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Apple TV 4K im Test: Scharfe Versprechen

Mit dem Apple TV 4K rüstet Apple im Wohnzimmer auf: Die Streamingbox macht jetzt knackscharfe Fernsehbilder. In unserem Test zeigte es eine große Stärke und eine Baustelle. Wir verraten, für wen sich die 199 Euro teure Box lohnt - und wer sie sich sparen sollte.

Die Siri-Remote hat nun einen weißen Ring. Im Hintergrund zu sehen der App Store des Apple TV 4K.

Die Siri-Remote hat nun einen weißen Ring. Im Hintergrund zu sehen der App Store des Apple TV 4K.

Die 20.15-Uhr-Diktatur ist vorbei. Wer einen Film schauen will, ist nicht mehr auf die Fernsehsender angewiesen. Vielmehr kann dank , Amazon Prime, iTunes und Sky jeder Mensch jederzeit schauen, was er will - und das so hochauflösend wie nie zuvor. UltraHD-Fernseher (auch als 4K bekannt) sind erschwinglich geworden und stehen bereits für wenige hundert Euro im Elektronikmarkt. 

Nur ein Konzern, der sich sonst gerne als Vorreiter sieht, glänzt in diesem Bereich bislang durch Abwesenheit: Apple. Das 2015 vorgestellte Apple TV der vierten Generation brachte zwar erstmals Apps auf die Mattscheibe, allerdings war bei Full-HD Schluss.

Mit dem neuen Apple TV 4K, der am 22. September im Handel steht, gibt es nun eine Streaming-Box mit UHD- und HDR-Unterstützung. Die bieten viele Konkurrenten allerdings auch schon. Wir haben Apples 4K-Box bereits ausführlich getestet und sagen, was sie kann, wo die Stärken und Schwächen liegen - und für wen sich ein Kauf lohnt.

Sieht dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich: das Apple TV 4K.

Sieht dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich: das Apple TV 4K.

Schnelle Einrichtung, kein HDMI-Kabel

Optisch bleibt alles beim Alten: Das 4K ist mattschwarz, handtellergroß und hat abgerundete Ecken. Da die Box ohnehin ein Dasein unter dem Fernseher fristet, ist das Aussehen im Grunde aber nebensächlich. Angeschlossen ist sie im Handumdrehen: Stecker in die Steckdose, HDMI-Kabel in den Fernseher (das ist trotz des hohen Preises nicht im Lieferumfang enthalten!) und los geht’s. 

Wer bereits ein  mit iOS 11 besitzt, muss das Telefon nur in die Nähe des Apple TV halten, anschließend zieht sich die Box die Wlan-Einstellungen direkt aus dem Smartphone. Cool! So dauert die Einrichtung keine zwei Minuten. Zugangsdaten für Netflix und Co. werden bei der iPhone-Kopplung allerdings nicht übertragen.

Weißer Ring ...

Die Fernbedienung ähnelt der Vorgängerin, es gibt nur ein verändertes Detail. Der Menü-Knopf ist mit einem weißen Ring von den übrigens fünf Buttons abgesetzt. Damit soll man die Fernbedienung nicht mehr versehentlich verkehrtherum greifen. An der Unterseite befindet sich eine Lightning-Buchse, mit der die Fernbedienung aufgeladen wird. Eine Ladung hält mehrere Monate. 

An der Oberseite befindet sich ein Touchfeld, das zugleich eine Riesentaste ist. Wischt man mit dem Finger darüber, kann man durch Menüs scrollen oder im Film vor- und zurückspulen. Das geht leicht von der Hand, nur das Eingeben von langen Passwörtern und E-Mail-Adressen erfordert Geduld.

... und stumme Siri

Die Siri-Sprachfernbedienung bietet verschiedene Sortier-Möglichkeiten um Filme zu entdecken: von Schauspielern ("Zeige mir Filme mit Til Schweiger") über die Bildqualität ("Zeige mir Filme in 4K") bis hin zu Genres ("Zeige mir Komödien aus den Neunzigern"). Man sollte deutlich sprechen, vor allem bei englischen Begriffen gibt es ab und zu Verständigungsprobleme. Und stumm ist Siri immer noch. Das überrascht insofern, weil die Sprachassistentin mittlerweile sogar auf der Apple Watch Series 3 reden kann.

