13. April 2009, 18:00 Uhr

Die Handy-Evolution

Das Handy rückt immer weiter in den Mittelpunkt des digitalen Lifestyles. Aktuelle Mobiltelefone erfüllen inzwischen Aufgaben, die vor wenigen Jahren noch als Science Fiction galten. Wie werden sich Handys und die Art der Kommunikation weiterentwickeln? Ein Blick in eine nicht allzu weit entfernte Zukunft. Von Gerd Blank

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Das Handy ist immer dabei, kein Wunder, dass sich die Hoffung der IT-Industrie auf den ständigen Begleiter richtet©

7.30 Uhr an einem Tag in nicht allzuferner Zukunft. Aufstehen. Ein Vogelzwitschern weckt mich, mein Weckton, den ich im Tierpark aufgenommen habe. Langsam öffne ich die Augen und sehe an der Schlafzimmerdecke, dass es heute regnen wird. Der Projektor in meinem Handy zeigt als Beweis das Wetter vor meiner Haustür. Die aktuellen Schlagzeilen nehme ich kaum war, nur, dass ein Autounfall für einen riesigen Stau auf der Autobahn gesorgt hat. Na prima, muss ich die langsamere Strecke wählen. "Webcam, Autobahn, A7, Maschen" sage ich, und die Anzeige an der Zimmerdecke ändert sich, ein Livebild vom Stau wird angezeigt. Das kann dauern."Anruf, Büro, Sander" sage ich und habe kurz darauf die Stimme meines Kollegen im Ohr, dem ich meine Verspätung mitteile. Mit den Worten "Musik, Neu, Shuffle" stehe ich auf und gehe ins Bad. Aktuelle Songs werden aus dem Internet übertragen und kommen drahtlos auf die Boxen.

Das Mobiltelefon rückt immer mehr in den Mittelpunkt unsere digitalen Lebens. Unzählige Funktionen sollen unseren Alltag erleichtern und dabei helfen, die Kommunikation zu verbessern und zu vereinfachen. Allerdings muss man seinen Blick gar nicht so weit in die Zukunft richten, um zu erfahren, wie sich die Technologie entwickeln wird, denn einiges, was bei vielen Handy-Nutzern noch als Science-Fiction gilt, wurde bereits auf den Weg gebracht.

Schon jetzt sind aktuelle Mobiltelefone kleine Alleskönner. Sie geben Musik und Filme wieder und führen ins Internet oder per Navi ans Ziel. Sogar als transportable Spielkonsole dienen diese Geräte. Sie können als Babyphone oder für einfache Videokonferenzen genutzt werden. Und noch ist das Ende der Feature-Fahnenstange nicht erreicht: So werden 2009 die ersten Handys in den Handel kommen, die einen Mini-Beamer eingebaut haben. Auch die Spracherkennung funktioniert immer zuverlässiger. Google arbeitet an entsprechenden Lösungen, die weit über das Wählen von Nummern auf Zuruf hinausgehen. Doch wie weit geht die Hardware-Entwicklung, wie werden die Geräte der Zukunft aussehen und was ist für die Nutzer noch praktikabel?

8.30 Uhr. Ich sitze im Auto und habe das Telefon in die entsprechende Halterung gesteckt, damit mich das Navigationssystem durch das Verkehrschaos führt. Das Telefon übernimmt auch gleich die Kontrolle über die wichtigsten Funktionen im Auto. Die Tankanzeige blinkt, und auf dem in der Windschutzscheibe integrierten Display sehe ich die Tankstellen, die ich mit der restlichen Energie noch erreichen kann. Auch die Kilowattpreise für das Füllen der Batterie werden angezeigt. Da ich bei der nächstgelegenen Strom-Tanke etwa 20 Minuten warten müsste, entscheide ich mich für eine spätere Ausfahrt und buche mich per Sprachwahl ein. Der Termin wird sofort bestätigt.

