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iPad Pro im Test: Kommt es doch auf die Größe an?

Apple hat mit dem iPad Pro ein riesiges XXL-Tablet herausgebracht. Doch lohnt sich der Kauf? Und was kann der Apple-Zeichenstift? Unser Test verrät's.

iPad pro

Groß, größer, iPad Pro

"Ist das groß." "Das ist ja RIESIG!" Egal, wer das neue iPad Pro in die Finger bekommt, die schiere Größe von Apples neuestem Tablet sorgt zunächst für Staunen. Schon nach dem ersten Auspacken steht fest: Der XXL-Bildschirm ist definitiv ein Hingucker. Doch braucht man so ein großes Display überhaupt? Wie schlägt sich das iPad Pro im Alltag? Und ist es wirklich ein Ersatz für den Laptop, wie Tim Cook behauptet? Wir haben das iPad Pro mit dem neuen Apple Pencil ausführlich getestet.

Riesen-Screen mit kleinen Symbolen

Betrachten wir zunächst einmal das Herzstück des iPad Pro, den Bildschirm. Er misst 12,9 Zoll (32,76 Zentimeter), damit ist er 78 Prozent größer als beim iPad Air 2. Das ist vergleichbar mit dem Bildschirm eines Macbook Pro oder einem DIN-A4-Blatt. Damit setzt das iPad Pro im Apple-Universum Maßstäbe. Auf dem größeren Screen kann man zwei Apps parallel nutzen, etwa die E-Mail-App und den Browser oder die Textverarbeitung Pages und den Kartendienst Maps. Jedes Fenster ist dann fast so groß wie ein iPad Mini. Um den Splitscreen-Modus zu aktivieren, reicht eine Wischgeste vom rechten Rand nach links. Schade: Die neue 3D-Touch-Technik vom iPhone 6s unterstützt das iPad Pro leider nicht.

Was uns auf dem Home-Screen direkt auffällt: Zwar sind die App-Symbole relativ groß - sogar größer als ein Daumennagel -, allerdings wirken die kleinen Symbole auf dem riesigen Homescreen trotzdem ziemlich verloren. Zwischen zwei Apps passen problemlos Zeige- und Mittelfinger. Warum das kleine iPhone 6s sechs App-Reihen anzeigen kann, beim viel größeren iPad Pro aber nach fünf Symbol-Reihen Schluss ist, weiß wohl nur Apple. Sinnvoll ist das jedenfalls nicht.

Viele Pixel, tolle Lautsprecher

Aber kein Nutzer wird viel Zeit auf dem Homescreen verbringen. iPads wurden für Apps gemacht, und die sehen fantastisch aus - zumindest wenn sie für die neue Auflösung optimiert wurden. Nicht angepasste Apps werden hochskaliert. Auf den Bildschirm quetschen sich 5,6 Millionen Pixel (Auflösung: 2732 x 2048), wodurch Inhalte knackscharf angezeigt werden. Natürlich gibt es längst schärfere Displays, doch einzelne Pixel muss man hier mit der Lupe suchen. Der Bildschirm hat einen guten Kontrast sowie natürliche Farben. Es macht einfach Spaß, mit dem iPad Pro auf der Couch zu liegen und durch ein eMag zu blättern oder die Lieblings-Serie bei Netflix anzuschauen.

Dank der vier Lautsprecher (2x oben, 2x unten) ist der Sound lauter und voller als bei den kleineren Modellen. Wenn man das iPad im Querformat hält, verdeckt man die unteren Lautsprecher. Um das auszugleichen, hat sich Apple einen cleveren Trick einfallen lassen: Die unteren Lautsprecher sind immer bassbetont, die oberen Lautsprecher sorgen für Mitten und Höhen. An die Qualität guter Kopfhörer kommt das iPad logischerweise nicht heran, dennoch ist der Stereo-Sound für solch ein flaches Gehäuse erstaunlich.

  Zum Daddeln auf dem Sofa eignet sich das iPad Pro vorzüglich - dank des hohen Gewichts bekommt man aber früher oder später einen Krampf im Arm.

