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29. April 2009, 12:57 Uhr

Mein Handy, seine Macken und ich

Hightech kann auch anstrengend sein. Mit dem einst sündhaft teuren Sony Ericsson K850i führte ich für eineinhalb Jahre eine On-Off-Beziehung: Ganze neun Mal gab das Handy den Geist auf und musste ausgetauscht werden. In einer beispiellosen Hass-Liebe wurde die Gadget-Schwärmerei zum Albtraum. Von Dominik Lechler

Sony Ericsson, Vodafone, K850i

Mein Sony Ericsson hatte über die Jahre so einige Macken© Colourbox

Es fing alles ganz friedlich mit diesem erwartungsvollen Kribbeln an, das man immer hat vor dem ersten Aufeinandertreffen. Als mein Mobilfunk-Vertrag im Herbst 2007 auslief, geriet die Fahndung nach einem frischen Telefon für mich, den bekennenden Fan des neuesten technischen Schnickschnacks, zu einer Art Lebensaufgabe. Doch all die aufmerksame Marktforschung wurde nichtig, als ich es sah: Es war Liebe auf den ersten Blick. Eine 5-Megapixel-Kamera, flottes Internet für unterwegs und ein sexy Design ließen das Sony Ericsson K850i nach einem Volltreffer aussehen. Bei der vorsichtigen Kontaktaufnahme über meinen Vertragspartner Vodafone erhielt ich zunächst eine Abfuhr. Im August 2007 vertröstete man mich auf den nächsten Monat, denn das Gerät durchliefe im Moment noch ausgiebige Qualitätstests bei Vodafone. Im September sagte man mir dasselbe. Inzwischen kribbelte es schon ganz schön.

Als ich mein Objekt der Begierde dann Mitte Oktober endlich in der Hand hielt, konnte ich mir sicher sein: Hier stimmt die Qualität. Und tatsächlich schien das Sony Ercisson K850i in den ersten Monaten wie ein Gerät, mit dem man alt werden konnte: Wir wuchsen zu einem unzertrennlichen Paar zusammen. Hätte ich geahnt, welch anstrengende On-Off-Beziehung mir mit diesem Handy in den nächsten eineinhalb Jahren bevorstehen würde - ich hätte die rosa Brille sicher ganz schnell abgesetzt.

Der Schein trügt

Denn allzu bald wurde klar: Der Schein hatte getrogen. Mit einem Mal fühlte sich mein K850i irgendwie fremd an, wenn ich es berührte. Der Grund war schnell ausgemacht: Eine der Sensortasten des Touchscreens funktionierte nicht mehr. Das war ziemlich nervig, denn so konnte ich nur noch über umständliche Menünavigation ins mobile Internet. Also trat ich den Weg zum Vodafone-Shop an und brachte mein Anliegen vor. "Kein Problem", hieß es dort. "Wir tauschen es aus. Sie müssen sich auch nur für zwei Tage davon trennen." Ich schluckte. Trennung? Doch was hatte ich schon für eine Wahl? Schweren Herzens gab ich das defekte Gerät in die Hände von Vodafone. Für zwei Tage musste ich auf meinen alten Klapphandy-Klotz zurückgreifen - die Beziehung zum K850i stand zum ersten Mal auf "off".

Dementsprechend groß war die Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen. Und umso größer die Enttäuschung, als auch Handy-Ausgabe Nummer zwei unser Verhältnis einer Belastungsprobe unterzog. Schon bald verabschiedeten sich auf Grund eines Software-Fehlers sämtliche Anwendungen wie GoogleMaps, TrackID oder der PhotoDJ. Das war mehr als nur ein Schönheitsfehler, und so gab's das gleiche Spiel noch mal: Vodafone zeigte sich erneut kulant und schickte mir nur zwei Tage später ein werksneues Gerät nach Hause. On, off.

Anrufe aus der Hosentasche

Als ich nur einen Tag später mit K850i Nummer drei erneut im Vodafone-Shop stand, war aus Liebe erstmals Hass geworden. Verständlich, wie ich finde, denn dem wohlgemerkt werksneuen Handy war nur Stunden, nachdem ich es ausgepackt hatte, eine Taste abgebrochen. Zu allem Überfluss auch noch die Sternchen-Taste, weshalb die Tastensperre nicht mehr funktionierte und ich folglich andauernd Leute aus meiner Hosentasche anrief. Meine Wut richtete sich jetzt nicht mehr allein gegen Sony Ericsson, sondern auch gegen Vodafone: War nicht die Rede von monatelangen Qualitätstests gewesen? Wie konnte es dann sein, dass mir ein brandneues K850i nach ein paar Stunden auseinanderfiel? Auch bei Vodafone zeigte man sich leicht verwundert. Trotzdem bekam ich nur einen Tag später bereits Handy Nummer vier. Dass der freundliche Vodafone-Mitarbeiter mir an jenem Tag eine kleine, aber entscheidende Information vorenthielt, sollte ich erst ein Jahr später herausfinden.