Die Zukunft in der Tasche

Aktuelle Mobiltelefone sind bereits in der Lage, per Bluetooth Kontakt zur Stereoanlage oder zur Freisprecheinrichtung aufzunehmen. Es ist absolut plausibel, dass Handys künftig die Aufgaben von Stand-alone-Navigationsgeräten komplett übernehmen. Sicher ist: Die Hardware wird - jedenfalls auf dem ersten Blick - immer unwichtiger. Bereits jetzt sehen alle modernen Touchscreen-Handys aus wie iPhone-Klone, die Unterschiede sind marginal. Während das eine Gerät eine bessere Kamera hat, reagiert beim anderen der zur Navigation notwendige GPS-Empfänger schneller. Und trotz ähnlicher Bauweise gibt es gravierende Unterschiede bei den aktuellen Mobiltelefonen. Die Software, oder genauer: das Betriebssystem. Derzeit gibt es vier wichtige Systeme: Symbian, vor allem auf Nokia-Geräten installiert, Mac OS X fürs iPhone, Windows Mobile und, last but not least, Android für so genannte Google-Phones. Der Käufer hat also die Qual der Wahl: Welches System passt am besten zu meinem digitalen Lifestyle? Womit lassen sich Kontakte, Musik und Filme am bequemsten synchronisieren? Denn darauf kommt es den Nutzern an: Die Inhalte sollen einfach auf das Gerät kommen und dort ohne viel Firlefanz genutzt werden können.

Im Büro sehe ich zuerst das Lächeln meines Kollegen. Sander kann sich nicht verkneifen, mein spätes Erscheinen zu kommentieren: "Na, hat Dein Handy Dich nicht rechtzeitig geweckt?" Ich ignoriere seine Spitze und stecke mein Telefon in die Dockingstation. Sofort wird die Schreibtischoberfläche zum berührungsempfindlichen Display, und das Handy schaltet von Privat auf Business.

Jüngst stellte Microsoft das "Surface"-Konzept vor: Einen Schreibtisch, in dem ein großer berührungsempfindlicher Bildschirm integriert wurde. Außerdem scheint derzeit "Cloud Computing", also die Möglichkeit umfangreiche Rechenoperation und Speicherung von Inhalten von externen Servern ausführen zu lassen, der heilige IT-Gral zu sein. Verbindet man diese Technologien, kann das Mobiltelefon der Zugangsschlüssel sein. Egal, wo man sich befindet: Per Bluetooth, Wlan oder USB-Anschluß wird der Anwender mit dem gewünschten Netz verbunden.

Abgucken beim iPhone

Der Erfolg des Apple-Handys liegt sicher nicht allein an der Hardware, schließlich gibt es besser ausgestattete Geräte, die zudem mit weitaus attraktiveren Vertragsbedingungen zu bekommen sind, als es beim iPhone der Fall ist. Der Clou an dem Gerät ist die Software, die auch aus Technikmuffeln echte Spielkinder macht. So hat der App Store, über den iPhone-Nutzer Spiele und andere nützliche aber auch alberne Programme auf das Gerät laden können, inzwischen bei allen anderen Anbietern Nachahmer gefunden. Der Wunsch der Individualisierung scheint wie ein Virus die Handy-Nation zu infizieren. Auf Schulhöfen wird nicht mehr das Handy verglichen, sondern die beste Twitter-App. Die Bedienung der Geräte wird zum Kinderspiel - was auch Erwachsenen den Zugang zur eigentlich komplizierten Technik deutlich erleichtert. Sie lernen: Hightech ist nicht nur nützlich, sie macht auch Spaß.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie Handys per Fingerabdruck gesichert, Speicher vernetzt und Betriebssysteme überflüssig werden.

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KOMMENTARE (10 von 10)
 
