So gut ist das Bond-Phone wirklich

6. August 2012, 16:38 Uhr

Ein Handy im Auftrag ihrer Majestät: Das aktuelle Bond-Phone Sony Xperia T überzeugt mit viel Leistung und einem großen Display. Doch hat das Handy den Doppelnull-Status wirklich verdient? Von Christoph Fröhlich

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Patent, Streit, Apple, Samsung, Klage, iPhone, Galaxy

Ein Gericht in San Jose beschäftigt sich jetzt mit dem Patentstreit der Smartphone-Giganten Apple und Samsung©

Wer hätte das gedacht? Apple-Geräte werden gewöhnlich am Küchentisch geboren, wenn ihre Designer-Väter in der Zentrale im Silicon Valley beisammensitzen und Brainstorming betreiben. Das iPad? Erste Entwürfe sind schon fast zehn Jahre alt. Und das iPhone, das dann früher auf den Markt kam, hätte auch schlank, eckig oder bucklig aussehen können. Sein Tarnname lautete "Projekt Lila", und die Entwickler verschwanden mehr als zwei Jahre lang in einem internen Hochsicherheitstrakt, abgeschottet von allen Kollegen. Auch Marktforschung gibt es bei Apple – egal, wie sehr der verstorbene Übervater Steve Jobs gern betonte, nur Pioniergeist und Visionen zählten: Nun kommt heraus, dass der Primus der Technikwelt, der sich gern so anders gibt als alle anderen, regelmäßig seine Kunden befragen lässt. Genau wie alle anderen.

Apple tritt vor die Richter

Solche seltenen Blicke hinter die Kulissen der notorisch geheimniskrämerischen Kalifornier verdankt die Öffentlichkeit einem Prozess, den Apple selbst angezettelt hat: Seit einer Woche versuchen die Anwälte des Unternehmens vor einem Gericht in San Jose, ganz in der Nähe der Firmenzentrale, dem südkoreanischen Rivalen Samsung dreistes Abkupfern nachzuweisen.

"Statt innovativ zu sein", heißt es in der Klageschrift, habe Samsung beschlossen, "Apples Technologie, Bedienkonzepte und innovatives Design bei Telefonen und Tablet-Rechnern zu kopieren". Lauter unberechtigte Vorwürfe, wehren sich die Koreaner – und kontern mit einer Gegenklage, in der sie ihrerseits Apple vorwerfen, eine Reihe von Samsung-Patenten verletzt zu haben.

Üblicherweise wäre das ein Fall mit beschränktem Interesse für Gerichts-Chronisten und Anwälte, die 500 Dollar pro Stunde verlangen. Durch Apple aber wird der Prozess sexy und schlagzeilenträchtig: Mit einem Börsenwert von fast 600 Milliarden Dollar tritt hier das derzeit wertvollste Unternehmen der Welt vor die Richter, um sich lauthals über einen seiner schärfsten Konkurrenten zu beklagen.

Dazu kommt, dass Apple mit seinem iOS-Betriebssystem allein gegen sämtliche Verfolger kämpft; die meisten von ihnen, darunter auch Samsung, setzen auf Googles Android-Betriebssystem. "Reiner Diebstahl" sei Android, zürnte Steve Jobs gegenüber seinem Biografen Walter Isaacson und schwor, er werde "jeden Penny", den Apple auf der Bank habe, dazu nutzen, "diese Ungerechtigkeit zu beseitigen".

Jeder gegen Jeden

Vor diesem Hintergrund sehen manche Beobachter den aktuellen Prozess nicht zuletzt als Signal an die Welt: "Apple scheint es vor allem darum zu gehen, ein Statement abzugeben: dass sie die wahren Erfinder und Pioniere seien, während andere sich nur an ihren Erfolg anhängen wollten", sagt Brian Love, Patentrecht-Experte an der Universität von Santa Clara.

Zum vorgeblichen Kampf um Gerechtigkeit kommen freilich auch handfeste strategische Interessen. Trotz Rekordumsätzen, die Apple mehr als 100 Milliarden Dollar an Bargeld aufs Konto gespült haben, gerät die Firma zunehmend in die Defensive. An Marktanteilen gemessen, liegt Samsung inzwischen deutlich vorn. Im jüngsten Quartal verkauften die Koreaner ein Drittel aller Smartphones weltweit, gut 50 Millionen Geräte, so berichtet der Marktforscher IDC. Apple lag zwar auf Platz zwei, kam aber mit 26 Millionen iPhones auf gerade einmal halb so viele Geräte.

"Apple zieht vor Gericht, weil Android Marktanteile gewinnt", glaubt Mark Lemley, Jura-Professor an der Stanford-Universität. "Diesen Trend versucht Apple auszubremsen." In der Klage fordert Apple umgerechnet zwei Milliarden Euro Schadenersatz von Samsung. Obendrein würde ein Sieg ein Signal setzen, das Auswirkungen auf andere Prozesse haben könnte. Rund um den Erdball liegen die Großen der Technikwelt miteinander im Zwist – Apple und Samsung dabei auch in Deutschland, aber sie sind längst nicht allein; auch Microsoft, Motorola, HTC, Nokia und andere beschäftigen die Gerichte. Kaum eine Woche vergeht ohne neue Klagen.

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