Unverständlich ist für uns, dass Siri auf dem Apple TV immer noch einen eingeschränkteren Umfang hat als auf dem iPhone. Bei Anfragen, die nichts mit Medienkonsum zu tun haben, weiß sie oft nicht weiter. Selbst bei lapidaren Fragen wie "Wer ist Donald Trump". Fragt man "Wie heißt der Sänger von Rammstein", wird man nur auf das letzte Album des Berliner Sextetts verwiesen - bei der Antwort muss Siri passen (es ist Till Lindemann). Hier muss unbedingt nachbessern, zumal Siri auf anderen Geräten schon viel mehr kann!

Wer Bedenken bezüglich der Privatsphäre hat: Ein Always-on-Mikrofon, wie es etwa Amazons Echo-Lautsprecher hat, besitzt das Apple TV 4K nicht. Die Fernbedienung hört nur auf Knopfdruck mit. Man kann die Funktion also auch ignorieren.

Zum Start gibt es viele 4K-Filme der großen Studios, auch dank Netflix-Anbindung

Zum Start gibt es viele 4K-Filme der großen Studios, auch dank Netflix-Anbindung

Viermal schärfer als Full-HD

Die wesentliche Neuerung der fünften Generation des Apple TV verrät bereits der Name: Erstmals wird 4K unterstützt - auch als UltraHD (UHD) bekannt -, ebenso die Bildstandards HDR (High Dynamic Range) und Dolby Vision. Vor allem Letztere heben die Bildqualität auf ein völlig neues Level: Vereinfacht gesagt stellen Fernseher durch die Technologie einen überdurchschnittlich hohen Kontrast und ein breiteres Farbspektrum dar. Extrem grelle Lichter können neben tiefdunklen Abschnitten angezeigt werden. Dadurch wirken Filme natürlicher und es sind mehr Details sichtbar. Entscheidend hierbei sind natürlich auch die Qualität des TV-Displays und die richtigen Einstellungen. 

Dazu passend hat Apple das Sortiment des iTunes Store umgestellt. Und punktet mit einer Überraschung: Sämtliche bereits bei iTunes gekauften Filme werden automatisch und kostenlos auf UltraHD hochgestuft, sofern der Film in der höheren Auflösung bereit steht. So etwas bieten Google und Co. nicht einmal gegen Aufpreis!

4K-Filme zum HD-Preis

Zum Start stehen noch nicht alle erhältlichen 4K-Filme bereit, doch das Angebot wächst kontinuierlich. Apple scheint viele Studios mit ins Boot geholt zu haben. 4K-Filme sind im Übrigen genauso teuer wie die Full-HD-Versionen, vereinzelt kann man also schon Schnäppchen für wenige Euro machen (etwa die Komödie "Man lernt nie aus“ für 3,99 Euro in UltraHD). Auch aktuelle Filme sind vergleichsweise günstig: "Kong: Skull Island" kostet 13,99 Euro, für die entsprechende UHD-Blu-Ray werden 27 Euro fällig. Einen aktuellen Film ("Phantastische Tierwesen", "Logan", "Lego Batman Movie") kann man sich für rund vier Euro ausleihen. Netflix bietet zudem viele 4K-Inhalte, die bereits im Abonnement enthalten sind.

Wichtig: Um die volle Qualität darstellen zu können, schließen Sie das Apple TV 4K unbedingt mit einem Premium High Speed HDMI-Kabel an den Fernseher an.

7.1-Ton wird unterstützt - für die meisten Wohnzimmer mehr als ausreichend. Sound-Enthusiasten haben vermutlich noch auf Dolby Atmos und Co. gehofft.

7.1-Ton wird unterstützt - für die meisten Wohnzimmer mehr als ausreichend. Sound-Enthusiasten haben vermutlich noch auf Dolby Atmos und Co. gehofft.


