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Big Brother auf Rädern - Snowdens neueste Enthüllungen

Vermutlich sind wir alle längst Mitglieder einer weltweiten "NSA-Community", meint Thomas Ammann

Alarm bei den Vereinten Nationen: Die US-Kommunikationsgesellschaft AT&T gewährte der NSA mindestens zehn Jahre lang den Zugang zu Kundeninformationen - darunter Milliarden von E-Mails. Das zeigen die neuesten Dokumente aus dem schier unerschöpflichen Fundus von Edward Snowden.

Zu den Kunden von AT&T zählt auch die Zentrale der Vereinten Nationen in New York, aber nicht nur sie. Auch in Deutschland ist man gut vernetzt. So betreibt AT&T das Kommunikationsnetzwerk für den BMW-Konzernsitz in München und für die jeweiligen Zentralen in Kanada, Mexiko und, natürlich für die USA. Die NSA weiß jetzt also mindestens, was die BMW-Mitarbeiter in den betroffenen Ländern so tun und denken.

Auto direkt mit der NSA vernetzt

Gravierender ist aber noch etwas anderes: Derzeit arbeitet AT&T mit verschiedenen Autoherstellern an der Vernetzung künftiger Fahrzeuggenerationen. So sollen Audi-Modelle demnächst dank AT&T über das schnelle LTE-Netz mit dem Internet verbunden werden; auch Ford, Volvo oder Tesla zählen zu den Kunden. Und der US-Gigant General Motors, zu dem auch Opel gehört, betreibt sein Netzwerk Onstar mit AT&T.

Damit dürfte also "der persönliche Online- und Serviceassistent" (Werbung) alle Opel-Fahrer künftig mehr oder weniger direkt mit der NSA vernetzen. Vielleicht müssen sich die Autofahrer künftig weniger vor unbekannten Kriminellen fürchten, die sich in die Internet-fähigen Autos hacken, als vor den staatlichen Hackern der NSA.

Dass US-Konzerne die NSA mit Informationen belieferten, weiß man seit den ersten Enthüllungen Snowdens im Juni 2013. Neu ist allerdings die extreme Hilfsbereitschaft von AT&T, die von der NSA ausdrücklich gelobt wurde, wie die jetzt geleakten Dokumente verraten. Der Konzern habe seine Daten "bereitwillig" herausgerückt, so die NSA. Amerikas größter Geheimdienst nutzt das Programm Prism, um Codes zu knacken und die Geheimnisse ahnungsloser Benutzer zu stehlen - und das in einer geheimen Kooperation mit privaten Unternehmen, die bis dahin zu den Symbolen für die freie und grenzenlose Kommunikation im Internet zählten wie Apple, die Erfinder des Smartphones, oder Facebook, das Freundschaftsnetzwerk, auf dem viele Nutzer ihre privatesten Geheimnisse preisgeben.

In einer internen und streng geheimen Präsentation lobte die NSA, Prism sei "das meist genutzte Programm" für ihre Berichte. Demnach gewährten Microsoft der NSA seit 2007 direkten Zugriff auf die Daten ihrer Nutzer, Yahoo seit 2008, Google, Facebook und Paltalk seit 2009, Youtube seit 2010, Skype und AOL seit 2011 und Apple seit 2012 - und, wie man jetzt weiß, AT&T mindestens zwischen 2003 und 2013.

Die Hilfssheriffs der NSA

Und das alles betrifft natürlich auch uns Deutsche. Fast alle großen elektronischen Marktplätze sind in den USA beheimatet, ebenso die beiden wichtigsten Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa sowie der allgegenwärtige Abrechnungsdienst PayPal. Nahezu die komplette elektronische Infrastruktur zur Abrechnung steht in den USA, was beispielsweise hoheitliches Zugriffsrecht auf einen Großteil der weltweiten Online-Zahlungen garantiert. Ähnlich ist die Situation beim sogenannten Cloud-Computing, das Unternehmen, Universitäten oder auch Behörden nutzen, um ihre Daten preisgünstig in externen Rechenzentren zu verarbeiten und zu speichern.

Der NSA geht es um alle Daten: Inhalte von E-Mails, übertragene Dateien, Livechats und gespeicherte Suchanfragen – selbstverständlich nicht anonymisiert. "Das Programm", so die Washington Post, "ist speziell für die Partnerschaft mit Unternehmen ausgelegt, und hilft, Daten abzuzweigen oder Barrieren zu umgehen". Nie habe es wertvollere Quellen für die Geheimdienste gegeben als die Firmen aus dem Silicon Valley.