RolfZinner (14.04.2009, 14:44 Uhr)
Leben mit den digitalen Alleskönnern
Es ist gar nicht so schwer, auchmit der Technik zu leben. Sie informiert und unterhält in der Freizeit und im Business. Wer lieber nur telefonieren will, der soll das doch tun, aber wer Spaß am Umgang mit den Medien hat, für den ist das iPhone mit seinen Klonen perfekt. Inzwischen gibt es auch (ausser den Spielen) tolle Anwendungen, um diese Geräte beruflich vernünftig ein zu setzen. Und was das Wichtigste ist, sie sind smart.
rinaldi (14.04.2009, 12:34 Uhr)
Apropos: Embryos
Schon die Bezeichnungen der Geräte sind verräterisch:
"Händie", "Navie" ...
Klingen wie Kitschwörter, mit denen unreife Erwachsene ihre armen kleinen Kinder -"Bäbies" - traktieren.
Fehlen bloß noch "Promis" wie "Schumi" u.a.
Lasst uns alle auf das Niveau der US-Amerikaner sinken, dann sind alle immer wunschlos glücklich.
rinaldi (14.04.2009, 12:21 Uhr)
Kann man wirklich so naiv sein?
Jede Fertigkeit, die man nicht übt, verkümmert.
Also: die Intensiv-Benutzer von "Navi", "Handy" ... sind schon jetzt graduell verblödet und werden immer mehr verblöden. Und sie werden immer abhängiger. Wie Embryos an der Nabelschnur.
Aber das ist ja wohl auch gewollt !!!
der-fisch (14.04.2009, 10:06 Uhr)
@zappuser
du geiler typ. trägst bestimmt n fell um die schultern und sammelst kastanien !
fällt dir was auf ? ich wette, sobald du ein iphone hast, kannst du es nicht mehr loslassen.
ich finde die technologie spitze. ob man sich davon abhängig machen will, muss halt jeder selber wissen. aber die technik ist atemberaubend ..., ausserdem kann man ganz prima selber entscheiden wie weit man diese technik für sich selber nutzt. ich kann trotzdem am feuer sitzen und gitarre spielen.
oh, ich hab einen beischlaftermin, tschöö
zappuser (14.04.2009, 09:15 Uhr)
Nicht mit mir,
Handy nur zum telefonieren, sonst nix. Ich lasse mich nicht derart von der Technik vereinnahmen.
confused (14.04.2009, 09:11 Uhr)
schöne aussichten
für die Mobilfunkbetreiber, denn eines hat der liebe Hr. Hightechschreiberling in dem Artikel vergessen. Das was er beschreibt zählt zu den Hochwertigen Endgeräten die Preis sogar mit TEUREM VERTRAG im obersten Preissegment angesiedelt sind, will heissen Geräte die sich "Otto Normalverbraucher" nicht zulegen wird zu züglich Vertragsmodell in der obersten Klasse. Jetzt mag es Unkenrufe geben von wegen, die Geräte werden irgendwann billiger, NEIN denn die sogenannten Alleskönner (nach heutigem Stand der Technik) sprich MDA oder PDA gibt es schon seit Jahren auf dem Markt und diese Geräte sind noch immer in einer Preisklasse angesiedelt wo man dann z.b. lieber einen schönen Wochenendausflug inkl. Übernachtung von macht mit zwei Personen. Daher diese Zukunftsvisionen der Anbieter werden Zukunftsvisionen bleiben ausser vielleicht für die mit Dicker Brieftasche in den oberen Etagen. Otto Normalverbraucher wird weiterhin Sex haben, und weiterhin sein Leben leben und sich Frau/Freundin selbst aussuchen *g*
arniston (14.04.2009, 00:31 Uhr)
von den leihen
wie soll ne frau den da schwanger werden,
kein wunder nix wird gebohren..
vegefranz (13.04.2009, 22:35 Uhr)
nur Dienstboten müssen immer erreichbar sein
ich habe seit 2 Jahren kein Handy mehr. Klappt trotzdem alles prima
EliasmachtMusik (13.04.2009, 19:14 Uhr)
Hilfe
Das ist ja schrecklich!
Dann ist das Ding ja nicht nur Begleiter, sondern man wird ja regelrecht existenziell abängig davon. Wenn man heute das Handy liegen lässt, ist es oft schon doof, aber machbar und verpasste Anrufe kann man zurückrufen später. Mit einem wie hier beschriebenem Gerät steht man irgendwann vor seiner Wohnung und kommt nicht mehr rein, weil das Handy drinnen liegt und es mich nur per Fingerabdruck rein lässt. Ohne diesen bin ich doch für mein Handy dann ein wilder Einbrecher, es ruft automatisch die Polizei und ich werde von meinem eigenen Handy automatisch verknackt und bleibe auf ewig dadrinnen, weil ich meinen Fingerabdruck nicht aufs Handy ditschen kann.
Und auch ohne worst case Szenario: Nachdem mir mein Handy wie im Artikel endlich das Schlafen erlaubt hat, bestimmt es mir dann auch, dass ich mittwochs um 3:43Uhr endlich mal wieder mit meinem Partner Sex haben sollte, weil sonst, laut Handy-Trainer und integriertem Yogaberater, die Gefahr lauert, dass des Partners Handy ihm berechnet, dass ich auf Dauer nicht gut für ihn bin???
Ahhhh,
ein irrer Wahnsinn.
Da mach ich lieber Lagerfeuer am Strand und schalt mein Handy mal in Ruhe ab!
Danke und Prost,
Arno
Laberschlumpf (10.04.2009, 22:30 Uhr)
klasse artikel
sehr realistisches szenario und schön geschrieben.
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