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4. Januar 2008, 07:37 Uhr

Handynummer für 100.000 Dollar

111.111, 222.222, 333.333 - mit einer solchen Handynummer bekommt man in Beirut in jedem Restaurant einen Tisch. Nur die Nummer selbst ist nicht leicht zu kriegen. Das Statussymbol kostet bis zu 100.000 US-Dollar. Von Dirk Schönlebe, Beirut

Wer ein kristallbesetztes Handys hat wie Paris Hilton, der hätte auch Verwendung für eine Wichtigtuer-Nummer aus dem Libanon© Wolfgang Kumm

Es könnte so einfach sein, Hani G. anzurufen. Die Handynummer des Libanesen besteht aus sechs gleichen Ziffern, leicht zu merken, leicht zu wählen - und trotzdem erreicht ihn nicht jeder: "Sie haben wirklich unwahrscheinliches Glück, dass Sie mich erreichen", sagt G. "Ich habe meinen Sicherheitscode nur kurz ausgeschaltet, ich erwarte einen Rückruf wegen einer Reservierungsbestätigung." Wer den Sicherheitscode nicht kennt, kommt normalerweise nicht bei G. durch. Der seinen Namen nicht in einer Zeitung lesen möchte. Wegen seiner besonderen Telefonnummer.

Handynummern und Autokennzeichen sind im Libanon Statussymbole und Geldanlage. Ziffernfolgen dienen als Zeichen für Reichtum und Macht, für gute Verbindungen und Einfluss, mit Glückszahlen haben sie nichts zu tun. Je ausgefallener die Ziffernfolge, desto besser - und teurer.

G. ist einer von 18 Besitzern einer sogenannten "Platinum Number", die es im libanesischen Mobilfunknetz momentan gibt. Platinum Number bedeutet: Die Telefonnummer besteht aus sechs gleichen Ziffern, also 111.111, 222.222, 333.333 und so weiter; dazu kommt die jeweilige Vorwahl der beiden Anbieter Alfa (03) und MTC Touch (70).

"Ich habe den Sicherheitscode vorgeschaltet, weil alle fünf Minuten Leute anrufen, um mir meine Nummer abzukaufen", sagt G. "Ein Geschäftsmann aus Katar hat sogar seinen Anwalt nach Beirut geschickt, der stand mit einem Scheck über 100.000 Dollar vor meiner Tür." Er selbst sicherte sich die Nummer vor Jahren, als er bei einer der Vorläuferfirmen der heutigen Mobilfunkanbieter arbeitete. "Damals war sie allerdings noch nichts wert, dieser Irrsinn begann erst später", sagt G.

Platin, Gold und Silber

Neben den Platinnummern gibt es die sogenannten "Golden" (z.B. xyyyyyy), "Silver" (xxxyyy) und "Bronze Numbers" (xxyyzz). Normalerweise kostet eine Handynummer 50 Dollar, für eine besondere Ziffernfolge ist eine Lizenz nötig, die das Telekommunikationsministerium für 550 Dollar vergibt. Da es im Moment keine freien Lizenzen mehr gibt, blüht der Handel: Golden Numbers können bis zu 60.000 Dollar kosten, Silver Numbers bis zu 10.000 Dollar. Angeboten werden die Nummern in speziellen Shops und im Internet, unter anderem auf dem Marktplatz des libanesischen Netzwerks von Facebook. Golden und Platinum Numbers bekommt man nur, wenn man jemanden kennt.