Bluetooth an Bord, kein Dolby Atmos

Der Großteil der Filme wird mit Tonspuren in Dolby Digital 5.1 angeboten, einzelne Titel wie "Logan" sind in Dolby Digital Plus 7.1 verfügbar. Für die meisten Wohnzimmer-Anlagen ist das mehr als ausreichend. Hochauflösende Tonspuren wie DTS-HD oder Dolby Atmos sind auf iTunes leider nicht erhältlich. Das ist insofern schade, weil einige Besitzer eines Dolby-Vision-Fernsehers vermutlich auch entsprechend hochwertige Soundanlagen ihr Eigen nennen. Man kann sich aber ein Stück weit behelfen, in dem man Filme mit DTS-Tonspuren mit der Infuse-App (kostet 5,99 Euro) wiedergibt.

Ein Feature, das uns gut gefallen hat: Das Apple TV kann den Ton auch via Bluetooth ausgeben, zum Beispiel an Kopfhörer oder Bluetooth-Lautsprecher. Auf diese Weise kann man Filme schauen, ohne den Partner zu stören. Apropos Bluetooth: Im Apple TV 4K steckt ein Bluetooth-5-Chip. Was die neue Technik kann, können Sie hier nachlesen. Am meisten profitieren davon Besitzer von Smart-Home-Geräten mit Apples HomeKit-Support - darunter Fenstersensoren, Funksteckdosen, Luftfeuchtigkeitsmonitore oder Heizkörperthermostate. Dadurch wird etwa die Reichweite erhöht.

Damit das neue Apple TV nicht so schnell heiß läuft, hat es im Gegensatz zum Vorgänger einen Belüftungsschlitz.

Damit das neue Apple TV nicht so schnell heiß läuft, hat es im Gegensatz zum Vorgänger einen Belüftungsschlitz.

Viele Konkurrenten

So weit zur Hardware. Die ist gut, mit ihr setzt Cupertino aber keine Maßstäbe, sondern schließt lediglich zur Konkurrenz auf. Letztlich bleibt Apple beim Kampf ums Wohnzimmer im Spiel. Dafür sind 199 Euro viel Geld. Amazons Fire TV 4K kostet nur die Hälfte, unterstützt aber kein HDR. Googles Chromecast Ultra (79 Euro) unterstützt 4K und HDR, besitzt aber weniger Anschlüsse (kein Ethernet) und keine eigene Fernbedienung. Hier muss man immer zum Smartphone greifen.

Die mächtigste Konkurrenz ist Nvidias Shield TV. Das beherrscht ebenfalls 4K, HDR und auch Dolby Atmos, kostet aber noch mehr als der Apple TV. Die günstigste Konkurrenz sind die bereits eingebauten Apps in vielen Smart-TVs, die aber in der Benutzerführung meist mittelmäßig sind.

Inhalte stehen an erster Stelle

Viel entscheidender als die technische Ausstattung ist beim Apple TV ohnehin die Software. "Die Zukunft des Fernsehens sind Apps", erklärte Tim Cook wiederholt. Neben Koch- und Fitness-Apps sowie aufwendig programmierten Spielen (der A10X-Chip ermöglicht detailreichere Spielegrafik) will man vor allem mit Inhalten punkten: "Ende des Jahres" kommt Amazon Prime Video auf das Apple TV, samt der Amazon Channels. Der Zwist der beiden Unternehmen wurde offenbar beigelegt, zur Freude vieler Nutzer.

Damit sind die beiden größten Streamingdienste - Netflix und Amazon - hierzulande vertreten, ebenso die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen (ARD, ZDF, Arte) sowie Sky Ticket und Maxdome. In den USA hat man mit ESPN und HBO zwei weitere Schwergewichte an Bord. In den Staaten überträgt Apple demnächst auch Live Sport, hierzulande sind die entsprechenden Rechte offenbar noch nicht verhandelt. Nur Spotify sucht man noch vergebens, vorinstalliert ist Apple Music.

