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Gigaset ME im Test: Smartphone-Neuling mit Macken

Das Gigaset ME ist das erste Smartphone des deutschen Herstellers von DECT-Telefonen und Smart-Home-Produkten. Der Neuling besticht optisch wie haptisch, auch die Technik stimmt – mit einer Ausnahme, wie der connect-Test zeigt.

Von "Connect"-Redakteur Michael Peuckert

  Das neue Gigaset ME

Das neue Gigaset ME

Gigaset ist für seine guten DECT-Telefone bekannt und machte auch einen kurzen Ausflug in den Tablet-Markt. Nun geht das deutsche Unternehmen mit einem kleinen, aber feinen Smartphone/Phablet-Portfolio an den Start. Die Fachzeitschrift "Connect" hat das mittlere von drei Modellen, das Gigaset ME für 469 Euro, näher angeschaut und auf Herz und Nieren getestet.

Edelphone im Maßanzug

Bereits die edel aufgemachte Verpackung des ME lässt einiges erwarten - und der Käufer wird nicht enttäuscht. Denn was er erblickt, ist zunächst ein optischer und - nach dem ersten Zugriff - auch ein haptischer Leckerbissen an Smartphone. Das ME liegt mit seiner Kombination aus an den Rändern sanft gewölbtem Gorilla-Glas für Vorder- und Rückseite sowie einem breiten Edelstahlrahmen voll im Trend der High-End-Smartphones. Dazu gesellt sich eine perfekte Verarbeitung und dank der komplett geschlossenen Gerätefront ein eigenständiger Look.

Die Kehrseite der Medaille ist jedoch das enorme Gewicht von gemessenen 170 Gramm, das sogar die Herstellerangabe um 10 Gramm toppt. Auch ist das Gehäuse durch das Glas und die abgerundeten Kanten tendenziell eher etwas rutschig. Doch wie heißt es so treffend? Richtig, wer schön sein will, muss leiden.

Apropos schön: Das 5 Zoll große IPS-Display bringt die Inhalte knackscharf, farbneutral und bei Bedarf auch richtig hell an den Mann oder die Frau. In Verbindung mit der Auflösung von 1080 x 1920 Bildpunkten erreicht das ME so eine feine Pixeldichte von 443 ppi.

Mit diesem Smartphone meldet sich Gigaset zurück
  Optisch erinnert das Gigaset ME an Apples iPhone 6s

Optisch erinnert das Gigaset ME an Apples iPhone 6s

Beste Zutaten unter der Haube

Auch sonst heißt es bei Gigaset: Klotzen, nicht kleckern! Dies beginnt beim modernen USB-C-Anschluss (ein Adapterkabel auf USB-A liegt dem ME bei) und endet bei der Schnellladefunktion für den 3000 mAh großen Akku, der so bereits nach zehn Minuten etwa 15 Prozent Ladung erreicht hat. Unter der schicken Haube kommt die 1,8 GHz schnelle Octa-Core-Plattform Snapdragon 810 von Qualcomm zum Einsatz, der Arbeitsspeicher trumpft mit satten 3 GB auf, für den Nutzer stehen zudem etwa 20,5 GB Speicherplatz zur freien Verfügung bereit.

So gerüstet kann das Gigaset ME im Test auch bei den Benchmarks positiv auffallen. Dazu beherrscht das Android-5.1.1-Modell (ein Update auf Android 6 soll es geben) auch die Dual-SIM-Funktion. Der zweite Slot lässt sich alternativ aber auch mit einer Micro-SD-Speicherkarte bestücken, so kann man den Nutzerspeicher um bis zu 128 GB erweitern.

Auch sonst gibt es bei der Ausstattung kaum Lücken zu entdecken. LTE, HSPA+, ac-WLAN und Bluetooth 4.1 stehen dem Gigaset gut zu Gesicht. Dazu gesellen sich zahlreiche Sensoren, darunter auch ein Puls- und ein Fingerprintsensor. Letzterer hatte im Test allerdings öfter Probleme, den Finger des Testers zuverlässig und schnell zu erkennen.

Die Benutzeroberfläche Gigaset UI ist sehr zurückhaltend gestaltet, orientiert sich stark am nativen Android und kommt so ohne große Überraschungen daher. Hier erwartet der ambitionierte Nutzer von einem Top- Smartphone oft doch etwas mehr.

Kamera schwächelt, Sound top

Auch bei der Kamera geht Gigaset in die Vollen. So löst der Sensor mit hohen 16 Megapixeln auf, besitzt ein doppeltes Fotolicht mit unterschiedlichen Farbtemperaturen, einen besonders flotten Autofokus und lässt sich über den Fingerprintsensor auch auslösen.

Und hier gibt es auch softwareseitig einiges zu entdecken. Die Eckdaten sind also top, doch die Bildqualität will nicht so recht mithalten. So fehlte es den Testaufnahmen bereits bei guten Lichtverhältnissen an Details, bei schwacher Ausleuchtung stieg der Rauschanteil der Aufnahmen erheblich an. In der ersten Smartphone-Liga sind wir da Besseres gewöhnt.

Diese Scharte möchte das ME mit einer starken Audio-Performance ausgleichen, denn das Gigaset hat sich voll und ganz dem guten Ton verschrieben. So beherrscht das ME nicht nur den hochwertigen aptX-Codec bei Bluetooth, sondern kommt auch mit einem optimierten Hi-Fi-Chipsatz samt Dirac HD-Sound aus dem Karton. Der Musikplayer beherrscht dann auch folgerichtig die Wiedergabe von HiRes-Audiodateien, also von hochauflösenden Musikquellen. Nur konsequent ist, dass dem ME ein recht gut klingendes und angenehm sitzendes In-Ear-Headset beiliegt. Lediglich die Flachbandleitung gibt sich im Alltag etwas widerspenstig.

Starker Empfang, miese Akustik

Im Labor musste das ME dann beweisen, was es in den Disziplinen Ausdauer, Funk und Akustik zu bieten hat. Mit Gesprächszeiten von über 24 Stunden im GSM- und starken 12:40 Stunden im UMTS-Betrieb bietet der Akku eine top Performance. Auch die erreichten sieben Stunden im praxisnahen Displaybetrieb liegen im grünen Bereich. Ein dickes Lob verdient sich das ME auch bei den Ergebnissen zur Sende- und Empfangsqualität, die durch die Bank ausgezeichnet sind - und das ist wahrliche keine Selbstverständlichkeit bei einem Newcomer. Enttäuschend fiel dagegen das Ergebnis für die Akustik in Empfangsrichtung aus: Hier verliert das Gigaset zahlreiche Punkte, da es auf einen Lautsprecher für Telefonie verzichtet.

In der Summe erreicht das Gigaset ME trotz der genannten Probleme starke 420 von 500 möglichen Punkten. Rein haptisch spielt es bereits jetzt in der ersten Liga, mit Lautsprecher und verbesserter Kamera könnte das ME auch technisch voll überzeugen.

Vorteile

Nachteile

Edles Design und feine Materialien

Akustikschwächen

Hervorragende Verarbeitung

Eintönige Benutzeroberfläche

Brillantes und helles IPS-Display

Sehr hohes Gewicht

20,5 GB interner Speicher

Fest verbauter Akku

Umfangreiche Ausstattung

Hohe Fehlerrate bei Fingerabdruckscanner

DUAL-SIM-Funktion

Kamera mit Schwächen

Wechselspeicherslot

 

In Zusammenarbeit mit "Connect"
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