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24. April 2006, 17:17 Uhr

Gravierende Sicherheitslücken

Telefonieren über das Internet: Immer mehr Deutsche nutzen diesen günstigen Service und fühlen sich dabei so sicher wie beim Telefonieren über klassische Leitungen. Doch das Gefühl trügt. von Friederike Nagel

Mit der kostenlosen Internet-Telefonie sind stundenlange Telefonate kein Problem© DPA

VoIP-Pionier und Ebay-Tochter Skype musste vergangene Woche einräumen, in China Textnachrichten nach Schlüsselwörtern wie "Falun Gong" oder "Dalai Lama" gefiltert zu haben. In einem Interview mit der Financial Times sagte Skype-Chef Niklas Zennström über seinen Joint-Venture-Partner Tom Online: "Tom hat einen Textfilter eingebaut, genauso wie alle anderen in diesem Markt." Um auf dem chinesischen Markt operieren zu können, müsse man sich an die dortigen Regeln halten.

Zugriff von außen leicht möglich

Auch in Deutschland, so Experten, sei es relativ leicht, Gespräche zu filtern oder abzuhören. "Ich würde niemanden empfehlen, via Internet mit seinem Arzt oder einer Bank zu telefonieren", sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Schaar steht der als VoIP bekannten Technik skeptisch gegenüber. Ein Sprecher des Bayerischen Landesbeauftragten für Datenschutz sagte: "Natürlich kommunizieren die Unternehmen nicht gerne, dass auf ihre Produkte von außen leicht zuzugreifen ist."

Die Bundesnetzagentur prüft derzeit, in wie weit die Nutzer von VoIP tatsächlich schlecht über mögliche Sicherheitslücken informiert seien. Der Datenschutzbeauftragte Schaar hatte Warnhinweise gefordert: "Nur wer sich über das Risiko bewusst sei, würde auf andere Leitungen ausweichen." In Deutschland sind Internetanschlüsse fast immer im Bündel mit einem herkömmlichen Telefonanschluss geschaltet.

Fernmeldegeheimnis gilt auch bei Internettelefonie

Das Ausweichen wäre demnach ohne größeren Aufwand möglich. Die Bundesnetzagentur untersucht die Zulassung entbündelter Angebote. Dies würde für den Verbraucher bedeuten, dass ganz auf einen Telefonanschluss verzichtet werden könnte. Allerdings, so gibt Schaar zu bedenken, müssten spätestens dann alle VoIP-Anbieter sicherheitstechnisch nachrüsten. Denn grundsätzlich gilt das Fernmeldegeheimnis auch bei Internettelefonie.

von Friederike Nagel
 
 
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