Bis es so weit war, wandelte sich mein einstiges Handy der Träume immer häufiger zum Albtraum-Auslöser. Heute, eineinhalb Jahre nach Vertragsabschluss, besitze ich mein neuntes Sony Ericsson K850i - alle vorangegangenen Modelle haben auf die eine oder andere Weise den Geist aufgegeben. Immer öfter wurde aus "On" ein sprichwörtliches "Off", immer öfter musste ich mit meinem alten Klapp-Handyklotz Vorlieb nehmen. Wenigstens funktionierte das immer, wenn ich es mal brauchte.

Spätestens bei Handy Nummer fünf wäre der eine oder andere vielleicht auf die Barrikaden gegangen und hätte bei Vodafone ein gänzlich anderes Gerät verlangt. Doch immer, wenn mein K850i mal funktionierte, flammte die alte Liebe wieder auf: Schicke Fotos und Internet, wo immer man geht und steht ließen mein Herz noch immer höher schlagen. Und vielleicht war auch ein wenig Stolz dabei: Einfach aufgeben war noch nie mein Ding gewesen, schon gar nicht im Kampf gegen die Technik. Und vielleicht, so redete ich es mir zumindest ein, machte ja auch ich Fehler.

Man kannte mich längst beim Namen

Als ich mit dem defekten Handy Nummer acht (es hatte sich urplötzlich ausgeschaltet und war partout nicht mehr anzukriegen) im Vodafone-Shop auftauchte, kannte man mich längst beim Namen. Die freundliche Kundenberaterin, auf die ich an jenem Tag traf, wollte nach einem Blick auf meine Kundenkartei das ein Jahr zurückliegende Versäumnis ihres Kollegen ausbügeln. "Sie wissen schon, dass Ihnen nach dem dritten defekten Gerät ein neues aus unserem Sortiment zusteht, oder?" Ich musste wohl etwas verdattert aus der Wäsche geguckt haben, denn sie hakte nach: "Hat Ihnen das bisher noch niemand gesagt?"

Natürlich hatte mir das bis dato niemand gesagt, nicht bei Handy-Tausch Nummer sieben und schon gar nicht bei Umtausch Nummer drei. Und in diesem Moment wurde mir klar, dass es an der Zeit war, einen Schlussstrich zu ziehen. Ich war das ewige Hin und Her satt! Weil man mir zusicherte, dass der Wechsel auch dann kein Problem sei, wenn ich bereits ein neues K850i hätte, ließ ich mir erstmal ein neues nach Hause liefern. In der Zwischenzeit kramte ich den Handykarton und sämtliches Zubehör hervor, das mit abgegeben werden musste. Nichts sollte mich mehr an meine verflossene Hass-Liebe erinnern.

Am nächsten Tag schlug ich wieder im Vodafone-Shop auf und war frohen Mutes, dieses unselige Kapitel beenden zu können. Als ich einem Mitarbeiter mein frisch ausgetauschtes K850i hinhielt, und nach einem neuen Gerät aus dem Sortiment fragte, schüttelte der nur den Kopf. "Das geht erst, wenn ihr aktuelles Handy wieder kaputt ist", sagte er. Ich starrte ihn nur an und er zuckte mit den Schultern. "Hat Ihnen das denn niemand gesagt?"

Stellungnahme

stern.de hat den betroffenen Unternehmen vor Veröffentlichung des Artikels eine Möglichkeit der Stellungnahme eingeräumt.

