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1. März 2005, 18:09 Uhr

"Voice over IP" erobert den Massenmarkt

Telefonieren übers Internet wird bequemer. Mit der richtigen Hardware kann man sich sogar das lästige Hochfahren des Computers sparen.

Screenshot der Software Skype. Sie ermöglicht das Telefonieren über das Internet© Peter Zschunke/AP

Zu den wichtigsten Trends der diesjährigen Cebit gehört das Telefonieren übers Internet. "Voice over IP" (VoIP), wörtlich übersetzt "die Stimme über das Internet-Protokoll", ermöglicht weltweites Telefonieren zum Spartarif. Die grundlegende Technik gibt es schon seit Jahren. Erst jetzt aber ist sie so ausgereift, dass VoIP in den Massenmarkt eintritt.

Dafür sorgt vor allem die Verbreitung der Breitbandtechnik DSL. Zugangsanbieter wie 1&1, Freenet, QSC oder Web.de bieten Kombi-Pakete für DSL und VoIP an - meist wird dabei die "Fritz-Box Fon" des Berliner Herstellers AVM mitgeliefert, die gleichzeitig als DSL-Modem und als Telefonanlage dient. Wenn das analoge Telefon an diese Box angeschlossen wird, können Telefongespräche über das Breitband-Internet geführt werden. Dazu muss noch nicht einmal der PC eingeschaltet sein.

Selbst T-Online zieht mit

Bei 1&1 zum Beispiel sind Gespräche mit anderen VoIP-Teilnehmern dieses Anbieters kostenlos. Ein Anruf an eine beliebige Nummer im Inlandsfestnetz kostet 1 Cent, an eine Mobilfunknummer meist 22,9 Cent und ins Ausland ab 1,9 Cent - etwa in die USA. Die Nachfrage nach dem Telefonieren übers Internet ist so groß, dass kein DSL-Anbieter mehr ohne VoIP auskommt. Strato, das inzwischen zu Freenet gehört, erneuert in dieser Woche sein DSL-Angebot, wobei VoIP von vornherein mit einem Startguthaben von 100 Freiminuten inklusive ist. "Voice over IP wird jetzt zum Thema mit Breitenwirkung", sagt Strato-Sprecher Carsten Zorger. Selbst Marktführer T-Online will bis Mitte des Jahres VoIP an seine DSL-Kunden bringen - auch wenn die Deutsche Telekom damit erstmals dem eigenen Festnetzgeschäft Konkurrenz macht.

Ganz auf VoIP eingestellt ist das Sipgate-Angebot des Unternehmens Indigo Networks. Durch die Zusammenschaltung mit Partnernetzen, darunter auch Freenet und Web.de, kann man bei Sipgate mit mehr als einer Million Teilnehmern kostenlos telefonieren.

Mit der Fritz-Box Fon von AVM kann via Internet telefoniert werden, ohne dass der Computer eingeschaltet werden muss© AVM Computersysteme Vertriebs GmbH

"Credits" abtelefonieren

Einen regen Zulauf findet auch die Software Skype, die seit Gründung der gleichnamigen Londoner Firma mehr als 77 Millionen Mal kostenlos im Internet heruntergeladen wurde. Hier wird über die Soundkarte am PC telefoniert, erforderlich ist also ein Headset oder ein Mikrofon. Mit der Kreditkarte werden "Credits" gekauft - das Startguthaben gibt es für zehn Euro - einschließlich Mehrwertsteuer sind es 11,50 Euro. Gespräche ins Festnetz kosten einheitlich 1,70 Cent je Minute - dies ist auch der Tarif für Gespräche in die USA (einschließlich Mobilfunk), nach Australien und in 19 andere Länder. Gespräche ins deutsche Mobilfunknetz sind teurer, hierfür werden bei Skype 25,1 Cent je Minute berechnet.

Im Test funktioniert das Telefonieren mit Skype sehr gut. Wenn die Telefonnummer eingetippt ist und der grüne Wähl-Button angeklickt wird, wird die Verbindung schnell aufgebaut. Bei einer DSL-Anbindung ins Internet merkt der Gesprächspartner am Festnetztelefon kaum einen Unterschied. Erst wenn man dem Menschen am anderen Ende der Leitung ins Wort fällt, erkennt man, dass die Audiodaten nicht über eine feste Leitung übertragen werden, sondern in einzelnen Datenpaketen. Aber wenn man den anderen ausreden lässt, ist dies ganz im Sinne eines positiven Gesprächsklimas.

Die Technik der Musiktauschbörsen wird genutzt

Telefoniert man mit anderen Skype-Teilnehmern, ist die Gesprächsqualität noch besser. Und es fallen keine Gebühren an - außer den ohnehin zu zahlenden Kosten für die Internet-Verbindung. Für Skype sind keine riesigen Server erforderlich, die die Datenströme umwälzen müssen. Stattdessen wird hier die Peer-to-Peer-Technik eingesetzt, wie sie die Musiktauschbörsen bekannt gemacht haben. Die beiden Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis haben vorher das Kazaa-Projekt populär gemacht.

Letztlich werden es wohl weniger die Kosten sein, die den Ausschlag für VoIP geben - schon jetzt sind einige Call-by-Call-Anbieter zum Teil noch günstiger - als vielmehr erweiterte Möglichkeiten wie die gleichzeitige Übertragung von Texten oder Bildern. Bei Skype sind auch ein SMS-Dienst und ein Anrufbeantworter geplant. So ist absehbar, dass VoIP mit dem Messaging zusammenwachsen wird, also mit der Text-Kommunikation in Echtzeit. Auch aufs Handy könnte die Internet-Telefonie mit Skype gelangen - entsprechende Pläne dafür gibt es etwa bei Motorola.

Peter Zschunke/AP
 
 
 
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