Zum Daddeln auf dem Sofa eignet sich das iPad Pro vorzüglich - dank des hohen Gewichts bekommt man aber früher oder später einen Krampf im Arm.

Schnell und dick

Auf Dauer geht der Serienspaß ziemlich aufs Handgelenk. Denn das iPad Pro ist mit 7,2 Millimetern zwar ziemlich dünn, mit 738 Gramm aber auch ein ganz schön schwerer Brocken. Zum Vergleich: Damit bringt es fast so viel auf die Waage wie das iPad Air 2 (437 Gramm) und das iPad Mini 4 (299 Gramm) zusammen! In einer Hand kann man das Tablet auf Dauer jedenfalls nicht halten. Und auch im Rucksack spürt man das Zusatzgewicht.

Tim Cook bezeichnet das Tablet selbstbewusst als Ersatz zum Laptop. Zumindest bei der Performance muss sich das iPad Pro nicht vor den Klapprechnern verstecken. Das US-Portal "Ars Technica" hat das Tablet mit diversen Benchmarks, das sind Programme zum Ermitteln der Leistungsfähigkeit, an seine Grenzen gebracht. Fazit: Das iPad Pro ist verdammt schnell. In einigen Fällen ist es sogar schneller als ein Macbook. Weder aufwendige 3D-Games noch diverse Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop bringen das iPad Pro ins Schwitzen. Man kann in einem Videobearbeitungs-Programm sogar mehrere Filme parallel bearbeiten. Beeindruckend.

Nicht jedes Programm gibt es für iOS

Aber nicht jedes Programm, das auf einem Laptop läuft, gibt es auch für das iPad Pro. Hier ist das iOS-Betriebssystem der limitierende Faktor. Wer nur surfen, E-Mails schreiben oder zeichnen will, dürfte mit dem iPad zufrieden sein. Wer jedoch auf spezielle Software angewiesen ist, sollte vorab prüfen, welche Programme es im App Store gibt - und welche nicht.

Ein weiterer Kritikpunkt: Daten kann man nicht einfach über einen USB-Stick auf das iPad Pro schaufeln. Anders als bei Microsofts Surface Pro 4 fehlt der nötige USB-Anschluss. Dafür gibt es das iPad Pro auch in einer LTE-Variante, die mobiles Internet unterstützt.

Apple gibt die Akkulaufzeit mit zehn Stunden an. In der Praxis hält das iPad - je nach Auslastung und Bildschirmhelligkeit - zwischen acht und elf Stunden durch. Das ist ausreichend, aber nicht überragend. Ist der Akku leergesaugt, dauert das vollständige Aufladen etwa vier Stunden.

Die beiden Kameras (Vorder- und Rückseite) sind nicht der Rede wert. Sie knipsen annehmbare Bilder, an die Bildqualität moderner Smartphones kommen sie nicht heran. Allerdings kauft auch kaum jemand ein Tablet wegen seiner Kamera. Einen passenden Selfie-Stick gibt es ohnehin (noch) nicht.

iPad pro

Mit einer separaten Tastatur kann man auf dem iPad Pro bequem schreiben. Ein vollwertiger Laptop-Ersatz wird das XXL-Tablet damit aber nicht.

Tastatur: Macbook light

Die wohl bemerkenswerteste Neuerung beim iPad Pro ist ausgerechnet das Zubehör. Apple selbst bietet eine Schutzhülle mit eingebauter Tastatur an. Wir konnten die 179 Euro teure Tastatur leider nicht testen und haben stattdessen die Create von Logitech ausprobiert. Sie ist mit 150 Euro ebenfalls kein Schnäppchen, bietet aber einige interessante Neuerungen - etwa eine Tasten-Hintergrundbeleuchtung und iOS-Sondertasten zur Regulierung der Bildschirmhelligkeit. In Zukunft wird es sicher einige Alternativen zur Auswahl geben.