Wie den Zwischenhändler Abdulla B., der auch anonym bleiben will. Die Geschäfte sind zwar legal, wenn der Verkäufer die Nummer mindestens ein Jahr besaß. "Das ist aber nicht immer der Fall", sagt B. Der jüngste Deal des 26-Jährigen hatte einen Wert von 80.000 Dollar: "45 000 Dollar für die Telefonnummer und 35.000 Dollar für ein Autokennzeichen, das die identische Nummer hat, vom gleichen Verkäufer an den gleichen Käufer", sagt B. Das sei alles "Angeberei. Die andern sollen sehen, dass man sich so eine Nummer leisten und besorgen kann", sagt B. Der neue Trend sei eine gute Ziffernfolge bei der Nummer im Reisepass. Früher hätten Politiker besondere Autokennzeichen, am besten mit nur drei Ziffern, an Anhänger verschenkt, berichtet B. Als Dank für eine Spende oder treue Dienste. Heute leisten sich auch Angestellte, die nur 500 Dollar im Monat verdienen, besondere Ziffernfolgen für Hunderte Dollar. "Die Leute behandeln dich anders, wenn du ein Auto mit einem guten Kennzeichen hast. Sie wollen wissen, wer du bist, ob du ihnen nutzen kannst", sagt der Parkwächter eines Beiruter Restaurants.

Hani G. hat inzwischen die gleiche Nummer in fünf arabischen Handynetzen. Sie hilft ihm: "Als meine Frau gerade ein Restaurant anrief, um für morgen einen Tisch zu reservieren, war alles ausgebucht. Also hab ich angerufen. Sie haben meine Nummer im Display gesehen. So traurig das ist: Das reicht. Ich habe einen Tisch bekommen."

Von Dirk Schönlebe, Beirut
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
pitter42 (06.01.2008, 11:44 Uhr)
Vorteil: Blender weg!
So dekadent oder auch schwachsinnig das sein mag - einen Vorteil hat es: Die so oft auftretenden Blender, Pseudo-Promis, oder auch schlicht: Hochstapler können sich diese Erkennungszeichen des Reichtums oder auch Einflusses n i c h t leisten.
irmanow (04.01.2008, 22:27 Uhr)
warum gibt es nur soviel beknackte?
wenn man hier so mal rein schaut,dann muß man zu der erkenntnis kommen,daß über die hälfte der bevölkerung einen an der schüssel hat.
und die irrenanstalten werden geschlossen,da muß irgend etwas nicht stimmen.
oh hallo!
ramteid (04.01.2008, 18:44 Uhr)
Nein!
Endlich mal eine Meldung die Optimismus verbreiten wird. Vor allem bei Hartz IV Empfängern. Vielleicht wird es auch die Meldung des Jahre 2008 und kommt ins Guinness Buch. Gibt es in Beirut auch Raucherlokale, dann besorge ich mir die Nummer.
Jerk (04.01.2008, 18:30 Uhr)
@sotospeak
richtig, denn dann wären die nummern auch mehr wert. wenn so etwas nur annähernd wichtig wäre würden menschen mit richtig(!) viel geld auch wesentlilch mehr dafür ausgeben.
so schließe ich mich euch (ausgenommen peterhamburg) an
m.m.a. (04.01.2008, 15:28 Uhr)
...
call 1-800-pflegefall
sotospeak (04.01.2008, 12:24 Uhr)
Statussymbol
Wer ständig von Tausenden von Volltrotteln angerufen wird, weil er eine Telefonnummer hat, die sogar ein Hirntoter wählen kann, der muss natürlich denken, dass er wichtig ist. Für mich klingt das eher wie ein Statussymbol für Zuhälter und Pseudo-VIPs. Keine wirklich wichtige Person ist so blöd, sich eine derartige Nummer zu beschaffen.
t-flower (04.01.2008, 11:06 Uhr)
@peterhamburg
Danke fuer Deinen Kommentar, welcher mich in meiner Meinung nur noch bestaetigt.
peterhamburg (04.01.2008, 10:14 Uhr)
@ t-flower:
Wichtige Menschen erkennt man an ihrer Handynummer, unwichtige Menschen daran, daß sie das als "krank" aburteilen.
t-flower (04.01.2008, 08:46 Uhr)
Ohne Worte
Der Inhalt dieses Artikels kann einen eigentlich nur sprachlos machen. Er zeigt mal wieder wie krank die Menschen im Kopf sind, es bisher waren und leider auch immer bleiben werden. Solange es eine Nachfrage nach Dingen gibt, und sind sie noch so schwachsinning, gefaehrlich oder unnuetz, wird es leider auch immer einen Markt dafuer geben. Traurig, traurig, traurig.
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