Apple will sein eigenes "Game of Thrones" 

Das ist nur der Anfang. Es bestehen keine Zweifel daran, dass Apple größere Ambitionen hegt: Mit "Planet of the Apps“, "Carpool Karaoke" und "Vital Signs" hat man bereits erste Erfahrungen gesammelt, auch wenn es sich dabei nur um kleine Produktionen handelt. Aber die Verpflichtung diverser Sony-Manager - darunter Jamie Erlicht und Zack Van Amburg, die bei "Breaking Bad" und "The Crown" ihre Finger im Spiel hatten - zeigt, dass es der Konzern ernst meint. Es dürfte keine Frage sein, ob Apple in das Streaming-Geschfäft vorstößt, sondern nur noch wann.

Die Services-Sparte ist mittlerweile einer der wichtigsten Umsatztreiber. Dazu zählen neben iCloud-Zahlungen und iTunes-Käufen auch Abonnements für Apple Music. Bislang spült das rund sieben Milliarden Dollar pro Quartal in Apples Kassen, langfristig peilt Cook noch größere Summen an.

Dafür braucht er jede Menge Inhalte, welche die Nutzer bei der Stange halten. In der Branche munkelt man über eine Milliarde Dollar, die Apple in Exklusiv-Inhalte (Serien, Filme, Dokumentationen …) investieren will. Das entspräche zehn Serien im Kaliber eines "Game of Thrones". Die könnte man vermutlich nur auf einem Apple TV sehen. Damit würden die Inhalte das Hardwaregeschäft ankurbeln und nicht mehr anders herum. Klar: Netflix investiert sechs Milliarden pro Jahr in eigene Formate, doch auch der Streaming-Gigant hat mal klein angefangen.

Mit 199 Euro ist das Apple TV 4K teurer als die meisten Konkurrenten. Das Menü ist mit seinen großen Bildern und Kacheln dafür deutlich übersichtlicher als bei vielen Mitbewerbern. Nur an Siri muss der Konzern noch arbeiten.

Mit 199 Euro ist das Apple TV 4K teurer als die meisten Konkurrenten. Das Menü ist mit seinen großen Bildern und Kacheln dafür deutlich übersichtlicher als bei vielen Mitbewerbern. Nur an Siri muss der Konzern noch arbeiten.


Fazit: Gute, aber teure Ergänzung zum Apple-Ökosystem

Die Stärken des Apple TV 4K sind die simple Einrichtung und das umfangreiche iTunes-Sortiment. Aktuelle Blockbuster bekommt man parallel zum Blu-ray-Release, einige 4K-Filme gibt es bereits für wenige Euro. Bereits gekaufte Filme werden kostenlos auf UltraHD und HDR (sofern verfügbar) aktualisiert. Der A10X-Chip hat viel Rechenpower, sodass sämtliche Apps ohne nervige Ruckler laufen. Netflix und Sky sind schon an Bord, Ende des Jahres auch Amazon Prime. Und mit Bluetooth 5.0 ist die Box gut für die Zukunft gerüstet. Für die meisten Bedürfnisse dürfte das Apple TV 4K mehr als ausreichend sein.

Die größte Baustelle ist Siri. Der Sprachassistent ist auf dem Apple TV einfach nicht clever genug. Hier muss Apple noch nachbessern. Die Unterstützung von HD-Tonformaten wie DTS-HDMA oder Dolby Atmos sollte - sofern möglich - per Software-Update nachgereicht werden.

Noch fehlt ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Zwar gibt es den Streamingdienst Apple Music oder AirPlay (zur drahtlosen Übertragung von iPhone/iPad/Mac-Inhalten) nur auf dem Apple TV 4K. Doch ob und wann etwa die Live-Sport-App hierzulande verfügbar sein wird, ist noch offen. Und wann man die erste Blockbuster-Serie mit dem angebissenen Apfel im Vorspann startet, weiß derzeit wohl auch nur der engste Kreis um Tim Cook. Für 199 Euro kauft man noch einige Versprechen.

Vorteile

Nachteile

4K-Auflösung

Kein HD-Ton

Dolby Vision / HDR

Siri nur eingeschränkt nutzbar

Gute Preise auf iTunes

Wenig Exklusives

Netflix, Sky und bald Amazon Prime Video an Bord

Kein HDMI-Kabel im Lieferumfang

AirPlay-Unterstützung und Bluetooth 5.0

hoher Preis

Grafisch aufwendige Spiele möglich

 

HomeKit-Support

 

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