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22. September 2009, 11:26 Uhr

Daten rasen durch die Luft

Kaum setzt sich der Mobilfunkstandard UMTS durch, ist er schon veraltet. Der Nachfolger LTE ist in Vorbereitung. Zuvor müssen aber noch Milliarden bewegt werden, um die nötige Netzinfrastruktur herzustellen. Von Arndt Ohler und Björn Maatz

Long Term Evolution, UMTS, LTE, Handy, Mobilfunk

Der südkoreanische Elektronikriese LG zeigt bereits Handy-Prototypen mit LTE-Modems (M.)© Ahn Young-joon/AP

Es hagelt Weltrekorde in der Mobilfunkindustrie - in Mitteilungen der Branche jedenfalls. T-Mobile, Vodafone, Ericsson, Nokia Siemens Networks (NSN) und Huawei überbieten sich derzeit mit Begriffen wie "Erster" und "weltweit". Grund für das öffentliche Wetteifern sind jüngste Entwicklungen bei dem Mobilfunkstandard LTE. Hinter dem Kürzel verbirgt sich der nächste Entwicklungsschub für die mobilen Netze - das nächste große Ding. "Die Industrie befindet sich an einem Wendepunkt", sagte auch Neil Mawston vom Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics.

Durch die Technik Long-Term Evolution (LTE) sollen drahtlose Verbindungen per Handy oder mobilem Modem schneller und effizienter werden. Hochauflösende Filme werden durchs Mobilnetz flutschen, Videokonferenzen überall möglich und Computerspiele über das mobile Internet steuerbar sein, versprechen die Konzerne. Die Branche wird zum Opfer ihres Erfolgs: Die mühsam ausgebauten UMTS-Netze laufen bereits voll. Damit nicht genug: Mehr Geschwindigkeit lässt sich aus der vorhandenen Technik wirtschaftlich kaum mehr rausholen.

Wachsende Datenströme sind für die Mobilfunker immens wichtig: Angesichts sinkender Umsätze mit Sprachtelefonie stellen die ersehnten Einnahmen mit Datenfunk die Hoffnung für die Branche dar.

So hat T-Mobile die Stadt Innsbruck mit einem LTE-Netz überzogen. Auch Vodafone testet in Deutschland. NSN und Ericsson liefern passende Übertragungstechnik an Mobilfunkbetreiber, LG Electronics hat spezielle Handychips entwickelt.

"Für uns ist LTE wichtig, denn die meisten Anbieter werden es früher oder später einführen", sagte Kai Sahala, der bei dem Ausrüster NSN die Sparte für strategische Kundenlösungen leitet. In Europa wird laut NSN-Konkurrent Ericsson der Mobilfunkanbieter TeliaSonera in der zweiten Hälfte 2010 als erster LTE kommerziell starten. Im gleichen Zeitraum wollen Verizon Wireless in den USA und NTT Docomo in Japan marktreif sein. In Deutschland wird der Aufbau wohl erst Ende des kommenden Jahres beginnen.

Milliardeninvestitionen

Zuvor werden Milliarden bewegt, um die Netzinfrastruktur aufzubauen. Wie bei der Vorgängertechnik UMTS werden neue Basisstationen an den Sendemasten der Mobilfunker benötigt. Von den knapp 300 Mobilfunkbetreibern weltweit mit 3G-Netzen wird kaum jemand an der Investition vorbeikommen. Denn der Webzugang wird mobil. "Im Jahr 2013 werden von den etwa 3,5 Milliarden Breitbandnutzern weltweit rund 80 Prozent mobil auf das Internet zugreifen", so ein Ericsson-Sprecher.

Die neue Technik könnte zudem dafür sorgen, dass Gebiete ohne schnellen Internetanschluss Zugänge erhalten. "Mit LTE als Mobilfunktechnik der nächsten Generation können auch ländliche Regionen schnell mit Breitbandinternetzugängen versorgt werden", so Hartmut Kremling, Geschäftsführer Technik bei Vodafone Deutschland. Voraussetzung sei die zügige Versteigerung zusätzlicher Frequenzen im kommenden Frühjahr, so der Manager.

Auch Handyhersteller müssen neue Geräte entwickeln, die LTE-tauglich sind. "Die werden wir aber erst in zwei bis drei Jahren sehen", sagte Steffen Grosch, Produktmanager bei dem Handyhersteller Sony Ericsson.

Drei Wege ins mobile Internet UMTS: Die Übertragungstechnik, auch 3G genannt, ist der gebräuchlichste Standard für die Handydatenübertragung. Die aktuell schnellste Ausbaustufe HSPA+ ermöglicht eine Downloadgeschwindigkeit von mehr als 40 Megabit pro Sekunde.
LTE: Der Standard Long-Term Evolution ist der Nachfolger von Techniken wie GSM/HSPA+ und WCDMA. Künftig werden Geschwindigkeiten von 170 Megabit pro Sekunde möglich. Zudem lassen sich mit LTE relativ kostengünstig ganze Landstriche abdecken.
Wimax: Auch als mobiler Breitbandzugang geeignet, erwarten Experten, dass diese Technik vor allem von Unternehmen angeboten wird, die keine Lizenzen für den Mobilfunk der zweiten und dritten Generation besitzen. Es ist daher eher eine Nischentechnik.

Von Arndt Ohler und Björn Maatz
 
 
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