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18. März 2005, 11:34 Uhr

Besser SMS schreiben als gar nichts

Sprachwissenschaftler finden SMS gar nicht so schlecht. Durch die Kurzmitteilungen würde unter Jugendlichen wieder mehr geschrieben. Formal begeistert die Sprache der SMS die Philologen aber nicht.

Durch SMS würden viele Kinder schreiben, die es sonst nicht täten, hoffen Experten© Kai-Uwe Knoth/DPA

Selbst Sprachwissenschaftler können der per Handy verschickten elektronischen Kurznachricht (SMS) etwas abgewinnen. Das so genannte "Simsen" sei "eher positiv" zu sehen, sagte der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Prof. Ludwig Eichinger, bei der IDS-Jahrestagung in Mannheim. Früher sei immer die Befürchtung geäußert worden, dass weniger geschrieben werde. "In Wirklichkeit schreiben durch den Computer wesentlich mehr Menschen. Wer nie einen Brief schrieb, schreibt heute eine Mail oder eine SMS." Etwas Negatives sei aber auch über die SMS zu berichten: Die Zunahme von per Handy verschickten Kurzmitteilungen beeinträchtigt die Sprachfähigkeit von jungen Leuten. "Junge Menschen, die nur über SMS kommunizieren, bleiben in ihrer Grammatik äußerst beschränkt", so Eichinger.

Komplexere Texte, weniger Verständnis

Nach Darstellung des IDS-Linguisten Hardarik Blühdorn nimmt die Fähigkeit der Schüler ab, Texte zu verstehen, während die Texte selbst immer komplizierter werden. "Da öffnet sich eine Schere", sagte Blühdorn. "Wir leben in einer Welt, die immer komplexer wird, und wir haben Texte, die das spiegeln." Hinzu komme ein "Ausbildungsproblem": Die Schüler gingen weniger mit Texten um, weil sie viele andere Medien wie das Fernsehen nutzen könnten. Dass deutsche Schüler beim PISA-Vergleich mit skandinavischen Ländern weniger Textverständnis zeigten, führte Eichinger jedoch unter anderem darauf zurück, dass dabei Ankreuztests (Multiple Choice) verwendet worden seien, die in Deutschland kaum eine Rolle spielten.

Eichinger beklagte eine "Lücke im Grammatikwissen" deutscher Schüler und machte dafür das gesunkene Interesse am Lateinunterricht verantwortlich. Der Grammatikerwerb sei im deutschen Schulsystem früher ans Lateinische gebunden gewesen, das eine "typisch Grammatik geleitete Sprache" sei. Mit ihrer Hilfe hätten Schüler jene Kenntnisse erworben, die sie in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen angewendet hätten. "Diese Basis ist weg gefallen", sagte Eichinger. "Eigentlich ist wenig dafür gekommen."

DPA/AP
 
 
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