere Anwendungen für wenige Euro für Unruhe.

Nach steilen Zuwächsen in den vergangenen Jahren dürfte der Absatz 2009 erstmals um ein Prozent auf 4,2 Millionen verkaufte Navigationsgeräte sinken. Handy-Lösungen liefen den klassischen Geräten den Rang ab, stellte der IT-Branchenverband Bitkom fest. Die etablierten Hersteller wie Navigon oder TomTom versuchen, mit eigenen Handy-Angeboten auf den Trend aufzuspringen. Doch ihre teuren Produkte treffen auf neue Wettbewerber.

"Der Markt mit Navi-Software scheint sich völlig anders zu entwickeln als ursprünglich gedacht", sagt Marcus Thielking, Geschäftsführer des Start-ups Skobbler. Seit der iPhone-Hersteller Apple seinen App Store vor einiger Zeit auch für Navigationssoftware geöffnet hat, ist auch die junge Berliner Firma mit einer abgespeckten Navi-Software für wenige Euro dabei ­ und hängte dort sofort die Großen ab.

Während die mobilen Lösungen der führenden Anbieter für Apples iPhone rund 50 bis 100 Euro kosten, bot Skobbler seinen Wegweiser mit 2-D-Ansicht den iPhone-Nutzern in Deutschland zunächst für knapp vier Euro an. Trotz des großen Preisunterschieds wurde die Software in wenigen Tagen zur umsatzstärksten Anwendung auf der Hitliste des App Store. Auch heute noch ist sie die meistverkaufte Navi-Lösung unter den kleinen Hilfsprogrammen vor den Marktführern.

Wie reagieren die Großen?

Der Durchmarsch der Skobbler-Anwendung könnten Navigon und andere Hersteller wie TomTom in den eigenen Kassen kräftig zu spüren bekommen. Navigon gibt sich aber dennoch gelassen: Skobbler sei eine ganz andere Kategorie von Anwendung, sagte Unternehmenssprecher Michael Hoffmann. Statt das Kartenmaterial im Gerät vorzuhalten, konzentrierten sich Anbieter wie Skobbler weiterhin auf sogenannte Offboard-Lösungen, die eine ständige Internet-Verbindung benötigen, um das Kartenmaterial und die Route nachzuladen. Auch in der Qualität der Karten gebe es erhebliche Unterschiede.

Selbst die von Google angekündigte kostenlose Navi-Lösung schreckt Navigon nach eigenen Angaben nicht. Navigon sei derzeit sowohl in Europa als auch in den USA Marktführer bei Onboard-Lösungen und biete auch für Handys mit Googles Betriebssystem seit längerem Android-Anwendungen an, so Hoffmann.

Thielking sieht das allerdings anders: Nach dem, was man bisher gesehen hat, sei Googles Anwendung "unfassbar gut". "Da blieb vielen in der Branche der Mund offen stehen." Immerhin war unmittelbar nach der Ankündigung vor rund drei Wochen die Aktie des niederländischen Herstellers TomTom um 21 Prozent auf nur etwas über acht Euro abgesackt. Google Maps Navigation soll als vollwertige Lösung mit Sprachsteuerung für Android-Handys kostenlos verfügbar sein. Für einen Marktstart in Deutschland gibt es allerdings noch keinen Termin.

Ob kleine, schlichte Navigationshilfen den großen und ausgereiften Lösungen mit detailliertem Kartenmaterial, 3D-Darstellung, Stau- und Baustellenmeldern tatsächlich echte Konkurrenz machen werden, bleibt vorerst abzuwarten. Es werde genügend Platz für verschiedenste Angebote geben, schätzt Thielking. "Die Kunden werden aber viel mehr auf den Preis schauen." Insofern sieht sich Skobbler in einer guten Position.

Offene Feindschaft

Und die Gelassenheit bei Navigon zeigt schon erste Risse. Inzwischen herrscht offene Feindschaft zwischen dem Marktführer und der kleinen Berliner Firma, die vor Gericht ausgetragen werden soll. Navigon habe versucht, Apple zu einer Entfernung der Skobbler-Software aus dem App Store zu bewegen, berichtete das Start-Up am Freitag. Mit einer zwischenzeitlichen Preiserhöhung habe man noch vergeblich versucht, "die Situation gegenüber Navigon zu deeskalieren", sagte Thielking. Vorwürfe, das Unternehmen habe mit seiner Software Vertrags- und Lizenzverletzungen begangen, habe Skobbler vorerst gerichtlich unterbinden lassen.

Renate Grimming, DPA
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Motzerator (22.11.2009, 12:54 Uhr)
Navigon sollte nicht Jammern und Klagen...
...sondern lieber neue Anwendungen auf den Markt bringen. Beispielsweise gibt es immer noch kein vernünftiges Fußgänger Navi, dafür gibt es bisher scheinbar nicht einmal brauchbares Kartenmaterial. Ein Fußgänger kann ganz andere Wege nehmen, als ein Auto. Für ihn sind Unterführungen, Fußgängerbrücken, Fußgängerzonen und Trampelpfade auf dem Rasen begehbar, die viele Abkürzungen liefern. Außerdem kann er den Nahverkehr nutzen. Ich wünsche mir ein Gerät oder eine Applikation, das mir mit oder ohne Nahverkehr den schnellsten oder kürzesten Weg anzeigt. Das über aktuelle Fahrplandaten und Informationen über jede Verspätung verfügt. Das mir den Fahrpreis anzeigt und vieleicht sogar online das Ticket kaufen kann. Das mich auch durch Schleichwege lotst oder bei Schlechtwetter die trockenste Route ausspuckt und das natürlich auch alle Wanderwege kennt.
Schulse (22.11.2009, 11:32 Uhr)
0815
Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie ich und ein paar Kollegen versucht haben mit Skobbler den Weg zum Stadion bei einem Auswärtsspiel zu finden. Nachdem wir Gefühlte 35 minuten rumgeirrt sind und uns halb totgelacht haben über die abstrusen Anweisungen die wir bekommen haben, haben wir dann doch anner Tanke nachm weg gefragt.

Mein Ergo: Offboard-Lösungen im Iphone wie Skobbler sind im Moment nichts als 0815 und man bekommt das was man für sein wenig Geld verdient: Ein Navi, dass einen eher verwirrt als unterstützt.
Mit TomTom oder Navigon können diese Apps absolut noch nicht mithalten... ic sage bewusst NOCH nicht. Mittel- und langfristig können sich die bestehenden, etablierten Anbieter sicherlich ganz warm anziehen. Vor allem wenn Google den Markt aufmischt... von denen kommt nänlich nichts ohne Hand und Fuß.

Sehe ich aber auch wieder als gefährlich an. Google speichert unsere Mails, weiß was wir im Internet suchen und weiss bald auch wo wir uns bewegen. Google ist mehr und mehr auf dem Weg vor dem Orwell uns gemahnt hat.
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