Stylus: Apple geht stiften

Das zweite neue Zubehör ist der Apple Pencil (Preis: 109 Euro). Lange hat Apple die Zeichenstifte verschmäht, legendär ist Steve Jobs' Ausspruch "Wer will einen Stylus?". Doch die Technik-Welt hat sich weiterentwickelt. Und zu was Eingabestifte in der Lage sind, haben Microsoft mit dem Surface Pro und Samsung mit seiner Note-Reihe bewiesen. Das Apple nun nachzieht, war überfällig.

Der Stift selbst reagiert flink und liegt gut in der Hand. Mit ihm kann man präzise zeichnen, es gibt keine spürbaren Latenzen. Der Apple Pencil erkennt sogar unterschiedliche Druckstufen, sodass man etwa schraffieren kann. Was der Stift kann und ob er sich für Grafiker eignet, zeigen wir in diesem Video,in dem stern-Karikaturist Tobias Schülert die Vor- und Nachteile aus der Sicht eines Zeichners erklärt.

Das größte Manko: Der Apple Pencil hat keinen Clip, er lässt sich nicht am iPad Pro befestigen. Es gibt weder einen Einsteckschacht, noch eine magnetische Halterung. Vermutlich wird es bald Schutzhüllen mit einem Stift-Steckplatz von Drittherstellern geben, bislang muss man den Apple Pencil immer separat einstecken und aufpassen, dass man ihn nicht verliert.

Geladen wird der Apple Pencil über den Lightning-Anschluss. Dazu muss man nur die magnetische Kappe am hinteren Ende des Stifts entfernen und das Ende in den Lightning-Port des iPad Pro stecken. Dabei sollte das iPad allerdings liegen, denn sonst riskiert man schnell, dass der Stecker abbricht. Wer das nicht riskieren möchte, schließt den Stift per Adapter an das reguläre iPad-Ladekabel an. Eine vollständige Ladung mit etwa 12 Stunden Laufzeit dauert eine knappe halbe Stunde. Eine Blitzladung von 15 Sekunden soll etwa 30 Minuten ermöglichen, verspricht Apple.

Auch wenn der Stift ein tolles Zeicheninstrument ist, außerhalb von Zeichenprogrammen hat er keine Tricks parat. Der Apple Pencil ist in der Systemoberfläche nicht so mächtig wie Samsungs S Pen. Der Samsung-Stift zeigt in einigen Programmen beispielsweise Zusatz-Informationen an oder bietet ein Schnellauswahlmenü. Vielleicht kann Apple hier in Zukunft mit einem Software-Update nachlegen.

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Filme machen auf dem iPad Pro wirklich Spaß

Fazit: Schick, aber teuer

Das iPad Pro ist das größte und schnellste Tablet im Apple-Universum. Die Verarbeitung ist tadellos. Apps, Filme und Fotos entfalten auf dem großen Bildschirm ihre volle Wirkung. Wer gerne malt, wird den Apple Pencil zu schätzen wissen - unser Cartoonist ist von dem Stift jedenfalls begeistert. Das hohe Gewicht schränkt das iPad Pro in der Mobilität leider ein.

Ein Laptop-Ersatz, wie es Tim Cook behauptet, ist das iPad Pro definitiv nicht. Dafür fehlen zu viele Anschlüsse. Man kann keine Maus anschließen, keinen Drucker, keine USB-Sticks. Und iOS ist nicht so vielseitig wie Mac OS X. Wer Spezialprogramme zum Arbeiten benötigt, wird um einen Laptop nicht herumkommen - oder Microsofts Surface Pro 4, das dank Windows 10 deutlich vielseitiger einsetzbar ist.

Und beim Blick aufs Preisschild muss man erst einmal schlucken: Das kleinste Modell (32 GB, nur Wlan) kostet 899 Euro. Für die Top-Ausstattung (128 GB, LTE) werden sogar 1229 Euro fällig. Dafür kriegt man auch schon ein gut ausgestattetes Notebook plus Tablet - muss dann aber zwei Geräte herumschleppen.

VorteileNachteile
rasend schnellziemlich schwer
toller, großer Bildschirmsehr teuer
LTE-Version verfügbarDisplay ohne 3D Touch
super Verarbeitungkein USB- oder SD-Slot
guter Sound
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

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