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Nostalgie, die nur nervt: Nokias neuer Knochen im Test

Nokia ist zurück und bringt stilecht ein Handy mit. Ja, genau, ein Handy - kein Smartphone. Wir haben es ausprobiert und uns auf eine nervenaufreibende Zeitreise begeben.

Die Vorderseite des Nokia 150

Das Nokia 150 ist ein klassisches Handy - wenn auch einem größeren Display. Eigentlich ist Mobilcom-Debitel in Deutschland exklusiver Vertriebspartner, man kann es aber im Netz auch bei anderen Shops kaufen.

2002 war die Welt noch in Ordnung für . Apple machte bunte Computer und weiße MP3-Player, auf dem Handy-Markt waren die Finnen der ungeschlagene Champion. Dann kam vor zehn Jahren das iPhone und veränderte alles. Nokia verpasste die Entwicklung und blieb nur noch ein Schatten seiner selbst. Jetzt versuchen sie sich erneut an einem Handy. Wir haben es getestet. Es ist wirklich genau wie früher - leider inklusive sämtlicher nerviger Macken.

Erst einmal ist man überrascht, wie leicht so ein klassisches Handy ist. Dann fällt irgendwann auf, dass man bloß noch nicht den Akku eingesetzt hat. Muss man heute in der Regel ja nicht mehr. Leichter als ein Smartphone ist das Nokia 150 aber auch mit Batterie. Nächster Schreck: Die Sim-Karte aus dem iPhone passt natürlich nicht. Ins Nokia 150 muss eine der alten Riesen-Sim-Karten, die im gefühlten A4-Format. Ein Adapter muss her.

Echte Tasten müssen piepsen

In der Zwischenzeit kann man sich aber mal das Gerät ansehen: Schlichtes Plastik, zurückhaltendes abgerundetes Design, ordentlich verarbeitet. Die T9-Tastatur drückt sich recht angenehm, natürlich muss sie mit Tastentönen nerven. Sind aber abstellbar. Das Display ist nach heutigen Maßstäben winzig, im Vergleich zum Nokia 3310 sind die 2,4 Zoll trotzdem gigantisch. Und sogar in Farbe. So schick wie bei einem sieht es trotzdem nicht aus. Aber man kauft sich das Nokia 150 auch nicht, um darauf Filme zu schauen. Obwohl ein Videoplayer installiert ist.

Schließlich ist das Nokia 150 ein klassisches Handy: Telefonieren, SMS (mit T9), Wecker, ein rudimentärer Kalender, MP3 per microSD-Karte. Internetfunktionen wie Mail oder einen Browser sucht man vergebens. Dafür kann man aber Snake spielen. Nostalgie erzeugt die Pseudo-aufgebohrte Version, in der die Schlange sogar einen Kopf und ein Muster hat, dann aber doch nicht. Leider scheint sie das Handy zu stark zu belasten, so dass eine Verzögerung präzises Wenden praktisch unmöglich macht. Es ist einfach nichts mehr, was es früher mal war.

Das Nokia 150 liegt mit der Rückseite nach oben an einem Kicker-Tisch

Die schlichte Rückseite des Nokia. Wegen des geringen Preises kann man es auch unbesorgt in die Kneipe mitnehmen - nur die Instagram-Bilder müssen dann halt ausfallen

 

Nicht mal Snake ist noch, was es mal war

Dafür hat das Nokia 150 auch wirklich alle Macken, die man an seinem alten hasste. Man ruft aus Versehen jemanden an, weil man die Tastensperre vergessen hat. Ja, das hat man erfolgreich verdrängt. Die Kamera ist natürlich komplett unbrauchbar. Am schlimmsten ist aber das Menü: Es sieht aus, wie ein Smartphone-Homescreen mit App-Symbolen, in dem man dann aber nicht touchen, sondern mit dem Steuerknopf manövrieren darf. Dahinter verbirgt sich das, was wirklich keiner vermisst hat: Völlig sinnlos verschachtelte, umständliche Menüs.

Denn warum sollte die Taschenlampe auch gleich angehen, wenn man das Symbol auswählt, wenn sich stattdessen ein Dialog öffnen kann, in dem man dann "Aus" oder "Ein" auswählen darf? Das Beste ist, dass sich die Anwendung nach der Auswahl natürlich schließt. Zum Ausmachen darf man sich also wieder durchs Menü wurschteln. Herrlich, ganz wie früher.

Nur in einem Fall ist man dann doch wieder ein bisschen traurig, wenn man die Sim dann endlich wieder in sein Smartphone steckt: Die Akkuanzeige hat sich im Laufe mehrerer Tage wirklich überhaupt nicht bewegt. Da glaubt man tatsächlich, dass es die von Hersteller HMD versprochenen 31 Tage Akkulaufzeit und 22 Stunden Dauertelefonie durchhält. Solange wollte man es aber doch nicht mit sich herumtragen. Wobei - ein Smartphone würde wohl auch längere Laufzeiten schaffen, wenn man es so gut wie gar nicht benutzen würde.

Fazit: Tolles Angebot für Smartphone-Hasser

Das Nokia 150 ist ein Handy, sogar ein recht ordentliches. Der Akku hält tatsächlich lang, die Verarbeitung ist in Ordnung, telefonieren kann man auch. Mehr darf man aber wirklich nicht erwarten. Selbst SMS zu schreiben, ist für jeden, der ein Smartphone gewohnt ist, eine elendige Qual. Mancher mag genau so etwas suchen, vielleicht sogar gezielt den Smartphone-Konsum etwas herunterfahren. Oder einfach ein Notfall-Handy im Auto haben. Dieses Menschen dürfen zum Preis von knapp 37 Euro bedenkenlos zuschlagen. Zu dem Preis taugt es vielleicht sogar als Scherzgeschenk für Smartphone-Fanatiker. Auf dieses Gerät wird Nokia sein Comeback wohl nicht aufbauen können.

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