Das Handy rückt immer weiter in den Mittelpunkt des digitalen Lifestyles. Aktuelle Mobiltelefone erfüllen inzwischen Aufgaben, die vor wenigen Jahren noch als Science Fiction galten. Wie werden sich Handys und die Art der Kommunikation weiterentwickeln? Ein Blick in eine nicht allzu weit entfernte Zukunft. Von Gerd Blank

Das Handy ist immer dabei, kein Wunder, dass sich die Hoffung der IT-Industrie auf den ständigen Begleiter richtet© Tobias Hase/DPA
7.30 Uhr an einem Tag in nicht allzuferner Zukunft. Aufstehen. Ein Vogelzwitschern weckt mich, mein Weckton, den ich im Tierpark aufgenommen habe. Langsam öffne ich die Augen und sehe an der Schlafzimmerdecke, dass es heute regnen wird. Der Projektor in meinem Handy zeigt als Beweis das Wetter vor meiner Haustür. Die aktuellen Schlagzeilen nehme ich kaum war, nur, dass ein Autounfall für einen riesigen Stau auf der Autobahn gesorgt hat. Na prima, muss ich die langsamere Strecke wählen. "Webcam, Autobahn, A7, Maschen" sage ich, und die Anzeige an der Zimmerdecke ändert sich, ein Livebild vom Stau wird angezeigt. Das kann dauern."Anruf, Büro, Sander" sage ich und habe kurz darauf die Stimme meines Kollegen im Ohr, dem ich meine Verspätung mitteile. Mit den Worten "Musik, Neu, Shuffle" stehe ich auf und gehe ins Bad. Aktuelle Songs werden aus dem Internet übertragen und kommen drahtlos auf die Boxen.
Das Mobiltelefon rückt immer mehr in den Mittelpunkt unsere digitalen Lebens. Unzählige Funktionen sollen unseren Alltag erleichtern und dabei helfen, die Kommunikation zu verbessern und zu vereinfachen. Allerdings muss man seinen Blick gar nicht so weit in die Zukunft richten, um zu erfahren, wie sich die Technologie entwickeln wird, denn einiges, was bei vielen Handy-Nutzern noch als Science-Fiction gilt, wurde bereits auf den Weg gebracht.
Schon jetzt sind aktuelle Mobiltelefone kleine Alleskönner. Sie geben Musik und Filme wieder und führen ins Internet oder per Navi ans Ziel. Sogar als transportable Spielkonsole dienen diese Geräte. Sie können als Babyphone oder für einfache Videokonferenzen genutzt werden. Und noch ist das Ende der Feature-Fahnenstange nicht erreicht: So werden 2009 die ersten Handys in den Handel kommen, die einen Mini-Beamer eingebaut haben. Auch die Spracherkennung funktioniert immer zuverlässiger. Google arbeitet an entsprechenden Lösungen, die weit über das Wählen von Nummern auf Zuruf hinausgehen. Doch wie weit geht die Hardware-Entwicklung, wie werden die Geräte der Zukunft aussehen und was ist für die Nutzer noch praktikabel?
8.30 Uhr. Ich sitze im Auto und habe das Telefon in die entsprechende Halterung gesteckt, damit mich das Navigationssystem durch das Verkehrschaos führt. Das Telefon übernimmt auch gleich die Kontrolle über die wichtigsten Funktionen im Auto. Die Tankanzeige blinkt, und auf dem in der Windschutzscheibe integrierten Display sehe ich die Tankstellen, die ich mit der restlichen Energie noch erreichen kann. Auch die Kilowattpreise für das Füllen der Batterie werden angezeigt. Da ich bei der nächstgelegenen Strom-Tanke etwa 20 Minuten warten müsste, entscheide ich mich für eine spätere Ausfahrt und buche mich per Sprachwahl ein. Der Termin wird sofort bestätigt.
Aktuelle Mobiltelefone sind bereits in der Lage, per Bluetooth Kontakt zur Stereoanlage oder zur Freisprecheinrichtung aufzunehmen. Es ist absolut plausibel, dass Handys künftig die Aufgaben von Stand-alone-Navigationsgeräten komplett übernehmen. Sicher ist: Die Hardware wird - jedenfalls auf dem ersten Blick - immer unwichtiger. Bereits jetzt sehen alle modernen Touchscreen-Handys aus wie iPhone-Klone, die Unterschiede sind marginal. Während das eine Gerät eine bessere Kamera hat, reagiert beim anderen der zur Navigation notwendige GPS-Empfänger schneller. Und trotz ähnlicher Bauweise gibt es gravierende Unterschiede bei den aktuellen Mobiltelefonen. Die Software, oder genauer: das Betriebssystem. Derzeit gibt es vier wichtige Systeme: Symbian, vor allem auf Nokia-Geräten installiert, Mac OS X fürs iPhone, Windows Mobile und, last but not least, Android für so genannte Google-Phones. Der Käufer hat also die Qual der Wahl: Welches System passt am besten zu meinem digitalen Lifestyle? Womit lassen sich Kontakte, Musik und Filme am bequemsten synchronisieren? Denn darauf kommt es den Nutzern an: Die Inhalte sollen einfach auf das Gerät kommen und dort ohne viel Firlefanz genutzt werden können.
Im Büro sehe ich zuerst das Lächeln meines Kollegen. Sander kann sich nicht verkneifen, mein spätes Erscheinen zu kommentieren: "Na, hat Dein Handy Dich nicht rechtzeitig geweckt?" Ich ignoriere seine Spitze und stecke mein Telefon in die Dockingstation. Sofort wird die Schreibtischoberfläche zum berührungsempfindlichen Display, und das Handy schaltet von Privat auf Business.
Jüngst stellte Microsoft das "Surface"-Konzept vor: Einen Schreibtisch, in dem ein großer berührungsempfindlicher Bildschirm integriert wurde. Außerdem scheint derzeit "Cloud Computing", also die Möglichkeit umfangreiche Rechenoperation und Speicherung von Inhalten von externen Servern ausführen zu lassen, der heilige IT-Gral zu sein. Verbindet man diese Technologien, kann das Mobiltelefon der Zugangsschlüssel sein. Egal, wo man sich befindet: Per Bluetooth, Wlan oder USB-Anschluß wird der Anwender mit dem gewünschten Netz verbunden.
Der Erfolg des Apple-Handys liegt sicher nicht allein an der Hardware, schließlich gibt es besser ausgestattete Geräte, die zudem mit weitaus attraktiveren Vertragsbedingungen zu bekommen sind, als es beim iPhone der Fall ist. Der Clou an dem Gerät ist die Software, die auch aus Technikmuffeln echte Spielkinder macht. So hat der App Store, über den iPhone-Nutzer Spiele und andere nützliche aber auch alberne Programme auf das Gerät laden können, inzwischen bei allen anderen Anbietern Nachahmer gefunden. Der Wunsch der Individualisierung scheint wie ein Virus die Handy-Nation zu infizieren. Auf Schulhöfen wird nicht mehr das Handy verglichen, sondern die beste Twitter-App. Die Bedienung der Geräte wird zum Kinderspiel - was auch Erwachsenen den Zugang zur eigentlich komplizierten Technik deutlich erleichtert. Sie lernen: Hightech ist nicht nur nützlich, sie macht auch Spaß.
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