Schön sind sie nicht, Apps gibt es wenig. Trotzdem erfreuen sich Handys mit großen Tasten und wenigen Funktionen bei Senioren großer Beliebtheit. Mit welchem Handy auch Oma klarkommt.

Kontrastreiche Displays und große Tasten unterscheiden die Seniorenmodelle vom normalen Mobiltelefon© Odd Andersen/AFP
Große Tasten, kontrastreiche Displays, wenig Schnickschnack: Seniorenhandys wirken im Vergleich zu iPhone und Co. wie Relikte aus dem vorigen Jahrhundert. Doch wenn bei älteren Menschen die Sehkraft oder die Feinmotorik nachlässt, sind sie mit modernen Smartphones und Touchscreens schnell überfordert. Um mobil trotzdem erreichbar zu sein, eignen sich simple Klapphandys, die auf Bedürfnisse von Senioren abgestimmt sind. Doch welche Handys sind empfehlenswert? "Stiftung Warentest" hat 15 Geräte getestet, acht schafften die Note "gut".
Testsieger wurde das Panasonic KX-TU327. Das Klapphandy kostet 90 Euro und bietet den besten Akku im Test. Es hat eine sehr gute Tastatur und ein gut lesbares Display, sodass es Menschen mit Seh- und Motorikschwäche trotzdem bedienen können. Auch die Sprachqualität und der Empfang sind gut.
Bei den Ausstattungsmerkmalen für Menschen, die schlecht hören, hätten fünf der 15 untersuchten Geräte mit "gut" abgeschnitten - die anderen mit befriedigend, berichtet "Stiftung Warenest". Eine Reihe von Handys verfügt demnach sogar über eine Technologie, die Telefonsignale direkt an Hörgeräte übertragen kann.
Alle Geräte seien mit einer speziellen Notruffunktion ausgestattet, berichten die Tester. Mit dieser wird auf Knopfdruck eine Anzahl vorher festgelegter Rufnummern - wie etwa die von Angehörigen - der Reihe nach angerufen, bis ein Gespräch angenommen wird. Hierbei bestehe jedoch bei "etlichen Handys" die Gefahr, dass Notrufe ins Leere liefen, wenn sich ein Anrufbeantworter einschalte.
Manche Hersteller versuchten dies zu verhindern, indem von den Angerufenen automatisch eine Bestätigung per Tastendruck gefordert werde, so "Stiftung Warentest". Grundsätzlich aber sollten sich Verbraucher, die auf diese Funktion für Notfälle setzten, vorher "mit allen Beteiligten gut absprechen", damit diese wüssten, wie bei einem solchen Anruf zu reagieren sei.

Der Testsieger: Panasonics KX-TU327.© Panasonic
Nahezu allen Seniorenhandys würden mit Ladestation verkauft, berichtet die Zeitschrift. Dadurch sei das Aufladen der Geräte einfacher als mit einem Kabel. Zudem müssten Nutzer die Geräte nicht immer suchen, da diese mit den Ladestationen ihr "angestammtes Plätzchen" erhielten.
Doch nicht alle Seniorenhandys sind gut, einige bieten auch zweifelhafte Funktionen. Der Hersteller Auro behauptet, sein Handy sei "für Sehbehinderte ausgelegt". Die Tasten sind mit Blindenschrift versehen, allerdings sind die Braille-Zeichen hintergrundbeleuchtet. Sinnvoll ist das nicht: Wer sie ertasten kann, braucht die Beleuchtung nicht. Wer nicht gut sieht, aber kein Braille lesen kann, wird von den Leuchtzeichen verwirrt.
Auch Geräte von Olympia haben Macken: Die Menütasten sind häufig ziemlich klein, sodass Menschen mit eingeschränkter Motorik schnell überfordert sind. Auch die Tastensperre ist unnötig fummelig, einige Probanden aktivierten sie häufig versehentlich.

Aktuelle Smartphones wie das iPhone 5 und Samsung Galaxy S3 sind häufig zu kompliziert für Senioren© Stiftung Warentest
Um zu überprüfen, wie Senioren mit aktuellen Smartphones klarkommen, hat "Stiftung Warentest" neun Testpersonen ein iPhone 5 von Apple und das Sasmung Galaxy S3 ausprobieren lassen. Ihr Fazit: Die Begeisterung über die modernen Geräte hielt sich bei den meisten Probanden "in Grenzen". Die für Smartphones typischen Wisch-Gesten seien den meisten schwer gefallen, so die Tester. Zudem hätten diese die Bedienungslogik der Geräte als "zunächst gewöhnungsbedürftig" empfunden.
Alle Informationen über den Test Seniorenhandys unter www.test.de/seniorenhandys und in der Zeitschrift "test" 2/2013.