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Von Dominik Lechler
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
em1234 (01.05.2009, 09:47 Uhr)
"Kundendienst"?????
ich hatte mit meinem Sony Mobile auch massivste Probleme, leider war der Kundendiest hier nicht so hilfreich, ich musste monatelang mit Sony streiten, letztlich bekam ich nach ca. 1 Jahr und zahllosen Mails nicht mal den Schaden, den das defekte Ladergerät angerichtet hatte ersetzt, von Entschuldigung oder Entschädigung kann ich nur träumen.. offensichtlich wird man als Stern.de Autor denn doch bevorzugt behandelt – ich kann jedenfalls auf Sony und seinen „Kundendienst“ in Zukunft gerne verzichten….
steinhaus (29.04.2009, 18:09 Uhr)
Was kann schöner sein als leasen...
Also, mit dem K800i habe ich auf seltsame Erfahrungen. Ich habe dass dann zum Vorstand der Vertriebsfirma geschickt. Dort ging das Handy erst unter - und konnte erst gefunden werden, nachdem ich den Versand nachweisen konnte...
Noch besser ist mein K770i. Das ist aus unerfindlichen Gründen aus meiner Hosentasche gesprungen und unter einem Auto verschwunden - ohne, dass ich das mitbekommen habe. Dann hat der freundliche Herr angerufen bei dem das Handy unter dem Hinterreifen lag und darum darüber gefahren ist. Das Handy ging immer noch. Also, ich kann telefonieren, wohl auch SMS verschicken. Das Handy weckt auch noch. Aber, ich kann keine Bilder mehr aufnehmen, keine Musik abspielen, etc. Ich muss nur Zeit haben, mein Handy abzugeben - und soll dann ein neues Gerät bekommen. Ich bin mal gespannt ob das klappt. Vorläufig bin ich dankbar, dass mein Handy wenigstens teilweise noch funktioniert. Ich brauche es gerade jetzt. Ich bin irgendwie stolz darauf ein Handy zu haben, dass schon mal überfahren wurde. Aber, ein normal funktionierendes Handy wäre mir ehrlich gesagt lieber. Ich möchte auch mal auf andere Funktionen zurückgreifen - und die gehen dann wirklich nicht mehr. Jedenfalls funktioniert das Handy im Gegensatz zu dem Handy, das in der Waschmaschine war. Das hat nur noch noch gehupt und die Karte war kaputt. Das K770i ist getestet und wurde mit Note 2,0 (gut) bewertet. Das war ein wichtiger Grund für den Kauf.
Patanostra (29.04.2009, 16:01 Uhr)
Sony Ericsson K800i
Ha! selbes leiden! Habe nun mein K800i schon so oft eingedandt dass ich das mitzählen schon leid bin! jedesmal war nach 2 tagen das alte leiden wieder da (permanenter reboot).
dann wurde mir ein austauschgerät zugesichert, ich solle zum vom servicepartner einsenden lassen. ich bekams mit "kein fehler feststellbar" retour! der herr vom SE-service entschuldigte sich und meinte ich solle es direkt an den servicepartner senden, es wäre alles geklärt. nach einigen tagen bekam ich das gerät ohne kommentar wieder retour!! nun versicherte man mir: "senden sies nochmals ein, es wird nun getauscht" - gesagt getan: das alte handy kam nach einigen tagen wieder retour mit einem zettel dran: "leider können wir von privatpersonen keinerlei ware annehmen, wenden sie sich an ihren händler"
was soll man dazu noch sagen??
tobix (29.04.2009, 14:25 Uhr)
@atticus
Psssst! Doch nicht weitererzählen! Solange das nur wenige machen, bleibt die Werbung wie sie ist! Die Popup-Blocker waren anfangs auch wirkungsvoller als heute - jetzt bekommt man Flash- oder JavaScript-Überlagerungen über den Inhalt. Außer natürlich mit ABP :)
Volker_Hett (29.04.2009, 14:07 Uhr)
SE M600i
Jahrelang war ich mit einem SE V600i von Vodafone zufrieden, aber ich wollte etwas mit mehr Funktionen, da kam mir das M600i gerade recht. Touchscreen QWERTZ Tastatur, KEINE Kamera(!), Opera Webbrowser und so weiter. Genau der Organizer mit Telefon den ich mir vorgestellt hatte. Auf der Webseite von SE stand unter der Beschreibung des M600i das die meisten SE Telefon zum Mac kompatibel sind, was beim V600i auch zutraf.
Dann kam das neue Handy, nein, es ist nicht zum Mac kompatibel, überhaupt nicht! Weder gibt es eine Anbindung an den Kalender noch ans Telefonbuch, auch keine Möglichkeit das Ding zu sichern.
Der Empfang ist sehr schlecht, der Kalender hat ein Problem mit wiederkehrenden Terminen, z.B. Geburtstage, ab und an stürzt das Telefon mitten im Gespräch ab und es bleibt einem nur noch ein totaler Reset indem man den Akku ausbaut.
Wenige Monate nach dem M600i kam das P1i und die Entwicklung für das M600i wurde vollständig eingestellt.
Der Kalenderfehler wurde durch neue Firmware halbwegs behoben, es gibt aber weiterhin keine Anbindung an den Mac oder gar Software um den Firmwareupdate selbst durchzuführen.
Der schlechte Empfang und die gelegentlichen Abstürze sind geblieben. Zusätzliche Software ist natürlich nicht installiert, wie denn auch ohne Steuerungssoftware?
Als Organizer habe ich jetzt einen iPod Touch und zum telefonieren ein altes Samsung Handy. Mobiles Internet habe ich über einen USB Stick, die Handybildschirme sind halt doch zu klein :-)
Smartphones will ich bis auf weiteres nicht mehr haben und SE schon gar nicht.
sportartmakler (29.04.2009, 13:47 Uhr)
verwundert bin ich schon
solch einen artikel auf stern.de zu finden. da ich aber ebenfalls ein opfer des k850i bin zeuge ich solidarität :)
top handy, wie schon beschrieben, aber spätestens nach einem halben jahr ( auch mein zweitgerät ) geht das handy mitten im gespräch aus. seltsamerweise nur bei eingehenden anrufen. es geht dann wieder an ohne pinabfrage o.ä., jedoch fehlt die rufnummer des letzten gesprächspartners, als firmenhandy also überhaupt nicht zu gebrauchen.
@vorschreiber: werbung ist dieser artikel wohl kaum...
atticus (29.04.2009, 13:32 Uhr)
Da hilft
Firefox mit ABP... ;-)
Freaker (29.04.2009, 13:20 Uhr)
ich hab auch ein problem mit der technik
jedesmal wenn ich bild.de oder stern.de besuche, komme ich mir vor wie in einer riesigen werbelandschaft.
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