Doch diese dementierten die vertrauensvolle Zusammenarbeit umgehend. So teilte Microsoft mit: "Wir geben Kundendaten nur dann heraus, wenn uns ein rechtlich bindender Beschluss vorliegt, nie freiwillig." Microsoft warb zu dieser Zeit mit dem Slogan: "Privatsphäre ist unsere Priorität." Auch andere der genannten Unternehmen wiesen den Vorwurf einer Kooperation mit der NSA zurück. Die Front hielt allerdings nicht lange. Eine Bestätigung kam ausgerechnet von Generalleutnant James Clapper, dem Director of National Information und Oberhaupt aller US-Geheimdienste: "Die mit diesem Programm gesammelten Daten gehören zu den wichtigsten und wertvollsten Auslandsgeheimdienstdaten, über die wir verfügen", sagte Clapper bei einer Anhörung.

Vor Snowdens Enthüllungen hatten die User nur eine ungefähre Ahnung davon, was mit ihren Daten geschieht. Die Idee, dass Informationen in Wort und Bild aus dem Privatleben gewöhnlicher Menschen millionenfach gesammelt und systematisch zu Dossiers angelegt werden, wäre bis dahin noch als Paranoia abgetan worden. Und dass sich Netzprovider und Internetfirmen im Fall Prism zu Hilfssheriffs der NSA degradieren lassen, hätte sich erst recht niemand vorstellen können.

Hat jeder Internetnutzer seinen eigenen Account?

Doch vermutlich sind wir alle längst Mitglieder der weltweiten "NSA-Community" - allerdings ohne jemals einen Mitgliedsantrag gestellt zu haben. Den Beitrag leisten wir freiwillig an Google, Apple, Microsoft, Facebook oder Amazon, die technischen und juristischen Verbündeten des Großen Bruders. Rund 1,5 Milliarden Internetnutzer sind derzeit bei Facebook angemeldet.

Die Datenspuren, die jedes einzelne Mitglied mit der Zeit hinterlässt, sind gewaltig: Chats, E-Mails, Kurznachrichten, Fotos, Videos - Gigabyte um Gigabyte, und alles bleibt gespeichert, auch die Daten, die ein Benutzer vermeintlich gelöscht hat. Wenn ein privates Unternehmen mit rund 6.000 Mitarbeitern wie Facebook solche Datenmengen verwalten und verarbeiten kann, sollte das dem mächtigsten Geheimdienst der Welt mit rund 40.000 Beschäftigten und einem ganzen Heer von Vertragsfirmen allemal möglich sein.

Der Gedanke ist deshalb nicht abwegig, dass die NSA für jeden Internetnutzer auf der Welt eine Art eigenen Account eingerichtet hat. Das wären dann zurzeit etwa drei Milliarden Benutzerkonten - eine Möglichkeit, auf die der Jurist und Datenschutzexperte Jan Schallaböck ("Löscht die Daten") hingewiesen hat. Mit ihren gewaltigen Analyse- und Speichermöglichkeiten wäre es für die NSA ein Leichtes, das gesamte Kommunikationsverhalten im Internet aufzuzeichnen. Sämtliche Daten von Facebook, Google, Microsoft und Yahoo bekommt sie ohnehin, die Informationen aus den Smartphones und anderen mobilen Geräten ebenso - allein fünf Milliarden Ortungsdaten am Tag.

Und seit Edward Snowden weiß man, dass die NSA mit XKeyscore über ein Programm verfügt, das jegliche Aktivitäten einer bestimmten Person zuordnen kann. Das Schnüffelprogramm sammelt "praktisch alles, was ein User im Internet tut", rühmte sich die NSA selbst in einer Präsentation. XKeyscore kann das "Ziel" (den User) auch in Echtzeit beobachten, also während der Dateneingabe, und speichert auch, welche Dateien oder Webseiten sich jemand im Internet angeschaut hat.

Leider, meint Schallaböck, könne man sich nicht so einfach das Passwort für diesen Account zuschicken lassen, um nachzusehen, was die NSA alles gespeichert hat. Und so einfach abmelden kann man sich aus dieser NSA-Community leider auch nicht.

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