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8. August 2008, 10:46 Uhr

Kein Platz mehr für Tasten

2008 ist das Jahr des Touchscreens: Berührungsempfindliche Bildschirme für Smartphones oder Navi-Geräte kommen immer häufiger zum Einsatz, sodass die Hersteller mit der Nachfrage kaum Schritt halten können.

Das iPhone machte den Touchscreen bei Handys gesellschaftsfähig© Sergey Ponomarev/AP

In diesem Jahr werden nach einer Schätzung der Marktforscherin Jennifer Colegrove von der Firma iSuppli weltweit 341 Millionen Touchscreens ausgeliefert - nach 218 Millionen im vergangenen Jahr und lediglich 81 Millionen im Jahr 2006. All die vergangenen Jahre haben sich die Hersteller von Touchscreens bemüht, die Gerätehersteller von ihrer Technik zu überzeugen. Frustriert von dem mangelnden Interesse fertigte das US-Unternehmen Synaptics 2006 ein eigenes Konzept-Handy namens Onyx an, um die Fähigkeiten seiner Touchscreen-Technik zu demonstrieren. "Die Technik war schon Jahre vor dem iPhone da", erklärt Andrew Hsu, der Touchscreen-Experte von Synaptics.

Unter dem Eindruck von Onyx setzte der koreanische Hersteller LG Electronics einen Touchsensor in seinem Handy-Modell Prada ein, das ein paar Monate vor dem iPhone auf den Markt kam. Aber erst das Apple-Gerät habe im vergangenen Jahr für den Durchbruch gesorgt, erklärt Hsu. "Nachdem das iPhone draußen war, haben viele Mobiltelefonhersteller gesagt: 'Oh, diese Art von Touchscreen-Handy kann ich auch machen', sagt Marktbeobachterin Colegrove. Zu ihnen gehörte Samsung mit dem Modell Instinct. Sony Ericsson will in wenigen Monaten folgen. Und auch der Blackberry-Hersteller Research in Motion soll ein neues Smartphone mit Touchscreen planen.

Nicht nur das im vergangenen Jahr eingeführte iPhone treibt die Nachfrage nach Touchscreens an. Zusätzliche Impulse geben neue Handys für den asiatischen Markt, die es möglich machen, mit einem Stift chinesische oder japanische Schriftzeichen direkt auf dem Display einzugeben. Dies sei sehr viel einfacher als über die Tastatur, erklärt Colegrove.

"Multitouch" für gleichzeitige Berührungen

Die meisten Sensorbildschirme werden in Japan, Taiwan und China hergestellt, von Firmen, deren Namen im Westen kaum bekannt sind. Zu ihnen gehören etwa Nissha Printing, Wintek und Truly Semiconductors. In Deutschland war die Balda AG über ihr Joint-Venture mit dem chinesischen Hersteller TPK an der Entwicklung der Berührungssensorik für das iPhone beteiligt - auch wenn dies offiziell nicht bestätigt wird. In den USA stellt Synaptics Bildschirme für Handys her, während 3M größere Displays produziert, wie sie etwa bei Geldautomaten zum Einsatz kommen. Das Unternehmen Cypress Semiconductor stellt Chips her, die die Sensoren steuern.

Das iPhone hat die fortschrittliche Technik des "kapazitiven Touchscreens" mit einem Schlag bekannt gemacht. Diese Displays sind zwar vier Mal so teuer wie die herkömmlichen "resistiven Touchscreens", unterstützen dafür aber die "Multitouch-Funktion": Der Bildschirm kann auf mehrere gleichzeitige Berührungen reagieren. Das iPhone nutzt diese etwa dazu, um den Bildschirminhalt vergrößert darzustellen - dieser wird gezoomt, indem zwei Finger auf dem Display auseinandergezogen werden. Expertin Colegrove schätzt, dass sich die Auslieferung der kapazitiven Touchscreens in diesem Jahr auf 35 Millionen mehr als verdreifachen wird. Die resistive Technik bleibt aber weiter aktuell, da sie besonders gut für die Stiftbedienung geeignet ist. Colegrove erwartet, dass es demnächst auch E-Book-Lesegeräte mit Touchscreen geben wird. Die Technik sei ideal für möglichst große Displays bei kleinen Gerätegrößen, sagt Hsu und fügt hinzu: "Es gibt keinen Platz mehr für Tasten."

Peter Svensson/AP
 
 
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